4000 beim Elefantentreffen

Zum 56. mal trafen sich am WE Motorradfahrer aus Ganz Europa zum Elefantentreffen. Wie der Veranstalter mitteilte waren es wieder über 4000 Winterfahrer die sich in Niederbayern in der Gemeinde Loh einfanden. Die Geschichte des Ele-Treffens:

Zu Ehren der Motorradfahrer die mit ihren Fahrten durch Eis und Schnee einen Mythos geschaffen haben.

Im Dezember 1956 erschien auf Initiative eines Redakteurs der Zeitschrift „Das Motorrad“ eine kleine Anzeige, Ernst Leverkus war sein Name, der seine Beiträge immer mit „Klacks“ zeichnete. Er lud an einem Samstag im Januar die Fahrer von Zündapp-KS-601-Gespannen zu einem Markentreffen ein. „Ob da überhaupt jemand kommen würde?“ Die Überraschung war groß, als tatsächlich 15 „Grüne Elefanten“ an der Solitude-Rennstrecke bei Stuttgart zusammen kamen.

Gekommen waren auch einige Motorradfahrer, die einfach nur dabei sein wollten. 1956 durften sie ihre Motorräder noch nicht zu den schweren Zündapps stellen. Dabei war auch der damals 20jährige Horst Hartmann. Er ist sicher der Einzige, der auf über 50 Elefantentreffen dabei war. 1956 war nicht nur der Beginn des Elefantentreffens, es war auch der Beginn der Motorrad-Treffenkultur in Deutschland.

In den folgenden Jahren wanderte das Treffen von Stuttgart nach Bad Dürkheim, dann von Stadtoldendorf über den Kleinen Feldberg im Taunus, bis es ab 1961 am Nürburgring stattfand. Es war inzwischen längst kein Markentreffen mehr. Und wenn damals Klacks mit: seinem unnachahmlichen Pathos das Kommando zur Fackelfahrt für die verunglückten Motorradfahrer gab, dann läuft denen, die dabei waren und heute davon erzählen, noch immer die Gänsehaut über den Rücken.

Motorradfahren im Winter war eine Herausforderung. Eingehüllt in alte Ledermäntel, ausgestopft mit: Zeitungspapier, mit vereisten Bärten und zugefrorenen Brillen auf der Lederkappe pflügten die Unentwegten auf hochhackigen 18-Zöllern der Eifel zu. Motorradfahrerlieder entstanden. Das bekannteste beschreibt die Fahrt einer KS-Gespann-Besatzung auf ihrer Pannenfahrt zum Elefantentreffen. Ober diese Typen ranken sich unglaubliche Geschichten, von denen manche zu Legenden wurden, und immer noch, nach über 50 .Jahren, im schummrigen Licht der Lagerfeuer auf den Gespanntreffen wieder und wieder erzählt werden.

Solche Mythen ziehen natürlich auch die Schaulustigen an. Mit Bussen und PKWs kamen sie 1977 in Massen. Man schätzte rund 30.000 Besucher! Bei einer Schlägerei mit der Polizei gab es einen Toten. Es war der Anlass für den Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM). die schon seit 1961 die Organisation übernommen hatte, den Standort an den österreichischen Salzburgring zu verlegen.

Doch im Lauf der der folgenden zehn Jahre auf dem Salzburgring fühlten sich die Besucher und die Organisatoren von der Gastronomie und dem Vermieter des Geländes mehr und mehr abkassiert. Auch die Kapazitätsgrenze war längst erreicht. 1987 wurde das Elefantentreffen von offizieller Seite abgesagt. Zwei Mitarbeiter der Zeitschrift MOTORRAD-GESPANNE, Henning Wiekhorst und Karl-Heinz Preß, gründeten mit einigen Freunden die „Interessengemeinschaft zur Rettung des Elefantentreffens am Salzburgring“ (IGRES). So fand dann das Elefantentreffen 1988 doch noch vor den Toren des Salzburgrings statt.

Ab 1989 gab es dann zwei Elefantentreffen, eines im bayerischen Wald in Solla bei Thurmannsbang vom BVDM und eines vor dem Salzburgring, ausgerichtet von der IGRES. Doch schon im folgenden Jahr musste die IGRES umziehen. Die Salzburger Landesregierung machte dem Treffen endgültig ein Ende.

1990 fand das IGRES-Elefantentreffen erstmals wieder am Nürburgring statt. 1991 kam es zum Bruch zwischen der IGRES und Henning Wiekhorst mit der Folge, dass er ab 1992 das alte Elefantentreffen am Nürburgring veranstaltete. Als es Henning Wiekhorst beruflich und privat nach Hongkong zog, übergab er die Organisation des Treffens dem „E-Team“.

Die Besucherzahlen des „offiziellen“ BVDM-Treffens im Kessel von Loh haben sich in den letzten Jahren auf etwa 4000 bis 5000 eingependelt. Zum „Alten Elefantentreffen“ am Nürburgring fahren 2000 bis 3000 Winterfahrer. Geblieben ist auf beiden Treffen die internationale Beteiligung. Auch heute noch gilt: Egal ob im bayerischen Wald oder am Nürburgring – wer als echter Motorradfahrer gelten will, muss mindestens einmal im Leben auf dem Elefantentreffen gewesen sein.
(c)Bernhard Götz

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