Leserbriefe
Heft Nr. 72, November/Dezember 2002


Gespannbau in Australien

Die Bilder zeigen den Hinterradumbau eines K-1200-LT-Gespannes. Das Hinterrad ist ein Ford-Mustang-Ersatzrad. Die Adapterplatte fertigten wir aus 72-Millimeter dickem Aluminium. Die Kosten für Rad und Adapter betrugen nur 219 australische Dollar und natürlich die Arbeitszeit.

Phil Duffy, Victoria, Australien

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Mein HRD !

Vielen Dank für MOTORRAD-GESPANNE. Achsschenkellenkung und 14- oder 15“-Räder haben die Gespanntechnik ein gutes Stück voran getrieben. Mein K 100-Gespann habe ich mit einer Vorderradschwinge und 15“-Rädern ausgestattet. Der Beiwagen stammt von dem australischen Hersteller HRD und ist für zwei Personen geeignet. Leider hat sich der Hersteller nun zur Ruihe gesetzt. Er hinterlässt eine große Lücke in Australien.

Vincent Cahill, Sydney, Australien

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Suzuki-GS1000-G-Besitzer gesucht!

In meiner Jugend blickte ich immer voller Neid auf die Fahrer der Super-Bikes.  Nachdem ich mit einem kettengetriebenen Sportmotorrad schlechte Erfahrungen gemacht hatte, tendierte ich eher zu Modellen  wie der Suzuki GS 1000 G. Vor einigen Jahren hatte ich die Möglichkeit, eine alte GS 1000 G zu einem fairen Preis zu erwerben. Hätte man mir damals gesagt, dass ich damit eines Tages mit Seitenwagen unterwegs sein werde, ich hätte es nie geglaubt. Ich dache damals immer, dass Gespannfahren für Leute ist, die zu alt sind um eine Solomaschine zu halten.

Wie auch immer, nun zieht die Suzuki einen 1,5-Sitzer Elektra-Beiwagen. Dieses Boot wird auch heute noch bei Premier in Melbourne hergestellt. Der Beiwagen ist mit einem Vierpunktanschlusses  verbunden. Innerhalb von 30 Minuten kann ich den Beiwagen entfernen und wieder solo fahren. An das Lenkerflattern zwischen 30 und 40 km/h habe ich mich schon gewöhnt.

Da es wohl nicht mehr viele Suzuki GS 1000 G-Gespanne gibt, würde ich mich über jede Zuschrift bzw. Mail von GS-Gespannbesitzern freuen.

Geoff Rohde, Australien, rohde5@dodo.com.au


Gespannmesse?

Zum Leitartikel in M-G 71: Intermot ohne Gespanne

Das ist ja alles schön und gut, dass die Motorradhersteller uns mit ihren schönen Zugmaschinen beglücken. Es ist auch toll, dass der BVHK sich in der Doppelgarage präsentieren darf. Hoffentlich hat der Verband die Garage wenigstens für sich allein. Es müsste doch aber möglich sein, die Messe Sinsheim für die Idee einer Gespannmesse gewinnen zu können -  innerhalb der Veranstaltung, bei der auch das Gespann-Weitspringen stattfindet. Oder man geht den Weg, dass man eine eigene Veranstaltung aufzieht: Beispiel: moto classica in Bürstadt, immer Anfang Dezember. Überschaubare Halle, Freifläche, erprobte Veranstalter, die einfach wissen, wie man so eine Veranstaltung über die Bühne bringt. Nun braucht man nur noch die Hersteller unter einen Hut zu bringen, die Zubehörvertreiber dazu, Sattler, Rädermacher, Bekleidungshersteller und –vertreiber, Helmfirmen, passende Kommunikationstechnik. Ihr wisst doch, an welchem Faden gezogen werden muss. Und wenn die Gespanngemeinde nur halb so toll ist, wie ich es mir vorstelle, dann kommen die meisten, um den Typen von der Messe München zu zeigen, wieviel Potential diese Spezies doch hat.

Stephan Platz

Frankfurt/Main

Anm.d. Red.:  Schon Ende der 80er Jahre wurde an MOTORRAD-GESPANNE der Wunsch herangetragen eine Gespannmesse zu veranstalten. Doch wer kommt auf eine solche Gespannmesse? Es sind die paar Motorradfahrer die ohnehin schon „blut geleckt“ haben. Unser Herausgeber Bernhard Götz hatte dann die Idee eine neue Motorradausstellung ins Leben zu rufen auf der viel Zweiradpuplikum kommt und die Gespanne überproportional vertreten ist. Das Massenpublikum der Zweiradinteressierten ist wichtig für die Messegesellschaft - die natürlich ihre finanziellen Aspekte im Auge hat. Mit dem ehemaligen Herausgeber der Zeitschrift MO, F.-J. Schermer, wurde ein Konzept erarbeitet und dann verschiedenen Messebetreibern präsentiert. Sinsheim erhielt den Zuschlag. Seit 1992 kann die Messe zurecht damit werben, die größte Gespann-Verkaufsmesse zu veranstalten.

