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Leserbriefe
Heft Nr. 71, September/Oktober 2002
Es geht selten geradeaus!
Bis
vor nicht allzu langer Zeit war Dreiradfahren aus meiner Sicht etwas für Kinder.
Solo, mit meiner YAMAHA XTZ 660 haben mich Gespanne nie interessiert, da man
bei diesen Dingern alle Nachteile des Autos und alle des Motorrades in einem
verbindet. Dem ist auch so, aaaaber...... der Fahrspaß ist mit dem wahren Leben
zu vergleichen - es geht selten geradeaus.
Günstigst geschenkt für 250 Euro kam ich zu einer BMW R80, Bj. 85, mit ungewisser
Laufleistung um die 100.000 Kilometer. Mein Kumpel kam auf die Idee, doch einen
Uralbeiwagen anzubauen. Zuvor bekam ich noch die Adresse von Sir Edmund Peikert
zugespielt. Dieser unterstützte mich in meinem Anliegen, und lieferte mir den
Hilfsrahmen und diverse Anschlüsse. Jederzeit wurden technische Probleme mit
Tipps aus der Welt geräumt. Bezüglich Beiwagenbremse und Lenkungsdämpfer wurde
mir durch ihn Hilfestellung gegeben. Als der in Berlin unter Gespannfahrern
bekannte Spandauer Prüfer von meinem Vorhaben mit Peikerthilfsrahmen hörte,
machte er mir Mut. Ohne Probleme ließ sich der Hilfsrahmen spannungsfrei an
der BMW an einem Wochenende anbauen. Da zu diesem Zeitpunkt ein neuer Uralbeiwagen
über 1000 Euro gekostet hätte, kam der Gebrauchte mit pulverbeschichtetem Rahmen
und neu lackiertem Boot aus zweiter Hand für 450 Euro gerade recht. Anstatt
der Holzbestuhlung fand ein schmaler Autosportsitz im Beiboot Verwendung. Mit
fachkundiger Unterstützung wurde beim Meisterbetrieb Lüdecke der Beiwagenrahmen
angepasst. Mit Prüfgebühren, Hilfsrahmen, Anschlussteilen, Lenkungsdämpfer (VAG/BOGE),
18 Zoll Beiwagenrad, Lack, Sitz und allem drum und dran, kostete der Spaß runde
1900 Euro plus die enormen 250 Euro Anschaffungskosten der BMW.
2150 Euro für ein BMW-Gespann, das schon viel Interesse gefunden hat!
Nun beginnt für mich der ernste Spaß des Lebens. Sicher wird dies Gespann nicht
jeden vom Sattel reißen. Über Lenkkräfte redet man nicht, die hat man. Für meine
ersten Gehversuche auf drei Rädern, die bis jetzt auch schon enorme spaßige
5000 Kilometer betragen, ist dieses Gespann super.
Leider ist Berlin mit dem näheren Umland gespanntechnisch ein "fast Niemandsland".
Über Informationen wann und wo im Berliner Umfeld Treffen oder Gespannlehrgänge
stattfinden wäre ich sehr dankbar, da ein Sicherheitstraining für mich und mein
Gespann sicher dringend notwendig ist.
Übrigens, die Berichte im M-G sind recht interessant, da nicht nur neue, teure
Gespanne vorgestellt werden. Der Bericht in M-G 67 (Zenzi-Kuh) ist ein gutes
Beispiel.
Mit dreirädrigen Grüßen Ralf Poeck
Gespannfahren mit Doreen
Schön,
dass es noch mehr so Verrückte gibt, die ihren Hunden zuliebe auf ein Gespann
wechseln. Mir wird öfter ein Vogel gezeigt, wenn meine Neufundländerin Doreen
neugierig ihren Kopf in den Fahrtwind stemmt. Die wissen alle nicht, was für
einen Riesenspaß es dem Hund macht. Ich wusste das früher auch nicht, sonst
hätte ich nicht viele Jahre lang für meine Viecher auf das Motorrad verzichtet.
Erst als mein letzter Hund gestorben war, stieg ich wieder auf den Bock. Doch
bald zeigte sich: Ohne Vierbeiner halte ich es nicht aus. Da endlich kam mir
der einzige Gedanke und als ich im Gespann-Katalog den W-650-Umbau von Motek
sah, wusste ich nach wenigen Sekunden: Das ist es.
Mit
etwas Bedenken nahm ich Doreen gleich auf die 400 Kilometer lange Überführungsfahrt
mit. Gemeinsam fuhren wir uns schön vorsichtig ein. Als sie am nächsten von
allein ins Boot sprang, war ich mir sicher, die richtige Entscheidung getroffen
zu haben.
