Leitartikel, Heft Nr. 63, Mai/Juni 2001

Sind wir die Melkkühe der Nation?

Gespannfahren wird teurer.
Die Bundesregierung plant, die Kfz-Steuer für Motorräder ohne geregelte Abgasreinigung bereits im Jahre 2002 drastisch anzuheben. Dies geschieht ohne Vorwarnung und ausreichende Übergangszeit. Eine Steuerentlastung bei der Nachrüstung eines geregelten Katalysators oder beim Neukauf eines Motorrades mit Abgasreinigung ist im Moment auch nicht vorgesehen. Hier werden rund Millionen Motorradfahrer rigoros bestraft und ausgenommen.
Grundsätzlich ist gegen Maßnahmen, die einer besseren Umwelt dienen, nichts einzuwenden. Aber hier wird Geld gescheffelt, um den Staatshaushalt auf dem Rücken der Motorradfahrer zu sanieren. Warum gibt man der Motorradindustrie nicht einen Termin vor, ab dem keine Motorräder mehr ohne geregelten Katalysator verkauft werden dürfen Keine Regierung der Welt hätte es damals gewagt, mit so drastischen Maßnahmen 30 Millionen Autofahrer gegen sich aufzubringen. Warum wurden in den Ausschüssen von Politikern, Herstellern und Verbänden die Weichen nicht rechtzeitig gestellt?

Sicher kann man argumentieren, dass eine Mehrbelastung von etwa 30 Mark im Monat für ein 1000-ccm-Motorrad tragbar ist. Aber es geht um die Art und Weise, wie jetzt die Pläne durchgesetzt werden. Auto- und Motorradfahrer werden mit zweierlei Maß gemessen.
Ein kleines Rechenbeispiel: Bei einer durchschnittlichen Zulassung von 8 Monaten im Jahr kostet ein Mittelklassemotorrad mit 600 ccm gerechnet 144 Mark mehr. Auf drei Millionen Motorräder gerechnet holt sich der Staat hier schnell mal etwa eine halbe Milliarde Mark ab. Und da soll man sich nicht als Melkkuh der Nation fühlen?
Wer sich noch dieses Jahr für ein neues Motorrad interessiert und beim Kauf die Steuerpläne berücksichtigen will, wird tief in die Tasche greifen müssen. Unter 20.000 Mark ist bis auf die BMW F 650 kein Gespannmotorrad mit geregeltem Katalysator zu bekommen.

Eine andere Sache ist die Präsenz des Gespannes in den Motorrad-Fachblättern. In der Vergangenheit haben sich Tourenfahrer und Motorradfahrer hier durch regelmäßige und ausführliche Beiträge positiv von der Konkurrenz abgehoben. Aus unseren Marktanalysen wissen wir, dass ein nicht unerheblicher Teil der MG-Leserschaft gleichzeitig die Titel aus Euskirchen als Informationsquelle nutzt. Allerdings scheint man dort - aus welchen Gründen auch immer - der Seitenwagen neuerdings etwas überdrüssig geworden zu sein. Da stimmt es erfreulich, dass Mitbewerber Motorrad News seine Aktivitäten zu diesem Thema intensivieren will. Motorrad-Gespanne kann ein derartiges Engagement nur begrüßen, denn wesentlich durch die Präsenz in den Motorradmedien kann das Gespann neue Freunde gewinnen. Eine vitale, florierende Szene kommt letztlich allen zugute: Herstellern, Händlern und vor allem den Gespannfahrern.
Aber auch die "einspurig" orientierten Fachmagazine könnten durch das Thema gewinnen. Bei über 50.000 Beiwagenmaschinen im deutschsprachigen Raum sollte die Zielgruppe bereits in einer relevanten Größenordnung liegen. Ganz abgesehen davon, dass sich Gespanne als Hingucker in jedem Heft gut machen.

Kommen wir zu etwas Erfreulichem. Die Vorbreitungen für die 13. Euro-Gespann-Treffen laufen auf Hochtouren. In St. Andreasberg ist die städtische Verwaltung schon im Gespannfieber. Einige Vorab-Informationen finden Sie bereits in diesem Heft auf Seite 59. Campingmöglichkeit auf dem Treffenplatz im Kurgarten besteht ab Donnerstag 12.30 Uhr. Welcher Beiwagen dieses Jahr verlost wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Geplant ist auch ein Diavortrag von Gunter Niemann über seine Tour in Südafrika. Auszüge seiner Reise haben wir in Motorrad-Gespanne Nr. 61 und 62 veröffentlicht. Hoffen wir, dass das vielversprechende Wetter des Monats Mai sich bis in den Herbst hält.

Martin Franitza

Redaktion Motorrad-Gespanne
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