Auch für die Gespannhersteller ist die Präsentation innerhalb eines Branchenforums wichtig zu dem ihre Kundschaft auch den Weg findet. Die 12. „Faszination Motorrad“ findet übrigens wieder vom 14.-16.2.2003 in Sinsheim satt.


- - - - - T h e m a : Z e r t i f i z i e r u n g -----

Völlig ungeeignet!

Zum Leserbrief „Pro Zertifizierung“ in M-G Nr. 70

Schriftliche Aufzeichnungen, Weiterbildung und durchdachte Abläufe sind m.E. sinnvoll und können auch ohne Zertifikat praktiziert werden. Herr Sageder beschreibt seine Vorstellungen zur  Zertifizierung sehr ausführlich auf einer ganzen Seite. Insbesondere hätte mich daher interessiert, was die Zertifizierung für Gespannkäufer/innen und –fahrer/innen wirklich bringen soll. Genau diese Begründung vermisse ich jedoch. Vielmehr bringt Herr Sageder es selbst auf den Punkt:

„Richtig ist auch, dass ein großes Potential in Einmann- oder Kleinfirmen nicht zum Tragen kommt:

Die Behandlung der "Schnittstellenproblematik" oder einfach ausgedrückt: "Woher weiß die linke Hand was die rechte tut?" Bei solchen kleinen Betrieben - betrachten wir hier den Gespannbausektor - wird sich der Nutzen darauf beschränken, mit dieser Siegerurkunde offensiv zu werben, sein Haftungsrisiko im Bezug auf die Produkthaftung und das neue Schuldrecht zu minimieren, den Fortbestand von Teilegutachten zu sichern und ganz wichtig, die Kundenzufriedenheit zu erhöhen.“

Das Haftungsrisiko bei Produkthaftung und Schuldrecht per Zertifikat zu minimieren, erfordert die Qualität tatsächlich zu optimieren. Die andere Möglichkeit, nämlich den Gespannkäufer ggf. mit Hilfe der Zertifizierung auf seinem Schaden sitzen zu lassen, kann wohl nicht das Ziel sein. Ob ein Teilegutachten erstellt wird, hängt in erster Linie von der Eignung des Teils für den gewünschten Einsatzzweck ab, und nicht von der Zertifizierung des Antragstellers, oder? Die Zertifizierung als Werbung einsetzen: Erfahrene Gespannkäufer/innen werden das selbst bewerten können, die Unerfahrenen werden sich möglicherweise beeindrucken lassen. Ist das die angesprochene „Erhöhung der Kundenzufriedenheit“?

Meine Meinung zu QM-Systemen: QM-Systeme sind wie Beton – Für manche Anwendungen eine gute Sache, für den Gespannbau jedoch völlig ungeeignet.

Richard Weikert, München

 

Zertifizierung keine Qualitätsgarantie!

Zum Leserbrief „Pro Zertifizierung“ in M-G Nr. 70

Nichts und niemand hat die Basisarbeit in der Entwicklung in den letzten 10 Jahren mehr behindert als die Einführung der Zertifizierung und der Projektmanagementsysteme. Ich ziehe diese Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit mehreren global operierenden Firmen. Ein bestimmter Konzern bei dem diese Unternehmenskultur am extremsten gelebt wird, hat die größten Qualitätsprobleme und die weltweit größte Rate an Rückrufaktionen. Ein gerade aus Tibet zurückgekehrter Freund berichtet, dass in China Fahrradhändler, die im Hinterhof im Schlamm arbeiten, inzwischen voll zertifiziert sind. Was also sollen diese Prädikate noch aussagen?      

Der Schlussatz im Beitrag des Herrn Sageder trifft den Nagel auf den Kopf: Es kommt darauf an, was man daraus macht. Bei einem kompetenten, hilfsbereiten und gutem Laden - eben wie dem des Herrn Sageder - bin und bleibe ich auch ohne Zertifizierung gerne Kunde. Dagegen werde ich die voll zertifizierte (Auto)Vertragswerkstatt hier in der Stadt nie wieder betreten.

Aus einem brummigen, total überlasteten und ohne persönlichen Einsatz arbeitenden Mitarbeiter wird auch durch ein QM-Handbuch kein zuverlässiger und freundlicher Dienstleister. Auch im hoch technisierten Zeitalter kommt es in hohem Maße noch auf den einzelnen Menschen an. Das Bild über denjenigen  muss man sich aber immer noch selber machen.

