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Leserbriefe
Heft Nr. 74, März/April 2003
Zum Thema Neuinterpretation in MOTORRAD-GESPANNE 74, Seite 32/33
Klasse Idee!
Die Idee finde ich klasse! Vor allem die Gedanken zum Design, der Ducati quasi eine zweite dazuzugesellen. Man könnte, wenn man den Faden noch weiter spinnt, zu der Idee gelangen, eine zweite Duc zu kaufen, ihr das Vorderrad abzunehmen und an die erste dranzuschrauben ...
Sicherlich gibt es da verschiedene Ansichten; ich würde jedoch - wenn ich schon nicht selber fahre - schon gerne zurück- oder zumindest angelehnt sitzen wollen, was mich vom aktiven Mitfahren jedoch nicht abhalten soll. In der gezeigten Idee wäre der Fahrer jedoch zur Aktion gezwungen. Für einen Selbstfahrer stelle ich mir das insofern als eine Katastrophe vor, weil er die Haltung des Selbstfahrens hat, jedoch nur mitfahren kann. Sozusagen eine Erkennung der Aktion aus der Haltung heraus (ist vielleicht mehr psychisch als physisch!). Vielleicht klingt meine Kritik hart und gibt den Anschein, ich fnd das Konzept doof, das ist jedoch nicht der Fall. Ich empfinde es als eine Studie, die zur Diskussion im Raum steht und aus der man etwas machen kann und vor allem etwas machen sollte. Da ist dann die Gemeinde der Gespannbauer gefragt (die Eigenbauer mit einbezogen), die - vielleicht mit der neuen Mitarbeiterin Frau Plocka - ein (Serien-)Gespann auf die Räder stellen, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Ich bin gespannt, über was für Neuigkeiten wir in ein oder zwei Jahren lesen dürfen.
Bleiben Sie dran, Frau
Plocka, und viel Erfolg wünscht
Malte Rothhämel
Coole Idee! Allerdings wäre der Beifahrerplatz nur für erfahrene bzw. töfferprobte Leute geeignet, denke ich. Mein 6-jähriger Sohn meinte, das sei "mega-cool", aber er hätte wahrscheinlich Angst in den Kurven. Und wenn dann die/der Beifahrer/-in in den Kurven dagegen drückt, gibt es die gleichen Probleme wie mit ängstlichen Sozias auf dem Solotöff.
Andy Ilk, Mönchaltorf, Schweiz
Zum Kommentar von Bernhard Götz in M-G 74.
08/15-Gespanne sind uninteressant!
Mit gemischten Gefühlen habe ich den Kommentar von Herrn Götz in der letzten Ausgabe gelesen. Aus meiner Sicht kann das so nicht stehen lassen, wenn behauptet wird, dass nur wenige Gespannbauer richtig kalkulieren. Und dass man Gespanne verkaufen kann, wenn man sie biller anbietet. Wir haben das in der Vergangenheit mehrfach versucht. Das erste Mal 1992 ein Suzuki GS 550-E-Gespann mit Falke-Beiwagen, 15“-Rädern, guter Bremsanlage und Ausstattung mit Telegabel ab 15000 DM und mit Schwinge ab 17.000 Mark. Gerade mal zwei Gespanne wurden in den folgenden drei Jahren verkauft. Zweiter Versuch 1994: Ein Top-Familiengespann Honda CB 750 Sevenfifty mit Wing ab 28.500 Mark. Es wurden drei Gespanne verkauft. Dritter Versuch 1997: BMW R 1100 R mit 1,5-Sitzer Bruno-Beiwagen zum Komplettpreis von 32.500 Mark. Es war kein Billigumbau sondern mit 14“-Rädern, Vorderradschwinge und Integralbremse. Um auf diesen Preis zu kommen, haben wir auf eine Stückzahl von 25 Stück jährlich kalkuliert. Die 25 haben wir inzwischen erreicht, aber in 6 Jahren.
Meiner Erfahrung nach kann man über den Preis nicht mehr Gespanne verkaufen. Zumal sind erhebliche Vorkosten nötig, um ein solches „preiswertes“ Gespann zu konzipieren, Fertigungseinrichtungen zu bauen und Betriebsfestigkeitsgutachten erstellen zu lassen. Ein Flopp kann sehr schnell wirtschaftliche Konsequenzen haben.
Gespannfahrer sind Individualisten. 08/15-Gespanne von der Stange sind uninteressant. Das merkt man spätestens, wenn m,an ein preiswertes Gespann anbietet und die Kunden dann sagen, andere Räder wären besser, die Lackierung müsste aber rot sein, oder 20 PS mehr braucht man schon.
Das ist alles kein Problem für uns, doch ist der Kunde oft schockiert, wenn es diese Sonderwünsche nicht zum Basispreis gibt. In diesem sinne werden wir weiterhin individuellen Gespannbau betreiben und setzen auf Qualität unserer Produkte. Das ist nach unserer Auffassung der bessere weg.
Peter Sauer, Brodersby
Leider kann ich die Gedanken
vom Bernhard nicht nachvollziehen. Gespanne sollen
billiger sein. Die Idee ist nicht neu, ein Gespannbauer hört das jeden
Tag.
Welche Möglichkeiten
zur Kostensenkung gibt es denn? Eine
industrielle Fertigung nach dem Vorbild der Autoindustrie? Das erfordert
gewaltige Investitionen, die kaum ein Gespannbauer tragen kann.
