Heft Nr. 53, September/Oktober 1999

Wahlweise!
Es ist ein Thema, über das man gern diskutiert und über das sich die Gespannhersteller viele Gedanken machen: Die wahlweise Nutzung des Fahrzeuges als Solomotorrad und Gespann. 

In der Redaktion hatten wir schon jede Menge dieser Fahrzeuge im Test. Das Fazit nach dem Test war immer ähnlich: Unter den gegebenen Voraussetzungen waren alle Fahrzeuge fahrbar. Schraubte man erst einmal die Ansprüche zurück, so konnte man damit jede Menge Fahrspaß haben. An gewisse Eigenheiten gewöhnte man sich schnell. Sollten die Wahlweise-Gespanne tatsächlich Alternativen sein? (Zum Einlesen: Ausschnitte aus dem Artikel)

Betrachtet man diese Gespanne allerdings unter einem anderen Blickwinkel, so kommt man zu einem ganz anderen Schluss: Wie Sie auch unserem Beitrag auf Seite 56 in dieser Ausgabe entnehmen können, nutzen nur etwa 2 Prozent der Besitzer diese Option und schrauben den Beiwagen weg bzw. wieder an - das sind gerechnet auf die Neuzulassungen pro Jahr gerade mal 3 Gespannfahrer. Automatisch taucht die Frage auf, ob hier unter dem Deckmantel der wahlweisen Nutzung nicht einfach nur preisgünstige Umbaukitts verkauft werden? Beides ist richtig! Der sogenannte "Wahlweise-Umbau" ist für viele Gespanneinsteiger ein finanziell überschaubarer Einstieg in die faszinierende Welt des Gespannfahrens. Mit den Nachteilen arrangiert man sich gern, wenn dafür nicht dauernd der Kontostand im Hinterkopf rumgeistert. Zudem hat man jederzeit die Option der Nachrüstung. Viele BMW-Serienrahmenumbauten mit Telegabel, die vor drei oder vier Jahren verkauft wurden, stehen heute abermals in der Werkstatt und bekommen eine Schwinge und andere Räder montiert.

Ich finde es richtig, dass die Hersteller solche Alternativen anbieten. Auch mein erstes Gespann war eine Guzzi mit Telegabel und Squire-Beiwagen. Der Umbau auf 15"-Räder und später auf eine geschobene Vorderradschwinge erfolgte immer dann, wenn mir die finanziellen Mittel zur Verfügung standen. Die sogenannten Wahlweise-Gespanne sind einfach ein günstiger Einstieg. 
Den Händlern sei ans Herz gelegt, Ihre Kunden genau über die Vor- und Nachteile aufzuklären. Die Fahreigenschaften eines Telegabelgespannes sind einfach nicht mit einem Schwingengespann vergleichbar. Nur da, wo mit offenen Karten gespielt wird, ist man vor unliebsamen Überraschungen sicher.
Es ist schon Tradition, Sie in der September-Ausgabe auf dieser Seite recht herzlich zum Euro-Gespanntreffen einzuladen. Wir sind hoffnungslos optimistisch und rechnen mit hervorragendem Wetter mit viel Sonnenschein. Also dann, wir sehen uns in Reddigh
ausen!

Martin Franitza

 

Zum Einlesen: Beitrag "Wahlweise" in Heft 53

Wahlweise?

Bundestagswahl, Europawahl, Landtagswahl! Auch bei Gespannen haben Sie eine Wahlmöglichkeit. Sie können sich das Motorrad so umbauen lassen, dass Sie es sowohl als Gespann als auch als Solomotorrad fahren können.
"Kann man die auch wahlweise fahren?" Welcher Gespannfahrer hat ihn noch nicht gehört, diesen Satz, auf den es eigentlich nur eine zynische Antwort gibt: "Klar, ich kann zwischen schnell und langsam wählen!".
Den Wunsch nach wahlweisem Betrieb eines Motorrades mit Beiwagen wird es wohl immer geben. Neben den geringeren Umbaukosten ist es oft auch die Angst, sich beim Umbau auf eine völlig neue Fahrzeugkategorie einzustellen. Im Hinterkopf steht doch die Frage: Was ist, wenn mir das Gespannfahren nicht gefällt? Der wahlweise Betrieb ermöglicht es, sich aus der Affaire zu ziehen ohne sein Irrtum eingestehen zu müssen.
Es sprechen aber auch handfeste Argumente für so eine Betriebsart. Unter der Woche wird das Solofahrzeug für den Weg zur Arbeit benutzt und am Wochenende können dann die Kinder in die Eisdiele mitfahren. Der Gedanke liegt also nahe, den Beiwagen bei Bedarf an- und abschrauben zu können.
Von den etwa 1500 Gespann-Neuzulassungen im Jahr sind etwa 10 Prozent für wahlweisen Betrieb geeignet. Aus Leserumfragen wissen wir, dass aber nur etwa zwei Prozent dieser Besitzer tatsächlich die Betriebsart wechseln.
Der Grund für die geringe Nutzung ist klar, denn meist ist es mit dem Lösen von vier Verbindungsstreben nicht getan. In vielen Gespannen (z.B. BMW-GS-Umbauten) sind Federvorspannhülsen in der Gabel montiert. Ohne die Vorspannung würde die Telegabel im Gespannbetrieb bei jedem härteren Bremsmanöver bis zum Anschlag durchknallen. Die Heckfederbeine stehen in der Regel auf der härtesten Vorspannstufe. Nur selten werden Gespannfedern eingebaut, die man bei Solobetrieb wieder umrüsten sollte. Je nach Kilometerleistung im Gespannbetrieb sind zudem die Reifen "eckig" abgefahren und manche Fahrwerksteile krumm.
Die maschinenseitigen Hilfsrahmen sind heute so konstruiert, dass sie bei Solobetrieb am Motorrad verbleiben können und den Fahrer nicht stören. Die Anschlüsse der Beiwagen unterscheiden sich ...
... Gebremste Beiwagen haben entweder einen eigenen mechanischen oder hydraulischen Bremskreis. Bei Kombination mit der Fußbremse wird der Beiwagenbremskreis über einen Schlepphebel angesteuert, der mit dem Fußbremshebel in Verbindung steht. Bei diesem System ...
... Wahlweiser Eintrag ist ein Thema, dem sich die Gespannhersteller wegen verstärkter Kundennachfrage stellen müssen. Bei kleineren Maschinen muss der geringere Umbauaufwand noch akzeptiert werden, da in der Regel die Kosten eines Vollschwingenumbaus in keinem Verhältnis zum Wert des Motorrades stehen.
Aber der wahlweise Eintrag macht auch vor schweren Gespannen nicht Halt. Die Hersteller beugen sich dem Wunsch der Gespannfahrer. Jüngstes Beispiel war das Walter-Drifter-Gespann (s. M-G 52), brandaktuell ist die BMW R 1100 R von Peter Sauer. Die Hersteller haben auf Fälle reagiert und haben entsprechende Umbauten im Angebot.
red.

Vorteile: ....... ...
Nachteile:.......
Was Sie bei der Montage bzw. Demontage des Beiwagens immer beachten müssen
...
...zurück nach oben.

 

  Weitere Rubriken in diesem Heft: Inhaltsverzeichnis, Titelgeschichte

     Weitere Hefte