L e i t a r t i k e l
März/April 2004, Heft Nr. 80

Ein toller Jahresbeginn!

Schnee in ganz Deutschland! Wann hatten wir in den letzten Jahren einen so tollen Januar? Insbesondere in den Mittelgebirgen und den Alpen konnten wir Gespannfahrer uns auf schneebedeckten Straßen austoben. Fast schon arktische Dimensionen nahm unsere Fahrt zum Tauerntreffen an. Die Auffahrt zum über 1700 Meter hoch gelegenen Treffenplatz war nur mit Schneeketten möglich. Nachts fiel das Thermometer unter minus 10 Grad. Es war ein fantastisches Wochenende.
Am gleichen Wochenende fand auch das traditionelle Elefantentreffen statt. Die winterlichen Straßenverhältnisse haben wohl einige Solofahrer von der Anreise abgehalten. Aber etwa 5000 Teilnehmer machten das Elefantentreffen wieder zu dem herausragenden Winterevent in Mitteleuropa. Ich hoffe, dass der BMW-Gespannfahrer, der am Rasthof Bayerwald bereits zum zweiten Mal das Getriebe zerlegt hatte, ohne weitere Probleme den Weg nach Solla und zurück in die Heimat geschafft hat.

Rob und Dafne de Jong sind in Sibirien unterwegs – nicht immer ohne Probleme. Bei Redaktionsschluss stand soviel fest: Die geplanten Ziele werden sie bis auf die Fahrt über den Baikalsee nicht erreichen – und auch hier gibt es stellenweise Probleme mit der Eisdicke. Ihr großes Ziel im Norden haben jedoch einige Leser erreicht. Ich danke ihnen für die Postkarten vom Nordkap. Der Winter und die große Winterreise wird für immer mehr Gespannfahrer eine Herausforderung aber auch ein unvergleichliches Erlebnis. Das beweist auch die Teilnehmerzahl der Savalenrally. Etwa 70 Fahren waren dieses Jahr mit ihren Gespannen angereist. Auch ich träume wieder von Wintertouren, freue mich aber trotzdem schon wieder auf das Gespannfahren bei warmen Temperaturen.
Die Auftragsbücher der Gespannhändler sind dünner geworden. Für uns Gespannfahrer ist das nicht von Nachteil- für die Gespannhändler eine Chance. Wer sich dieses Jahr ein neues Gespann zulegen möchte, darf wohl seit langen Jahren wieder mit kurzen Lieferzeiten rechnen können. Spezielle Kundenwünsche werden ernster genommen und in angemessenem Zeitrahmen realisiert. Auch bei den neuen, attraktiven Zugmaschinen werden die Lieferzeiten kürzer, bis sie als Gespann über die Straßen rollen. Vor allem die BMW R 1200 GS wird bei den Gespannfahrern erwartet. Von der GS mit 100 PS und einem geringeren Leergewicht kann man einiges erwarten. Ich bin mir sicher, dass auch diese BMW wieder ein Erfolgsmodell bei den Gespannfahrern wird.
Der weiter schrumpfende Motorradmarkt bringt für uns Gespannfahrer weitere Vorteile. Rührige und flexibel agierende Firmen entdecken mehr und mehr, dass nicht nur der Solo-Massenmarkt Umsätze bringt, sondern dass man sich auch um Nischen kümmern muss, um langfristig die Existenz und damit auch Arbeitsplätze zu sichern. Ein Beispiel ist die Bekleidungsfirma Stadler im niederbayerischen Aidenbach. Sie bietet ab sofort Gespannfahrerjacken an. Diese haben einen linksseitigen Verschluss, so dass der Seitenwind von der Beiwagenscheibe nicht mehr unter die Jacke zieht. Geplant ist auch die Fertigung spezieller Winterbekleidung.
Das ist eine echte Marktlücke, hat sich doch seit dem Auslaufen der „guten“ Thermoboy-Produktion vor einigen Jahren kein Hersteller mehr wirklich mit warmer Motorradbekleidung auseinander gesetzt. Die Helmfirma Arai denkt intensiv über eine Serienproduktion eines Heizvisiers nach. Auch wenn in den Motorradprospekten immer die Sonne scheint, es wäre doch traurig, nur bei Sonnenschein Gespannspaß zu haben?

Bis zur nächsten Ausgabe oder irgendwo auf den Straßen dieser Welt

Martin Franitza

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