Schnee
in ganz Deutschland! Wann hatten wir in den letzten Jahren einen so
tollen Januar? Insbesondere in den Mittelgebirgen und den Alpen konnten
wir Gespannfahrer uns auf schneebedeckten Straßen austoben. Fast schon
arktische Dimensionen nahm unsere Fahrt zum Tauerntreffen an. Die Auffahrt
zum über 1700 Meter hoch gelegenen Treffenplatz war nur mit Schneeketten
möglich. Nachts fiel das Thermometer unter minus 10 Grad. Es war ein
fantastisches Wochenende.
Am gleichen Wochenende fand auch das traditionelle Elefantentreffen
statt. Die winterlichen Straßenverhältnisse haben wohl einige Solofahrer
von der Anreise abgehalten. Aber etwa 5000 Teilnehmer machten das Elefantentreffen
wieder zu dem herausragenden Winterevent in Mitteleuropa. Ich hoffe,
dass der BMW-Gespannfahrer, der am Rasthof Bayerwald bereits zum zweiten
Mal das Getriebe zerlegt hatte, ohne weitere Probleme den Weg nach Solla
und zurück in die Heimat geschafft hat.
Rob und
Dafne de Jong sind in Sibirien unterwegs – nicht immer ohne Probleme.
Bei Redaktionsschluss stand soviel fest: Die geplanten Ziele werden
sie bis auf die Fahrt über den Baikalsee nicht erreichen – und auch
hier gibt es stellenweise Probleme mit der Eisdicke. Ihr großes Ziel
im Norden haben jedoch einige Leser erreicht. Ich danke ihnen für die
Postkarten vom Nordkap. Der Winter und die große Winterreise wird für
immer mehr Gespannfahrer eine Herausforderung aber auch ein unvergleichliches
Erlebnis. Das beweist auch die Teilnehmerzahl der Savalenrally. Etwa
70 Fahren waren dieses Jahr mit ihren Gespannen angereist. Auch ich
träume wieder von Wintertouren, freue mich aber trotzdem schon wieder
auf das Gespannfahren bei warmen Temperaturen.
Die Auftragsbücher der Gespannhändler sind dünner geworden. Für
uns Gespannfahrer ist das nicht von Nachteil- für die Gespannhändler
eine Chance. Wer sich dieses Jahr ein neues Gespann zulegen möchte,
darf wohl seit langen Jahren wieder mit kurzen Lieferzeiten rechnen
können. Spezielle Kundenwünsche werden ernster genommen und in angemessenem
Zeitrahmen realisiert. Auch bei den neuen, attraktiven Zugmaschinen
werden die Lieferzeiten kürzer, bis sie als Gespann über die Straßen
rollen. Vor allem die BMW R 1200 GS wird bei den Gespannfahrern erwartet.
Von der GS mit 100 PS und einem geringeren Leergewicht kann man einiges
erwarten. Ich bin mir sicher, dass auch diese BMW wieder ein Erfolgsmodell
bei den Gespannfahrern wird.
Der weiter schrumpfende Motorradmarkt bringt für uns Gespannfahrer weitere
Vorteile. Rührige und flexibel agierende Firmen entdecken mehr und mehr,
dass nicht nur der Solo-Massenmarkt Umsätze bringt, sondern dass man
sich auch um Nischen kümmern muss, um langfristig die Existenz und damit
auch Arbeitsplätze zu sichern. Ein Beispiel ist die Bekleidungsfirma
Stadler im niederbayerischen Aidenbach. Sie bietet ab sofort Gespannfahrerjacken
an. Diese haben einen linksseitigen Verschluss, so dass der Seitenwind
von der Beiwagenscheibe nicht mehr unter die Jacke zieht. Geplant ist
auch die Fertigung spezieller Winterbekleidung.
Das ist eine echte Marktlücke, hat sich doch seit dem Auslaufen der
„guten“ Thermoboy-Produktion vor einigen Jahren kein Hersteller mehr
wirklich mit warmer Motorradbekleidung auseinander gesetzt. Die Helmfirma
Arai denkt intensiv über eine Serienproduktion eines Heizvisiers nach.
Auch wenn in den Motorradprospekten immer die Sonne scheint, es wäre
doch traurig, nur bei Sonnenschein Gespannspaß zu haben?
Bis zur
nächsten Ausgabe oder irgendwo auf den Straßen dieser Welt
Martin
Franitza