Reiner Nikulski

 

Ist Zertifizierung Geldmache?

Zum Leserbrief „Pro Zertifizierung“ in M-G Nr. 70

Eine der Erfindungen der Neuzeit ist die umgekehrte Namensgebung. Beispiel: Die "Positivliste". Diese Liste ist nicht im geringesten positiv, sondern eine einzige Einschränkung der von den Krankenkassen noch (teilweise) bezahlten Medikamente. Genauso ist es mit dem Begriff des

Qualitätsmangements oder in seiner brutalsten Form TQM = Total Qualtity Management. QM und die damit zusammenhängende Zertifizierung nach ISO 9irgendwas sind nur ein Versuch, Geld zu machen. Da hat wieder jemand eine tolle Idee auf Wischiwaschi-Basis gehabt und nach und nach wird diese Idee für jeden Betrieb zwingend vorgeschrieben. Der TÜV will bei der Abnahme eines neuen Gespannes wissen, ob der Gespannbauer ISO 9X-zertifiziert ist. Die technische Begutachtung wird nach und nach in den Hintergrund gedrängt. Die Hauptsache ISO9001 usw. liegt vor. Also ist die Zertifizierung nichts anderes als eine weitere Forderung in einem Dschungel von Nachweisen, an dem die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ohnehin schon krankt. Ein Gespannbauer braucht nicht nur einen Kfz-Titel, Schweißernachweis und weiss der Teufel was noch, nein, jetzt kommt noch die Zertifizierung hinzu. Das kostet mehr als 3 Euro fünfzig. Über 10.000 Euro sind da fällig. Die kann derGespannbauer natürlich auch nicht aus der eigenen Tasche bezahlen. Also muss es teuerer werden oder die Qualität sinkt. Die wird aber dafür durch den Nachweis auf dem Papier wieder gutgemacht.

In der bayrischen Gespannbauerszene gibt es mindestens drei rührige Firmen, deren Namen ja regelmäßig in M-G durch irgendwelche Sondervorhaben genannt sind. Es ist also kein Geheimnis diese zu nennen: Der Stern mit seinen rassigen Dingern, der Löw mit seinen Diesel- und Enten-Russen und der Heigl mit seinen Rollergespannen. Nachdem ich ein Umbau-Fan bin und immer wieder etwas anders haben möchte, habe ich wirklich Erfahrung mit diesen drei Werkstätten. Und eines kann ich sagen: Obwohl diese Firmen (noch) nicht oder noch nicht lange zertifiziert sind, kann ich mich auf die Qualität der Produkte dieser Firmen verlassen, selbst wenn der zugehörige Chef blind und mit einer Hand auf dem Rücken gefesselt arbeiten muss.  Gerade in der Gespannszene kennt man sich ja untereinander. Da sind die schwarzen Schafe schnell bekannt. Eine zusätzliche Zertifizierung verursacht nur Mehrkosten und ersetzt schlimmstenfalls funktionierende Arbeitsabläufe durch normgerechte. Denn wie der Gespannbauer seinen Arbeitsablauf

gestaltet, das bitte möchte ich schon ihm selber überlassen, solange er keine Kindersklaven einsetzt. Die Zertifizierung kostet darüber hinaus auch Zeit und wenn man sich die Details anschaut, so geht es nur um unvertändliche Dinge oder aber um Binsenweisheiten. Beispiel: Was will der Kunde? Gute Qualität zu günstigem Preis in kurzer Zeit. Für solche tiefschürfenden Erkenntnisse brauche ich keine Zertifizierung! Da ist es nur um das Papier und den Regenwald schade. Es ist wie bei der warmen Leberkässemmel: Wenn ich bei einem Metzger zum zweiten Mal eine schlechte Leberkässemmel angedreht bekommen habe, dann geh ich nicht mehr hin, egal, wie viele Zertifikate da rumhängen. Allerdings fällt mir dabei ein, wo man diesen Nachweisführungskram vielleicht nützlicher anwenden kann: Im Lebensmittelbereich. Dort gehen die Schweinereien mit verpfuschten Lebensmitteln nämlich in Größenordnungen, in die unsere Gespannbauer niemals vordringen können, selbst bei größtmöglicher krimineller Energie. Aber dieses Gebiet ist den Zertifizierungsanhängern wahrscheinlich zu unübersichtlich - da scheitern im Moment noch ganz andere ExpertInnen und dort existiert offensichtlich eine bessere Lobby als es die GespannbauerInnen und ihre KundInnen haben.

Alexander Stiller

 

  Weitere Rubriken in diesem Heft: Inhaltsverzeichnis, Editorial, Titelgeschichte, Nachrichten

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