Zur
Sicherheit habe ich zwei kurze Hundeleinen jeweils rechts und links am Bootsboden
montiert. So kann sich der Hund in der Mitte sitzend aufrichten, sich aber zu
keiner Seite weit hinaus lehnen. Eine Windschutzscheibe habe ich aus unzerbrechlichem
Polycarbonat zugeschnitten und mittels Wasserrohrklemmen so auf den Handreeling
geklickt, dass sie sich zum Schließen der Persenning in Sekunden ohne Werkzeug
abnehmen lässt. Durch die starke Wölbung hält die Konstruktion dem Winddruck
stand.
Bis
etwa 80 km/h sieht Doreen allerdings am liebsten seitlich daran vorbei, ohne
dass sie davon jemals Augen- oder Ohrenprobleme bekommen hätte. Auch Während
eines Wolkenbruchs blieb sie seelenruhig in der Badewanne sitzen. Neufundländer
sind schließlich Wasserhunde.
Fazit:
Lieber ein glücklicher Hund im Boot als ein heulender zu Hause. Übrigens, öfter
als gezeigte Vögel begegnen mir lachende Gesichter am Straßenrand.
Thomas Schrader, Göttingen
== 1 Bild ==
Und noch eine Feststellbremse!
Der Fantasie eines
kreativen Gespannnarren sind keine Grenzen gesetzt. In vieler Hinsicht gerät
dabei das Verhältnis Nutzen-Aufwand aus der Balance und ist mit normalen Maßstäben
kaum zu bewerten. Bei mir war die erste Feststellbremse ein Gummiring, der den
angezogenen Handbremshebel fixierte. Das war wirklich etwas einfach und so musste
eine Lösung auch mit etwas Elektrik her. Im Prinzip besteht die Feststellbremse
aus einem an dem Verbindungsrahmen montierten Dreipunkthebelspanner (DE-STA-CO-Spannelement)
mit selbstsichernder Endstellung. In der vorderen, geschlossenen Stellung drückt
der verlängerte Spannarm über einen veränderbaren Druckpunkt auf das Fußbremspedal.
In der hinteren, geöffneten Stellung betätigt der Handhebel die Schaltfahne
eines Microwechselschalters. Bei betätigter Fußbremse leuchtet die die rote,
bei geöffneter Bremse die grüne Diode auf. Beide habe ich mit einer passenden
Borduhr auf einem polierten VA-Paneel montiert.
Noch
eine Frage: Mein Sportster-Bobby-Gespann hat ein großes Nummernschild. Dem Wunsch
nach einem kleinen Schild steht die unverständliche Haltung der Zulassungsstelle
entgegen: Kleines Nummernschild ja, aber nur mit einer neuen Kombination.
Aber
gerade weil die vorhandene Kombination so reizvoll ist, Buchstaben und Zahl
ergeben den Typ, möchte ich auf diese nicht verzichten. Wer kann mir sagen,
ob es trotzdem geht?
H.E. Mirbach, Überhern, Tel. 06836/2134
== 3 Bilder ==
Unsere Kawa!
Im
März 2000 ließen wir unsere Kawasaki VN 1500 bei Helmut Walter mit einem jewell-Zweisitzer
zum Gespann umbauen. Da unser Budget gerade für den Beiwagen und den Anbau reichte,
ließen wir die Kawasaki original. So konnte auch wahlweiser Betrieb in die Papiere
eingetragen werden. Wir sind seit dieser zeit etwa 11.000 Kilometer mit dem
Gespann gefahren und sehr zufrieden. Bisher haben wir drei problemlose Urlaube
mit den beiden Kindern und dem ganzen Gepäck problemlos hinter uns gebracht
und den vierten bereits in Planung.
Der
jewell-Zweisitzer bietet ausreichend Platz für die beiden Kinder und auch genügend
Beinfreiheit für erwachsene Beifahrer mit 1,90 m Körpergröße. Der Kofferraum
ist gut zugänglich und bietet viel Stauraum. Bei Regenfahrten blieb immer alles
trocken. Das Gespann fährt sich im Originalzustand ausgezeichnet. Der Verbrauch
liegt zwischen 6,5 und 9,5 Litern Normalbenzin je nach Zuladung und Tempo. Besonders
ausgezahlt hat sich der Zusatzscheinwerfer, der uns bisher brenzlige Aktionen
mit dem Gegenverkehr erspart hat. Vor dem Anbau war das anders.
Ingo Rüppner und Familie , Zeitz
== 1 Bild ==
Ohne Helm!
