Leserbriefe
Heft Nr. 80, März/April 2004


Low Cost

Anbei zwei Bilder meines jüngsten Telegabelumbaus für Gespannbetrieb. Ich ließ mich von einem Harley-Gespann-Foto in MOTORRAD-GESPANNE inspirieren, allerdings waren da die Bremshalterungen radinnenseitig der Tauchrohre. Aber bei meiner Ex-Police-BMW-K-1100 war innen kein Platz. So stellte ich außen liegende Platten her. Der Besitzer des Gespannes ist sehr zufrieden damit. Vor allem erreichte dieser Umbau bei weitem nicht die Kosten einer Vorderradschwinge.
Phil Duffy, Australien

== 2 Abbildungen im Heft ==


Taxi gefällig?

Auf dem Weg in die Cevennen in Richtung Pyrenäen sah ich ein Gespann französischer Herkunft, das wohl nicht von Side-Bike stammt.
Werner Bach, Sinzig-Löhndorf

Anm. d. Red.: Das können wir bestätigen. Dieses Gespann stammt nicht von Side-Bike. Bei dem Motorrad handelt es sich um eine französische BFG. Das Boot sieht wie das Überbleibsel eines Kinderkarussels aus.

== Abbildungen im Heft ==


Mit Beiwagenlenkung

Ich habe letztes Jahr ein ferngesteuertes Elektrogespann gebaut. Das Motorrad ist ein Serienmodell, der Beiwagen wurde von mir im Maßstab 1 : 5 konstruiert. Als Vorbild diente mein eigenes Gespann. Um besser um die Kurven zu kommen, habe ich das Beiwagenrad lenkbar ausgeführt.
Edmund Schmid, Rosenheim

== Abbildungen im Heft ==


Gewinnerglück

Im September 2001 fuhr ich mit meiner Tochter Nele auf meiner R 100 GS (noch Solo) zum Euro-Gespanntreffen nach St. Andreasberg. Es war ein verregnetes Wochenende und ich musste mich fragen: Warum tun wir uns das eigentlich an?
Am Samstagabend fand die große Tombola statt. Jetzt den Beiwagen gewinnen, das wäre was!
„Wir kommen zur Verlosung der Reise, Hin- und Rückfahrt mit dem Autoreisezug der Deutschen Bahn, innerhalb Deutschlands, irgendwo hin!“ Und dann: „Rotes Los, Am Anfang eine 0, am Ende eine 0 und in der Mitte eine 3!“
Hurra, wir haben gewonnen!“
Meine Tochter meinte: „Aber wir haben doch kein Gespann, Papa?“ Und ich entgegnete ihr euphorisch: „Na, dann bauen wir uns eins!“
Im nächsten Sommer fuhren wir dann aufgepackt nach Hamburg Altona zur Fahrzeugverladung mit Ziel München. Aber wo wollen wir eigentlich hin? Vielleicht Elba! Sonnenschein in München und in den folgenden drei Wochen auf Elba. Den Rückfahrttermin legen wir telefonisch um drei Tage vor. „Ihre Karten liegen in München am Schalter!“
Im Schlafwagen geht es zurück nach Hamburg.  Es war eine grandiose Reise, 1600 Kilometer mit der Deutschen Bahn, 2500 Kilometer mit dem Gespann, 10 Tage Elba, drei Wochen Sonne, eine glückliche Tochter und ein stolzer Papa. Wir freuen uns schon auf die nächste Tombola!
Peter und Nele Andrä, Hamburg

== Abbildungen im Heft ==


Gespannausfahrt mit 104 Jahren

Das letzte Septemberwochenende wurde für eine Bewohnerin eines Seniorenwohnheims in Bremen zu einem ganz besonderen Wochenende. Durch die Vermittlung des gemeinsamen bekannten Jürgen Conrad kam die 104-jährige Hanna Schattewald zu einer Ausfahrt in meinem R 100 RT/Bals-Gespann. Die Fahrt ging zunächst ab Lilienthal über zum teil recht holprige Straßen an der Wümme entlang Richtung Ritterhude. Bei der eingelegten Pause  bekam ich immer die gleiche Antwort auf meine Frage des Wohlbefindens: „Ich bin doch nicht aus Zucker!“
Frau Schattenwald fuhr in den 30er und 40er Jahren mit ihrem Mann auf dem Motorrad. Nach ihren Erzählungen wurden beide des Öfteren schief angesehen und auch mal abgewiesen, wenn sie in Motorradkluft eine Unterkunft suchten. Man merkt ihr an, dass sie von dieser Zeit noch immer schwärmt. Auch die etwas flottere Rückfahrt über Landstraßen nach Bremen konnte Frau Schattewald nichts anhaben. Nach etwa drei stunden Ausfahrt freute sie sich, nun endlich etwas Neues bei ihrem Kaffeekränzchen erzählen zu können.
Helge Bischoff, Achim/Embsen

