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Bullenstark
Bullenstark und schier unverwüstlich ist die Honda ST 1100. Sie ist ein kräftiges aber gutmütiges Gespannmotorrad und braucht nicht viel Aufmerksamkeit. Wir waren mit einem ST-1100-Gespann der Firma Horst Hartmann unterwegs. Ob wir auf Strecke auch die ST-Lobeshymne anstimmten oder auf Dissonanzen stießen, klärt ein Test.
Es
ist schon über 10 Jahre her, dass Honda mit der ST 1100 das Segment der Reisemotorräder
bereicherte. Genau so lange wurde die verkleidete Maschine für den Beiwagenbetrieb
rekrutiert. Im Frühjahr 1990 rollte das erste ST-Gespann über deutsche Straßen.
Helmut Walter hatte sich seinerzeit die Exklusivität gesichert. Kurze Zeit später
stellte auch EML den Touren-V4 vor. EMLs erste Interpretation sah noch ein 15“-Fahrwerk
mit 135/145 x 15-Bereifung vor. Nicht lange glaubte man damals noch an die Tauglichkeit
der Entenreifen und im Zuge der Neuorientierung bei den Fahrwerken spendierten
die Holländer auch der ST ein 14“-Laufwerk. Walter Lefevre nahm eine ST unter
seine Fittiche und montierte eine Achsschenkellenkung. Dieses Gespann läuft
auch heute noch bei den Motorradfreunden Reddighausen. Gilbert Beringer in Frankreich
hatte sich sowieso auf Honda eingeschworen und setzte die ST neben seinen Orion-Beiwagen.
EZS komponierte ebenfalls einen Umbau mit 14“-Rädern. Auf Basis von EML-Kitts
entstanden auch bei Horst Hartmann fünf Pan-European-Gespanne mit Speeding-Beiwagen.
Ähnlich sind bei allen Schwingenfahrwerken der verschiedenen Hersteller die
Hilfsrahmen bzw. Anschlusspunkte.
Das waren aber dann schon die Highlights der Honda-ST-1100-Gespanngeschichte. Bis auf Modellpflege bleib die Honda wie sie war und auch die Gespannhersteller sahen keinen Grund, ihre Konstruktionen zu verändern. Die Fahrer der Gespanne hatten auch selten Grund zu klagen. Das Motorrad machte keine Probleme. Die wenigen Schäden, die an ST-1100-Gespannen auftraten und uns bekannt sind, waren meist an den gespannspezifischen Teilen zu finden. Die Honda-Komponenten arbeiteten jahrelang zuverlässig. Die 100.000-Kilometer-Marke war keine Seltenheit. Die zusätzliche Modellbezeichnung Pan European zeigte den Fahrern, wo die ST 1100 bewegt werden wollte: Auf Straßen aller Ordnung in ganz Europa.
Im
September stellte Honda auf dem Mailänder Salon das Nachfolgemodell der ST 1100
vor. Mit der alten ST hat die neue nicht viel mehr gemeinsam als die Idee, ein
kompromissloses Tourenbike auf die Räder zu stellen. Der Motor erhielt mehr
Hubraum und wuchtet jetzt aus 1200 Kubik das maximale Drehmoment von 117 Nm
auf eine tiefer gelegte Kurbelwelle. Befeuert wird nun über eine Einspritzanlage
und ein geregelter Katalysator sorgt für reduzierte Schadstoffe. Die Gespannhersteller
werden einen neuen Hilfsrahmen konstruieren müssen. Ein Aluminiumrahmen mit
Aluminiumschwinge ersetzt das alte Stahlchassis. Wir werden sehen, was den Gespannherstellern
dazu einfallen wird.
Bevor die Neue
kommt, wollten wir Pan European-Feeling noch einmal pur erleben. Seinerzeit
hatte sich Horst Hartmann ein ST-1100-Gespann als Winter- und Alltagsfahrzeug
aufgebaut. Knappe 40.000 Kilometer hatte es bereits auf der Uhr, als wir es
für einen längeren Test übernahmen. Mit einem abgeänderten EML-Kitt machte
Horst Hartmann die ST gespanntauglich und spendierte ihr einen Dreamline-Beiwagen
der ersten Generation. Freie Autobahn auf der Rückfahrt zur Redaktion zeigte
dann ganz deutlich die Qualitäten des Motors. Ohne Probleme dreht er fast bis
an den roten Bereich, zeigt dann 190 km/h auf dem angeglichenen Tacho und mahnt
trotzdem erst nach langer Fahrt zu einem Tankstopp. Wind und Wetter können den
Fahrer kaum beeindrucken, denn hinter der Verkleidung sitzt man geschützt. Wenn
es richtig schüttet, muss man nicht zwangsläufig anhalten, um das Boot abzudecken,
damit der Insasse nicht nass wird. Er sitzt genau so gut geschützt und wundert
sich höchstens über ein paar Regentropfen, die über den Helm nach unten laufen.
...
Abmessungen:
Radstand:
1668 mm
Spurbreite:
1380 mm
Vorlauf:
170 mm
Vorspur:
23 mm
Nachlauf
VR: 50 mm
Leergewicht:
435 kg
Zul.
Gesamtgewicht: 750 kg
Red.
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