Titelgeschichte
Heft Nr. 80, März/April 2004
Textauszug

Hajime Maste

Der japanische Beiwagenhersteller Kouhachi Imamura hat Wort gehalten. Letztes Jahr entwickelte er einen Beiwagen mit Rechtsanschluss. Im Oktober gingen wir auf Testfahrt.

Hajime Maste! Herzlich willkommen! Japan empfängt mich Mitte Oktober letzten Jahres mit einer Freundlichkeit, die bei uns in Mitteleuropa kaum vorstellbar ist. Kouhachi Imamura holt mich am Flughafen in Osaka ab. Eine Ausgabe der Gespannzeitung hat er als Erkennungssignal in der Hand, aber ich hätte ihn auch so wieder erkannt. Mit dem Zug fahren wir nach Hamamatsu zu Yamaha. Die Werksbesichtigung ist interessant. Hier laufen die Motorräder im Sekundentakt vom Band. So weit sind die Beiwagenhersteller noch nicht, egal wo auf der Welt. Gespannbau ist immer noch ein Handwerk und bei hochwertiger Technik exklusiver Fahrzeugbau. Das gilt auch für Kouhachi Imamura. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkanzen fahren wir am Nachmittag in seine Heimatstadt Saga auf der Südinsel Kyushu. Saga sei eine kleine Stadt, erklärte mir die Dolmetscherin. Die kleine Stadt hat 180.000 Einwohner. Europäische Maßstäbe verlieren an Bedeutung. ...

...Eine Goldwing wollte Kouhachi Imamura ursprünglich als Zugpferd seines Musashi-Beiwagens rekrutieren. Ein Yamaha Royal-Star-Gespann steht nun vor mir. Das Motorrad war eine günstige Gelegenheit, erklärt er mir. Mir kommen Zweifel, ob die Royal-Star mit komplettem Originalfahrwerk den großen Beiwagen so ohne weiteres verkraften wird. Aber ich werde bald eines Besseren belehrt werden.

Bei unserem Meeting in Deutschland im Frühjahr letzten Jahres informierte sich Kouhachi Imamura ausgiebig über den europäischen Gespannmarkt, über Zulassungsbestimmungen, Verkaufszahlen und Tendenzen. Alles in allem führte das zu seiner Entscheidung, einen großen Familienbeiwagen zu bauen – groß im wahrsten Sinne des Wortes. ...

...Entspanntes Mitfahren wird vor allem durch den kaum wahrnehmbaren Zug im Beiwagen bewirkt. Durch die sehr flach angestellte Frontscheibe und die hochgezogene Heckpartie sitzen die Passagiere bis zu einer Körpergröße von etwa 1,75 Metern fast zugfrei im Boot. Auch an Tagen mit niedrigen Temperaturen kühlt man somit nicht durch den Fahrtwind aus. Das war eine sehr angenehme Erfahrung während des Fahrtests.

Noch am Nachmittag unternehmen wir einen Ausflug zu einem buddhistischen Schrein. Zu uns gesellt sich Tomiyoshi-san, der Kompanion von Imamura-san, sowie die Studentin Kaori, die als Dolmetscherin fungiert. Erstaunlich handlich lässt sich das Gespann über kleine Straßen und enge Gassen lenken. Zum Glück waren meine vielen Englandtrips ein guter Lehrmeister für den Linksverkehr. Wie auch in Europa erregen wir mit dem Dreirad allgemeines Aufsehen. Freundlich winkt man uns zu. Bei jeder Rast werden meine Gastgeber mit Fragen bombardiert - und natürlich noch ein paar Fotos gemacht.

Am nächsten Tag fahren wir zum japanischen TÜV. ...

....Lange hält man das Shinkanzen-Tempo allerdings nicht aus. Die Lenkgeometrie der Telegabel erfordert starkes Gegenlenken und nach kurzer Zeit erlahmt die Arm- und Schultermuskulatur.

Eigentlich wäre die Straße zum Mount Aso ein Kurveneldorado. Aber die Geschwindigkeit ist auf 50 km/h beschränkt und eine schier unendliche Schlange von Autos und Motorrädern schiebt sich den Berg empor. Spaßmindernd wirkt sich zudem das Überholverbot aus. Auf einem riesigen Parkplatz unterhalb des Gipfels stehen etwa 1000 Motorräder und unzählige Autos. Der Berg ist ein beliebtes Ausflugsziel. Vielleicht hätten wir diese Tour an einem Arbeitstag machen sollen.

Nach einer längeren Pause treten wir wieder den Rückweg an. Eine holprige Straße führt in unzähligen Kehren...

...Am nächsten Tag legen wir wieder ein Stück Autobahn zurück, bevor wir in einem zwischen hohen Bergen liegenden Tal das Motorrad-Museum Iwashita besuchen. Dort findet man neben japanischen Alltagsmotorräder auch absolute Raritäten wie eine originale Vierzylinder-Apollo von Ducati. Wer weiß schon, dass die Kamerafirma Olympus in den 50er Jahren auch Motorräder baute oder was eine Capton ist? Darüber gibt nicht einmal der „Tragatsch“ Auskunft....

....Am letzten Tag meines Japan-Aufenthaltes besuchen wir den Polyesterbetrieb, der für Kouhachi Imamura die Boote herstellt. Wir können uns von der handlaminierten Qualität überzeugen. Übrigens fertigt die Boote ...

...

Musashi in Deutschland
Bis Redaktionsschluss lag der exakte Preis des Beiwagens noch nicht fest. Das ist abhängig von der Qualität und Ausstattung des Fahrgestells. Ein Ansprechpartner hier in Deutschland oder Europa für den Musashi-Beiwagen wurde noch nicht bestimmt. Da wir bis Redaktionsschluss nicht erfahren konnten, ob noch Änderungen am Beiwagen vorgenommen werden bzw. die Pläne von Kouhachi Imamura vorsehen, ein europäischen Fahrgestell zu verwenden, verzichten wir auch auf die Auflistung der technischen Daten. Wir bleiben für Sie am Ball und werden....

Martin Franitza

 

 

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