Heft Nr. 62, März/April 2001 (Titelgeschichte, Textauszug) 

Königlich cruisen

Leistungsfähige Motorräder für Familiencruiser sind rar. Walter entdeckte die Yamaha Royal Star Venture als geeignetes Zugpferd für seinen Freeway King.

Als Yamaha vor Jahren die Royal Star auf den Markt brachte, rieben sich die Fans großer Tourengespanne zunächst freudig die Hände. Ein hubraumstarker V-Vier samt pflegeleichtem Kardanantrieb - genau das wünscht man sich von einer Zugmaschine für eine solche Kombination.

Wie so oft bei attraktiven neuen Modellen reagierte Walter prompt und nahm den Yamaha-Cruiser in sein Programm. Doch schnell stellte sich heraus, dass 74 PS in Verbindung mit einem Familienboot kaum mehr als beschauliches Dahingleiten zuließen. Yamaha hatte mit der Drosselung seines aus XVZ 12/13 T und Vmax als potent bekannten V-Vier schlichtweg zuviel des Guten getan. Als Mitbewerber um die Royal Star zog Side-Bike daraus die Konsequenz und wurde mit der Honda F6 C erstmals seiner Hausmarke Yamaha untreu, um der Kundschaft für seinen Renaissance- Beiwagen ein standesgemäßes Zugpferd anbieten zu können. Zu dieser Zeit hatte Walter die Valkyrie allerdings schon längst im Programm, doch dies nur am Rande.

Zum Glück für die Markenfans schob Yamaha dann die Royal Star Venture mit 95 PS und attraktiver Zusatzausstattung wie Verkleidung, Gepäcksystem, Radio-/Kassettenteil und Tempomat nach. Obwohl das nunmehr verstärkte Fahrwerk eine Adaptierung des für die Royal Star entwickelten Umbaukitts vereitelte, scheute Walter den zusätzlichen Aufwand nicht und verpasste dem Supercruiser ebenfalls seinen Freeway King. Wobei sich selbstredend auch andere Beiwagen aus dem Walter-Programm mit der Yamaha kombinieren lassen.

Beim Umbau der Venture greift Walter auf bewährte Technik zurück. Die Vorderradführung übernimmt dabei seine Schwingengabel mit zwei Federbeinen. Das hintere Zentralfederbein verfügt werkseitig über eine Luftunterstützung und lässt sich dadurch recht problemlos auf die zusätzliche Belastung abstimmen. Die Räder der Yamaha müssen 15-Zoll-Verbundfelgen mit Pkw-Bereifung weichen, allein aus Platzgründen fällt die Reifendimension im Heck schmaler aus als bei Walters ähnlich konzipiertem Valkyrie-Umbau. Wie bei Walter Standard, wird die Scheibenbremse am Seitenrad über einen Mitnehmerhebel am Pedal aktiviert. Dadurch können die Hydrauliksysteme der maschinenseitigen Bremsen unangetastet bleiben, der über vier Streben angeschraubte Freeway King lässt sich, zum Beispiel für Wartungsarbeiten, leichter von der Venture trennen. Wahlweiser Solobetrieb ist allein wegen der Vorderschwinge und der Bereifung jedoch nicht möglich.

Mit geänderten Steuerzeiten, mehr Ventilhub und 32er Vergasern mit Drosselklappensensoren peppte Yamaha den wassergekühlten Vierventiler der Royal Star um 21 auf 95 PS auf. Was sich logischerweise derart deutlich auf die Fahrleistungen niederschlägt, dass man nicht den direkten Vergleich braucht, um den Unterschied festzustellen. Die Venture kommt in allen Drehzahlbereichen besser und lässt sich deshalb selbst mit hoher Zuladung souveräner fahren. Insbesondere auf der Autobahn machen sich die Leistungsreserven positiv bemerkbar: Bei zirka 160 km/h Höchstgeschwindigkeit stellt das Mitschwimmen in Richtgeschwindigkeit selbst an Steigungen kein Problem dar.  

Dabei gibt sich der Vierzylinder vergleichsweise genügsam. Mehr als zwölf Liter Normalkraftstoff liefen selbst bei ....

Ellen Reinke 

 

Technische Daten: Walter-Yamaha XVZ 13 TF Royal Venture / Freeway King

Motor: 
Wassergekühlter Vierzylinder-V-Viertakter, Bohrung x
Hub: 79 x 66 mm, Hubraum: 1294 cm3, Leistung 70 kW (95 PS) bei 6000 U/min, Drehmoment: 119 Nm bei 4500 U/min, Elektrostarter 

Elektrik: 
Batterie: 12V/18 Ah, Lichtmaschine 420 Watt

Kraftübertragung: 
Kupplungsbetätigung: Hydraulisch, Getriebe: 5
Gänge, Sekundärantrieb: Kardanwelle

Fahrwerk Motorrad: 
Rohrrahmen mit zwei Unterzügen, vorne
Gabel mit geschobener Schwinge und zwei Federbeinen, hinten Kastenschwinge mit Zentralfederbein, Federwege:...80/105 mm

Bremsen
vorne zwei hydraulisch betätigte Scheibenbremsen mit 298
mm Durchmesser und Vierkolbensätteln, hinten hydraulisch betätigte Scheibenbremse mit 320 mm Durchmesser

Bereifung
vorne:...155/70 R 15 auf LM-Verbundrad
hinten:...155/70 R 15 auf LM-Verbundrad

Seitenwagen
Unterflurrahmen aus Rundrohr, gezogene Schwinge mit
einem Federbein, Federweg: 60 mm, Vierpunktanschluss

Bremse
hydraulische Scheibenbremse mit 0 mm Durchmesser,
mechanische Koppelung über Mitnehmerpedal

Bereifung
135/70 Z 15 auf LM-Verbundrad

Abmessungen Gespann: 
Länge:... 2705 mm
Breite:... 2040 mm
Radstand:...1780 mm
Spurbreite:...1490 mm
Vorlauf:...330 mm
Vorspur:...35 mm
Nachlauf:...60 mm
Wendekreis rechts (Mitte Hinterrad):...6,20 m
Wendekreis links (Mitte Seitenrad):...8,88 m  

Gewichte:
Leergewicht:...530 kg
zul. Gesamtgewicht:...834 kg

Preise:
Komplettgespann:...ab 53.890 DM
Komplettumbau:...ab 23.290 DM
Umbaukitt:....8295 DM
Freeway King:...15.990 DM
 

Was uns gefiel:
+ Insgesamt reichhaltige Ausstattung und gute Qualität
+ Kräftiger Motor
+ Komfort für Langstrecken

Was uns nicht gefiel:
- Strammgängige Lenkung
- Bremskoppelung
- Sw-Scheibe nicht klappbar

 

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