== Abbildung im Heft ==


Gewähr für Hilfe

Ich habe schon seit Jahren den ADAC-Plus-Schutzbrief. Für mich ist der ADAC u. a. die Gewähr dafür, dass mir in der Not geholfen wird.
 Wir machten mit drei Maschinen eine Tour zum Nordkap. Auf der Rückfahrt durch Finnland, auf der E 75 - ca. 5 km hinter Rovaniemi in Richtung Kemi, an einem Sonntagnachmittag löste sich bei meinem Gespann das Lager im Kardan in Wohlgefallen auf, und die Fahrt in Richtung Heimat war zu Ende. Zum Glück hatte ich ein Handy, damit habe ich sofort den ADAC in München angerufen. Was nun kam, war einfach toll! Schon nach kurzer Zeit rief mich ein Herr vom finnischen Automobilclub an und sagte mir seine Hilfe zu. Es dauerte nicht lange, da kam ein LKW und brachte mich und das Gespann zurück nach Rovaniemi zu einer BMW-Vertretung. Da es Sonntag war, hatte ich keine andere Wahl, ich nahm mir in der Nähe eine Hütte und meine Freunde und ich haben auf den Montag gewartet. Am Montagmorgen fuhren wir sofort zur Werkstatt und erlebten eine Pleite. Die Geschäftsführung erklärte mir kurz und verletzend, dass man mir nicht helfen könne. Die nächste Motorradwerkstatt sei in Oulu Uleaborg, ca. 250 km von Rovaniemi entfernt, und ob man mir da helfen könne, sei nicht bekannt. Ich habe dann sofort den ADAC in München verständigt und dort alles erzählt. Von dort wurde mir dann gesagt, ich bekäme ein Ticket und könne sofort mit der Bahn nach Glücksburg zurückfahren. Die Maschine würde dann mit einem Sammeltransport zurückgebracht. Da ich aber mein Motorrad in Finnland nicht stehen lassen wollte, erklärte sich der ADAC bereit, die Kosten zu übernehmen, wenn ich das Motorrad selbst zurückbringen würde. Ich habe mir dann in Rovaniemi einen PKW mit Trailer geliehen und das Gespann nach Glücksburg gebracht. Den PKW mit Trailer musste ich allerdings wieder in Kopenhagen abliefern. Mein Motorrad war aber bereits in der Werkstatt.
Um nun wie bei Fielmann zu sagen: "Ich habe keinen Pfennig dazu bezahlt." Darum ist und bleibt der ADAC für mich der beste Club und Schutz für alle PKW- und Motorradfahrer.
Friedo Vierkötter, Glücksburg


Russenherz

Ein Motorradrad ist eine Herzenssache, ein Gespann viel mehr, und Russenboxer noch viel mehr. Ich habe natürlich auch oft frustriert unterwegs repariert. Ich habe meine Dnepr MT 16 vor sieben Jahren bei Haubrich neu gekauft. Kilometerstand jetzt: 69.500.Defektegab es große und kleine, aber zu 75 Prozent habe ich sie selbst verschuldet durch mangelnde Wartung oder mangelnde Ahnung. Seit etwa 30.000 Kilometern ist Ruhe. Der alte Haubrich hat es vor Jahren auf den Punkt gebracht: „Die Russen können nichts dafür. Die kriegen was und dann müssen sie halt sehen, dass sie was draus machen!“ Und das betrifft nun mal das angelieferte Material wie auch die angelieferten Fertigteile. Also: Mit großem Herzen kann man mit einem Russengespann sehr glücklich werden. Ich bin es jedenfalls.
Bernd Köster, Wegberg


Intoleranz?

Ihr Leitartikel und der Leserbrief des Herrn Wagner in MOTORRAD-GESPANNE Nr. 79  behandeln wohl verschiedene Themen, aber trotzdem beißen sie sich, weil Herr Wagner Reiseberichte für Sie liefert. Herr Wagner mag vielleicht gute Reiseberichte zu Papier bringen, aber sein Leserbrief ist mehr als intolerant.
Entsprechend seinen Ausführungen bekommt er von mir Antwort: Korsika zählt zu Südeuropa. Hier gilt heute noch eine andere Zeitrechnung. Bis vor kurzem  noch wurden auch auf Korsika die Schwerletzten nicht mit dem Helikopter sondern mit einem Sanka transportiert. Der Patient machte auf diesen Straßen Überlebenstraining.
Das Beiwagenkrad des Herrn Wagner war unausgewogen beladen. Zwei Erwachsene auf der Zugmaschine und zwei Kleinstkinder in einem leeren Boot schafft man nur mit Routine. Frau Wagner hat also keinen Fahrfehler gemacht, sondern ihr fahrerisches Können war überfordert. Auch ein alter Fuchs muss sich bei jeder Fahrt auf die entsprechende Lastverteilung neu einstellen.
Der ADAC hat auf Korsika weder ein Ambulanzflugzeug noch examinierte Nursen stationiert. Jeder Patient, der mit einem Flugzeug befördert wird, muss vor dem Transport auf seine Flug- und Transporttauglichkeit untersucht werden. Erst wenn das Attest vorliegt, kann der Transport organisiert werden.
Wer nichts tut, macht auch keine Fehler. Für die angeblichen Fehler der Ärzte des größten Krankenhauses in Korsika ist nicht der ADAC verantwortlich zu machen.
Ich bin kein Mitarbeiter des ADAC sondern nur Mitglied und fahre seit 1944 Kraftfahrzeuge aller Art. Ich werde mir überlegen, den ADAC zu informieren, denn heimlich hinter dem Rücken zu mosern ist unfair.
Hansjörg Mayer, Mattinata/Italien

Anm. d. Red.: Heimlich mosern wir nicht, denn MOTORRAD-GESPANNE ist eine Zeitschrift, die öffentlich zugänglich ist. Die Leserbriefe werden zudem im Internet auf unserer Homepage (www.motorrad-gespanne.de) veröffentlicht. Herr Wagner ist einer unserer Leser. Die Überschneidung von Bericht und Leserbrief war zufällig. Die beschriebene Reise führte die Familie im Jahre 2002 durch, der Unfall passierte 2003.

  Weitere Rubriken in diesem Heft: Inhaltsverzeichnis, Editorial, Titelgeschichte, Nachrichten

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