Leitartikel
November/Dezember 2001, Nr. 66

Sind unsere Ansprüche zu hoch?

Gespanne kosten Geld, das ist unumstritten. Die Bandbreite ist auf den ersten Blick erschreckend.

Schon vor Jahren wurde die 100.000-Mark-Grenze geknackt. Im krassen Gegensatz dazu stehen die oftmals vernachlässigten Alternativen, die schon bei 10.000 DM anfangen. Angesichts dieser auseinanderklaffende Schere kommt das Vorurteil zustande: Gespanne sind wahnsinnig teuer. Doch, sind es nicht unsere Ansprüche die uns die Gespanne so teuer machen? Wir wollen Bequemlichkeit für die Passagiere, viel Leistung für den Fahrer, einen möglichst großen Kofferraum, wasserdichte Verdecke und am besten noch einen Benzinverbrauch, der in jeder Fahrsituation unterhalb eines Kleinwagens liegt. Die Hersteller lassen sich gern auf unsere  Vorstellungen ein. Wen wundert’s? Sie verdienen gut an Sonderwünschen und den individuellen Extras. Oder haben schon mal einen Gespannverkäufer erlebt der Ihnen den Wunsch nach Alufelgen oder Zusatztank ausgeredet hat? Und so ist jeder Kundenwunsch letztlich wie ein Befehl: Jawohl, machen wir! Rahmen verzinken? Kein Problem! Logisch, dass diese Ansprüche auch viel Geld kosten.

Nur wenige Hersteller wie zum Beispiel Däschlein oder Peikert widmen sich ausschließlich den preiswerten Alternativen. Es sind keine Hightech-Flundern, die mit Airbrush, Breitreifen und technischen Gimmicks um Aufmerksamkeit werbend vom Hof rollen. Es sind Fahrzeuge, die dem wichtigsten Anspruch unseres Hobbys genügen: Gespannfahren. Es sind Fahrzeuge, die auf knapper Schiene kalkuliert sind, die keinen Edelvelour als Innenausstattung haben, und auch nicht mit einer Radio-Alarm-Internet-Anlage ausgerüstet sind. Es sind Fahrzeuge, die das Hobby auf den Punkt bringen. Gespannfahren in seiner ursprünglichsten Form.

Ich will nicht dazu aufrufen, dass wir uns alle alte BMW R 75/5 oder Moto Guzzi T3-Maschinen kaufen und mit einem Ural- oder Velorex-Beiwagen ausrüsten. Er soll zum Nachdenken anregen. Er soll Verständnis der High-Tech-Generation für die Low-Budget-Fraktion wecken, die vielleicht sogar selbst zum Schweißbrenner greift. Egal auf was für einem Gespann wir auch unterwegs sind, Gespannfahren ist ein Hobby, dessen Fahrspaß auf der asymmetrischen Anordnung der drei Räder beruht.

Wie teuer dieses Hobby ausfällt, entscheidet jeder für sich. Das Euro-Gespann-Treffen (siehe Seite 20) mit dem Eigenbauwettbewerb war wieder einmal der beste Beweis: Es spielt keine Rolle ob das Gespann mit dicker oder dünner Brieftasche eingekauft wird, der Spaß macht’s!

In diesem Sinne!

Martin Franitza

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