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Titelgeschichte
Heft Nr. 81, Mai/Juni 2004
Textauszug
Familienbande
Die
erste Gespannreise führte mit einem Kind nach Südfrankreich. Auf der Fahrt in
die Dolomiten waren schon drei Kinder dabei. Frank Kaiser berichtet über seine
Erfahrungen und gibt Tipps, die er während sieben Jahren Gespannreisen mit der
Familie sammelte.
Viele kennen den Leidensweg vom Solofahrer zum stolzen Gespannfahrer: In der Regel beginnt er mit Familienzuwachs. Wird die Familie größer, treffen mehrere Effekte aufeinander: Ein finanzieller Engpass durch den Wegfall eines Gehaltes, der Platz auf dem Solomotorrad entspricht nicht mehr der Anzahl der zu transportierenden Familienmitglieder, und trotz aller Gegenargumente kommt man vom Motorradfahren nicht los. Hat man schließlich den Schritt zum Gespann konsequent durchgezogen und den Preis eines Mittelklassewagens für ein oftmals verbesserungswürdiges Dreirad ausgegeben, dann ist der Schritt zur intensiven Nutzung als Familiengefährt im Urlaub eigentlich gar nicht mehr so groß.
Wir Gespannfahrer sind so vielschichtig wie die Gesellschaft. Besonders bemerkenswert finde ich jedoch die Gruppe der „Individualisten“ unter den Gespannfahrern. Aus Geldgründen oder einfach aus Überzeugung nehmen sie ihr Reiseglück selber in die Hand. Sie schmökern kräftig Reiselektüre und passen das Gespann individuell an eine Reise an, um dann mit Sack und Pack auf große Tour zu gehen. Zu dieser Spezies zähle ich (mit Stolz) unsere Familie.
Die
größten Herausforderungen bei der Reisevorbereitung sind aufgrund meiner Erfahrung:
• Ausreichender
Schutz für die Kinder (Hörschutz, Wetterschutz, Sicherheitskleidung)
• Stauraum für das Reisegepäck
• Verlässliches Reise-Equipment
• Familiengerechte Tourenplanung
Als wir unser erstes Gespann (bei drei Kindern haben wir inzwischen zwei Gespanne) in Auftrag gaben, haben wir uns ausschließlich über „Abgase im Beiwagen“ und „Sicherheit im Beiwagen“ Gedanken gemacht. Bei einem Eurogespanntreffen haben wir uns ein Abgasmessgerät ausgeliehen und mit mehreren Messungen an verschiedenen Stellen im Beiwagen, bei verschiedenen Geschwindigkeiten sowie bei offenem und geschlossenem Verdeck durchgeführt. Dabei haben wir uns davon objektiv überzeugen können, dass tatsächlich keine Abgase in den Beiwagen strömen. Da man das gefährlicher Kohlenmonoxid nicht riechen, sehen oder schmecken kann, geht kein Weg an einer solchen Messung mit einem leider sehr teuren Messgerät vorbei. Zumindest dann, wenn man hier auch ganz sicher sein möchte, dass das Kind im Beiwagen aufgrund von Müdigkeit und nicht aufgrund einer Abgasvergiftung scheinbar ruhig schläft.
Kommen
wir zum Thema Reisegepäck und Stauraum. Es gibt inzwischen sehr viel gutes,
Platz sparendes Trekking- Equipment. Statt der sperrigen Luftmatratze nimmt
man besser die gut komprimierbare Thermarestmatte. Statt dem mehrteiligen Kaffeeservice
tut es im Extremfall auch ein Berghaferl (universelle Plastiktasse, die man
gleichermaßen zum Essen, Trinken und zum Ausheben eines Wassergrabens ums Zelt
herum benutzen kann). Unterwäsche muss auch nicht für drei Wochen eingepackt
werden, denn Waschmaschinen findet man inzwischen auf fast jedem Campingplatz.
Lieber eine gute, wasserdichte und klein verpackbare Goretex-Jacke mitgenommen, als mehrere dicke Baumwolljacken. Nimmt man die wasserdichten Wanderschuhe auch als Motorradstiefel, hat man wieder etwas Platz im Kofferraum gespart. Schlafsäcke im Kompressionsbeutel nehmen nur die Hälfte des Platzes eines nicht komprimierten Schlafsacks ein. Statt des sperrigen Plastikwasserkanisters gibt es faltbare Wassersäcke. Nimmt man Essen mit in den Urlaub (weil es in Skandinavien z.B. teurer ist) so lässt man überflüssige Pappverpackungen zu Hause (und lernt vorher die darauf aufgedruckten Zubereitungshinweise auswendig!). Diese Liste der Equipment-Optimierungen ist eigentlich endlos fortsetzbar, und von Urlaub zu Urlaub wird man gewitzter. Uns ist es schon häufig passiert, dass wir von sprachlosen Campern beim Auspacken beobachtet wurden, die sich verzweifelt die Frage stellten, wie die ganze Ausrüstung nur in den Beiwagen gepasst hat.
.....
Fazit: Es gibt eigentlich keinen Grund, das Gespann nur fur die Wochenendtour bei schonem Wetter einzusetzen, zumal, wenn man ein kleines Vermogen in dieses Hobby investiert hat. Wenn die Kinder gegen widriges Wetter, Abgase, Gerausche und Sonne geschutzt sind, werden sie mit ihren Eltern viel Spas am mehrwochigen Familiengespannurlaub haben und letztlich wird auf diese Weise aus der Familie ein richtig gutes Team.
Frank Kaiser
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