Und eine Bank zu finden die das finanziert dürfte für die meisten Gespannfirmen
unmöglich sein, vor allem bei einer unrealistischen Kalkulation.
Die Investition muss sich amortisieren, diese Kosten kommen zu
den reinen Herstellkosten in jedem Fall wieder dazu. Je weniger Gespanne
produziert werden, desto höher werden die Amortisationskosten pro
Gespann.
Side-Bike hat das
Konzept der standardisierten Gespanne umgesetzt, mit genau
festgelegter Kombination aus Zugmaschine und Seitenwagen. Doch die relativ
geringen Stückzahlen lassen wenig Spielraum für Varianten, und die
Side-Bike Gespanne sind keineswegs super-billig.
Die Fertigung nach
Asien verlagern wie im Elektronikbereich üblich? Da dürften
die Transportkosten den Preis erheblich in die Höhe treiben.
Die Qualität senken?
Sparen an Bremsen, Stoßdämpfern? Das kann's nicht sein,
das Thema Stoßdämpfer hatten wir ja neulich erst (M-G 74, S. 6). An
jedes Gespann einen Uralseitenwagen anbauen? Na ich weiß nicht. In
den letzten Jahren hat es viele Versuche gegeben, Gespanne billiger herzustellen.
Denken wir nur an die "Mittelklasse"-Gespanne oder die GVG Gespanne.
Letztlich waren alle
Versuche wenig erfolgreich, denn die Einbuße an Attraktivität
für die Käufer überwiegt die Kostenersparnis. Letztlich haben
solche Gespanne also ein schlechteres Preisleistungsverhältnis. Und
wer will das schon?
Richard Weikert, München
Ganz klar: Es sind in erster Linie der hohe Spritverbrauch und die hohen Kosten des Umbaus als Gründe, warum wir noch kein Gespann besitzen. Die Kosten sind natürlich im Verhältnis zu einem Zweitwagen zu sehen. Dem Fahrspaß beim Gespann stehen die höhere Einsatzbreite des Pkw gegenüber.
Unsere Familie besteht aus zwei erwachsenen, unserer Tochter und zwei Schäferhunden. Wir wohnen in einem kleinen Ort 13 Kilometer von der Großstadt und meinem Arbeitsplatz entfernt. Ich bin in einem 3-Schichtbetrieb tätig und die Busverbindungen dorthin sowie zu diversen Einkaufszentren sind indiskutabel. Wir brauchen also zwei Ganzjahresfahrzeuge. Für meine Frau und mich käme ein Gespann als Zweitfahrzeug in Frage. Es sollte ein leichtes, wendiges Fahrzeug sein und Fahrspaß bereiten. Meine Frau, eine langjährige Solofahrerin, würde es auch fahren. Gleichzeitig sollte das Gespann robust und zuverlässig sein. Vor kurzem haben wir aus dem Bekanntenkreis günstig eine XJ 600 N mit original 3000 Kilometrern erstanden. Die Yamaha würde sich als Zugmaschine anbieten.
Auf der diesjährigen Motorradmesse
in Sinsheim wurde unsere Tochter zum ersten Mal mit einem Beiwagen konfrontiert.
Es gab zwei Probleme:
1.)
Sie wollte
nicht einsteigen.
2.)
Nachdem sie sich später von allein entschlossen
hatte einzusteigen, wollte sie nicht mehr aussteigen, sondern damit nach Hause
fahren.
Also überlegten wir uns die Sache einmal genauer und holten Kostenvoranschläge ein. Wir sind ernüchtert. Mit einem passendem Boot mit tiefem Ausschnitt, geschobener Schwinge, Autoreifen am Hinterrad, lackiert in der Farbe des Bikes kostet der Umbau ohne Verdeck und Gurt 8000 Euro. Der durchschnittliche Verbrauch der XJ bei normaler Fahrweise liegt solo bei 6,3 Liter/100 km. Exakt den gleichen Verbrauch hat mein Passat Variant, nur das meine Familie und die Hunde darin Platz haben.
Bleibt als einziges Argument für das Gespann der Fahrspaß. Ob er uns das wert ist, werden wir noch überlegen. Aber es ist auch eine neue Küche fällig und die kostet auch um die 10.000 Euro. Für uns mit nur einem Verdienst ist und bleibt das Gespann als Gebrauchtfahrzeug und Freizeitvergnügen ein teurer Spaß, leider. Als Trost bleibt uns vorläufig Ihre informative und interessante Zeitschrift.
Familie Akerlund, Waldsee
Anm. d. Red.: Das Küchenproblem hatten wir kürzlich auch. Die Angebote bei den Küchenhäusern reichten von 12.000 bis 18.000 Euro. Man ließ uns aber ohne Kaufabschluss über die Preise der Einzelkomponenten im Unklaren. Unser örtlicher Schreiner machte uns nun eine Küche in Superqualität mit Echtholzplatte und Einbaugeräten genau nach unseren Vorstellungen für 9000 Euro – Änderungen und viele Spezialanfertigungen inbegriffen. Das eventuell eingesparte Geld und der Verkauf der XJ könnte der Einstieg in eine gebrauchte BMW sein. Mit Ural-SW (hundeunemfindlich), Vorderradschwinge und 15“-Hinterrad wären dann etwa noch etwa 5000 Euro fällig. MF
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