Heft Nr. 58, Juli/August 2000 (Titelgeschichte, Textauszug)

MOTOWiG BKW 3

Das Austüfteln ungewöhnlicher technischer Lösungen reizte Erich Wilhelm schon immer mehr als die Serienfertigung. Seit nunmehr 15 Jahren pflanzt MOTOWiG die BMW-K-Motoren in Komplettfahrgestelle, neuerdings auch mit Einarmschwingen-Gabeln.

Wenn von komplett verschweißten Chassis die Rede ist, denkt jeder Branchenkenner zunächst an Krauser und HBJ. Dabei sind die beiden Anbieter _ die ihre Aktivitäten mittlerweile aus verschiedenen Gründen mehr oder weniger eingeschränkt haben _ nicht die einzigen Protagonisten konsequenten Fahrwerkbaus. Bereits Anfang der 80er Jahre begann nämlich Erich Wilhelm, einteilige Gespannrahmen zu konstruieren, mit denen er dann pünktlich zum Seitenwagenboom unter dem Markennamen MOTOWiG an die Öffentlichkeit trat. Trotz entsprechender Würdigung in der Fachpresse blieb der damals noch in Sonthofen als Honda- und BMW-Händler ansässige Wilhelm Geheimtipp.

MOTOWiG machte jedoch nicht nur wegen seines einteiligen Rahmens auf sich aufmerksam, sondern vor allem wegen der für damalige Verhältnisse hyperbreiten 205/60er Reifen und der Tatsache, dass das Gespann mit dem Pkw-Führerschein pilotiert werden durfte. Dabei war letzteres zunächst überhaupt nicht beabsichtigt. Wilhelm hatte sich eigentlich nur beim TÜV vergewissern wollen, ob und wie seine Konstruktion diese Zulassungshürde nehmen könnte. Doch weil Gespanne gemäss einer aus grauen Vorzeiten stammenden Vorschrift noch als trennbare Einheit von Zugmaschine und Beiwagen angesehen wurden, wollte man das MOTOWiG als Pkw einstufen. Im Klartext hieß das: Erfüllung der Automobil-Normen für Betriebsfestigkeit, Abgas und Geräusch, zweiter Scheinwerfer und mittig am Heck angeordnetes Nummernschild.  

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Doch allein schon wegen seiner Vorderradführung ist dieser Prototyp bemerkenswert. Wilhelm realisierte in seinem Ur-MOTOWiG nämlich das Telelever lange vor BMW. Weil damals keine genügend belastbaren Lager zur Verfügung standen, verwarf er dieses Lenksystem für sein Projekt. Allerdings nicht, ohne es an geeigneter Stelle bei der weißblauen Marke in München zu präsentieren. Dort zeigte man sich jedoch grundsätzlich desinteressiert. Was - so Wilhelm - bezeichnend für die heimische Industrie ist: "Japanische Firmen haben ein viel unverkrampfteres Verhältnis zu Ideen, die von außen an sie herangetragen werden. Deutsche Unternehmen wie BMW geben sich dagegen sehr zugeknöpft, wenn etwas nicht aus dem eigenen Haus kommt." In diesem Fall lässt sich die Zurückhaltung der BMW-Leute auch auf andere Weisen interpretieren, mittlerweile ist das Telelever immerhin Standard bei den Maschinen der weißblauen Marke.  

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Ellen Reinke

 

Technische Daten: MOTOWiG BKW 3

Motor: BMW K 100-16V/K 1100

Fahrwerk: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, über vier Streben angeschweißter Unterflurrahmen für den Seitenwagen, geschobene Einarm-Vorderradschwinge mit Parallelogramm-Abstützung und Mono-Federbein, Einarm- Paralever-Hinterradschwinge mit Mono-Federbein, Seite Zugschwinge mit Mono-Federbein, Federwege 85 mm.

Bremsen: Hydraulisch betätigte Scheibenbremse vorn, Durchmesser 241 mm, an Pedal hydraulisch angeschlossene Trommelbremse hinten und Scheibenbremse am Beiwagen, Durchmesser 186/227 mm

Bereifung: 185/60 R 14 

Abmessungen:
Radstand:....1685 mm
Spurweite:...1150 mm
Vorlauf:.....250 mm
Vorspur:...10 mm
Nachlauf VR:...30 mm 

Abmessungen Seitenwagen:
Sitzbreite:...400 mm
Fußraumlänge:...780 mm  

Gewichte:
Leergewicht trocken:...345 kg
Leergewicht vollgetankt:... 390 kg
Zul. Gesamtgewicht:...610 kg  

Preis:
Umbau:...ab 29.700,- DM  
 

 

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