Alle
Gespannfahrer wissen es, viele Motorradfahrer auch: Ein Motorrad mit Seitenwagen
ist laut Gesetz ein Motorrad und damit gelten für ein Gespann alle die Regeln,
die auch für ein Solomotorrad Gültigkeit haben. Das ist im Allgemeinen gut so,
in Ausnahmefällen ist es aber auch negativ. Eine dieser Regelung besagt, dass
auf dem Motorrad ein Helm zu tragen ist. Ein Gespann ist ein Motorrad und damit
ist auch hier ein Helm zu tragen. Auf der Zugmaschine macht das in den allermeisten
Fällen Sinn; im Seitenwagen auch, solange Erwachsene drin sitzen. Nehmen wir
aber unsere Kinder mit, sieht die Sache schon ganz anders aus.
Viele
Familien nutzen als Seitenwagen ein geschlossenes Familienboot. Die Kinder müssen
einen Helm anziehen und die Sitze benutzen. Dann ist alles in Ordnung – sagt
der Gesetzgeber. Wer sich nicht schon vorher über die Sicherheit seiner Kinder
Gedanken gemacht hat, tut dies spätestens nach der ersten Vollbremsung, wenn
die Kinder, weil Sie keinen Halt gefunden haben, an der Scheibe des Seitenwagens
kleben. Dies kann also nicht die Lösung sein. Was kann man tun? Klar, Sicherheitsgurte
einbauen und einen Autokindersitz nutzen. Dies bieten die meisten Gespannbauer
heute als Standardzubehör an. Wer jetzt denkt, dass durch die Nutzung von Gurt
und Kindersitz die Helmpflicht entfällt, hat falsch gedacht. Das Gespann bleibt
ein Motorrad, also ist weiterhin ein Helm zu benutzen. Nun ragen aber die meisten
Kindersitze über den Kinderkopf hinaus, was zur Folge hat, dass beim Helmtragen
die Kinder sich nicht mehr richtig anlehnen können und der Kopf nach vorne gedrückt
wird. Was das bei einem Unfall bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen, der
mal bei einem Autosicherheitstraining mitgemacht hat. Deshalb bin ich persönlich
der Meinung, dass Kinder im Seitenwagen so lange wie möglich mit Sicherheitsgurt
und Kindersitz gesichert werden sollten. Wer dies tut, muss aber dann auch prüfen,
ob der Helm noch sinnvoll ist. Nur erlaubt ist das Weglassen des Helms nicht,
deswegen habe ich für meinen Seitenwagen eine „Befreiung
von der Helmtragepflicht„ beantragt.
Nach
einigem Hin und Her, nach Begutachtung der Gurte, des Seitenwagens und der Kindersitze
durch den TÜV habe ich diese Ausnahmegenehmigung auch erhalten und kann somit
heute mit Gurt und Kindersitz oder mit Helm im Seitenwagen meine Kinder mitnehmen.
Jetzt bin ich mir nicht sicher, ob ich der erste bin, der mit dieser Begründung
eine entsprechende Ausnahmegenehmigung erhalten hat, ich glaube aber schon,
deswegen mein Angebot:
Wer
Interesse an den Unterlagen hat und genauer wissen will, was notwendig ist,
um auch eine solche Ausnahmegenehmigung zu erhalten kann, sich gerne an mich
wenden. Ich sende euch dann entsprechende Kopien der Unterlagen zu. Am liebsten
per E-Mail an Beratung@motorrad-kinderland.de.
Ich
möchte aber noch einen Schritt weiter gehen. Meine Kinder sind zwischenzeitlich
eigentlich schon zu groß für die Kindersitze. Ich werde also versuchen, im nächsten
Winter 5-Punkt-Gurte einzubauen und die Kindersitze weglassen. Mal sehen, ob
es möglich ist, auch dann wieder eine Befreiung von der Helmtragepflicht im
Seitenwagen zu erhalten.
Nicht
dass mich jemand falsch versteht, ich habe nichts gegen die Helmtragepflicht
und ich glaube, dass es auch beim Gespannfahren sinnvoll ist einen Helm zu tragen.
Ich bin aber auch fest davon überzeugt, dass es Konstellationen gibt, insbesondere
mit Kindern und geschlossenen Seitenwägen, bei denen es sinnvoller wäre, auf
den Helm zu verzichten und stattdessen Gurte und Kindersitz oder nur Sicherheitsgurte
zu verwenden.
Wenn
Ihr selber Erfahrungen, auch negative, in dieser Richtung gemacht habt, würde
ich mich freuen, wenn Ihr mir Eure Erfahrungen berichten könntet. Vielleicht
können wir gemeinsam auch etwas in der Gesetzgebung erreichen.
Ralf Kühl
Anm. d. Red.: Wir weisen in diesem Zusammenhang auf die wichtigen Ausführungen von Dr. med. Steve Müller hin. Sie sind nach zu lesen in M-G-68, Seite 7 unter der Überschrift „Kinder und Helme“
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