Bremsen mit dem Gespann

Welche Bremsenvariationen gibt es beim asymetrischen Fahrzeug Gespann und wie wirkt sich dies aus.
Sidecar, Gespann, Beiwagen, Seitenwagen.
Betrachten wir zunächst die Unterschiede von Solomotorrad und Gespann. Bei der Mehrzahl der Zweiräder wirkt der Handbremshebel auf die Vorderrad- und der Fußbremshebel auf die Hinterradbremse.
Es gibt Ausnahmen: Manche Moto Guzzi´s und Bremssysteme bei denen nicht mehr der Fahrer, sondern die Elektronik entscheidet welches Rad wie stark in den Bremsvorgang eingebunden wird.

Dies betrifft insbesondere Maschinen mit teil- oder vollintegralem Bremssystem. Inwieweit der Gespannhersteller eine solche Elektronik in das Gespann funktional integriert, muss der Fahrer wissen, um bestmögliche Verzögerungswerte zu erreichen.

Auf Grund der dynamischen Achslastverlagerung nach vorne übernimmt die Vorderradbremse die Hauptlast bei der Verzögerung.

Die angebotenen Bremskombinationen der Gespannhersteller sind vielfältig, ebenso die daraus resultierenden Reaktionen des Fahrzeugs. Wie stark es dies tut, hängt zum Beispiel von der
– Beiwagen-Masse (auch Beladungszustand)
– Gespann-Spurbreite (Länge des Hebels)
– Reifenhaftung …
… um nur einige Faktoren zu nennen.

Hier fünf Beispiele von möglichen Bremskombinationen und deren Auswirkungen bei einer Not- oder Vollbremsung:

Variante 1:

Vorderradbremse auf der Handbremse, Hinterradbremse auf der Fußbremse, Seitenwagen ungebremst.
Diese Bremse stammt aus der Zeit unserer Urgroßväter. Die Gespanne hatten zehn oder 20 PS und erreichten eine Geschwindigkeit von maximal 80 bis 100 km/h. Da der Seitenwagen nicht verzögert ist, wird das Gespann beim Bremsen versuchen, nach links auszubrechen.

Variante 2:

Vorderradbremse auf der Handbremse, Hinterradbremse auf der Fußbremse, Seitenwagenrad gebremst und ebenfalls an der Fußbremse angeschlossen.
Beim Betätigen der Handbremse neigt das Vorderrad zum Überbremsen, insbesondere bei der Verwendung einer gut wirkenden Bremsanlage. Das Gespann schiebt nach links.
Bei Verwendung der Fußbremse neigt das Gespann zu einer Rechtsdrehung. Die abgestimmte Betätigung beider Bremsen gewährleistet das Spurhalten bei einer Vollbremsung.

Variante 3:

Vorderrad- und Seitenwagenradbremse auf der Handbremse, Hinterradbremse alleine auf der Fußbremse.
Bei Betätigung des Handbremshebels kann ein neutrales Bremsverhalten erwartet werden, das Fahrzeug bleibt also in der Spur. Beim Einsatz der Fußbremse sollte ein Überbremsen des Hinterrades vermieden werden, es genügt eine vergleichsweise „kleine“ Bremse.

Variante 4:

Alle Räder werden über die Fußbremse verzögert, zusätzlich Vorderrad und Seitenwagenrad mit der Handbremse (also je zwei Bremssättel an Vorder- und Seitenwagenrad).
Mit dem Fußbremshebel werden alle drei Räder verzögert. Über die Handbremse wird das Hinterrad nicht verzögert, da lediglich die Vorderrad- und Seitenwagenradbremse angeschlossen sind.
Der Vorteil hierbei ist, dass das richtungsstabilisierende Hinterrad bei der Betätigung der Handbremse nicht der Gefahr des Überbremsens ausgesetzt ist. Die Tendenz zu einer Dreh-/Schleuderbewegung ist geringer.

Variante 5:

„Doppelt genäht hält besser” – Vorderrad-, Hinterrad- und Seitenwagenradbremse jeweils auf Hand- und Fußbremshebel, also immer alle drei Räder gebremst.
Alle Räder werden gleichzeitig abgebremst und dadurch eine nahezu optimale Verzögerung des Gespannes erreicht.

Unser Fazit:

  • Variante 1 – geht heutzutage gar nicht!
  • Variante 2 – kann bei leichten und Gespannen bis 50 PS noch verwendet werden.
  • Variante 3 – Ein Standard der für die meisten Gespanne passt.
  • Variante 4 und 5 – Bremskombinationen für leistungsstarke und moderne Gespanne.

Für eine gute Bremsleistung, wir sprechen hier von Voll- bzw. Notbremsungen, spielen natürlich noch viele andere Faktoren eine Rolle. Ein wichtiger Faktor ist das Verhältnis der übertragenen Bremskraft je Rad.

Bei Fahr und Testberichten überprüft MOTORRAD-GESPANNE die Bremse in dem eine Vollbremsung bei 30 km/h durchgeführt wird. Das heißt: Auf Hand- und Fußbremse wird bis zum Fahrzeugstillstand maximaler Druck ausgeübt*.

Sidecar, Gespann, Beiwagen, Seitenwagen
Läuft das Gespann während der Bremsung geradeaus, und bleibt das Hinterrad am Boden, wird diese Bremsung auch bei 50 km/h durchgeführt.

*Wir gehen davon aus, dass (bei einer echten Notbremsung) der Normal-Gespannfahrer nicht mehr mit abgestimmtem Bremsdruck das Fahrzeug „steuern“ kann.

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