Leserbriefe
November/Dezember 2004, Heft Nr. 84

Tachoangleichung
Ich habe mit großem Interesse den wirklich guten Artikel über die Tachometer gelesen. Aber ein Thema, das wohl viele Gespannfahrer interessiert, ist gar nicht angeschnitten worden: Besteht denn nicht die Möglichkeit, einen mechanischen Tacho auf z.B. 15-Zoll-Räder anzugleichen oder einfach ein entsprechend geändertes Ziffernblatt zu verwenden? Und wer macht so etwas, auch wenn der Tageskilometerzähler dann voreilt (wenn der nicht zu ändern ist, kann ich ja einfach prozentual dazu rechnen), oder kann man dessen Übersetzung auch ändern?
Da ich z.B. platzmäßig keinen in derWelle zwischengeschalteten mechanischen Angleicher wegen seiner Größe unterbringen kann, wurde mir vor Jahren einmal erklärt, dass japanische Tachos bei der Herstellung und auch bei Restaurierungen justiert werden müssen und man sie damit auch an 15-Zoll-Räder angleichen kann, zumindest die Geschwindigkeitsanzeige. Es wäre interessant zu erfahren, ob eine dieser Möglichkeiten praktikabel wäre. Ich denke, so etwas wäre am preiswertesten und die Originaloptik, für viele ja sehr wichtig, bliebe erhalten!
Uwe Bitter

Anm. d. Red.: Die Angleichungder Geschwindigkeitsanzeige von mechanischen Tachometern führt die Firma Ka-Ja-Tachodienst durch. Dazu muss das Gespann exakt 20 Meter geschoben werden. Die Anzahl der Umdrehungen der Tachowelle muss genau mitgezählt werden, auch 1,4 oder 1/8-Umdrehungen. Mit dem Tacho und den Angaben kann die Firma Ka-Ja-Tachodienst dann die Geschwindigkeitsanzeige einstellen. Das Zählwerk des Kilometerzählers bleibt davon unberührt. Es zeigt weiterhin zuviel an. Das Angleichen der Geschwindigkeitsanzeige kostet etwa 65 Euro plus Versandkosten. Weitere Infos bei Ka-Ja-Tachodienst: Industriestraße 4, 91077 Neunkirchen am Brand, Tel. 09134-993368, Fax 09134-9282, www.ka-ja-tacho.de, e-mail: Ka-Ja-Tacho@t-online.de. Und Hans-Gerd Reichler hat bereits vor Jahren eine elektronische Angleichung von mechanischen Tachos angeboten. Kostete damals etwa 400 Mark und ist wohl die eleganteste Lösung. Tachowelle fällt dabei weg, stattdessen kommt ein kleiner Schrittmotor an den Tacho, Induktivgeber am Hinter- oder Vorderrad.

 

In etwa Licht!
Zu „Es werde Licht“, M-G 82
Sie schreiben, dass der Sachverständige über eine sogenannte "In-etwa-Wirkung" bei den Leuchten seinen Ermessensspielraum walten lassen kann. Als Sachverständiger muss ich diese Aussage näher erklären: Eine "In-Etwa-Wirkung" kann nur bei Importfahrzeugen und dann bei Begrenzungsleuchten, Blinkern, Bremslicht, Kennzeichenleuchten und Schlusslicht in Frage kommen. Bei Scheinwerfern für Nebel-, Abblend- und Fernlicht ist über die "In-etwa-Wirkung" ein Gutachten eines für Scheinwerferprüfungen zugelassenen Instituts beizubringen. Liegt dieses Gutachten nicht vor oder fällt es negativ aus, ist in jedem Fall ein Einbau eines bauartgenehmigten Scheinwerfers erforderlich. (Merkblatt für die Begutachtung von Fahrzeugen nach § 21 StVZO und über mögliche Ausnahmen nach § 70 StVZO, Verkehrsblatt Heft 23/1998.)
K. Hansen

 

Ural-Lima
Ich habe meiner Ural eine beständige Lichtmaschine spendiert. Es handelt sich um eine Lima von einem Toyota Corolla, Baujahr 1991. Sie hat 35 Ampere, ist sehr klein und auf jedem Schrottplatz erhältlich. Bei der Verkabelung sollte man sich einen Schaltplan zu Hilfe nehmen. Die Lima ist sehr gut geeignet für Winterfahrer, da der Regler temperaturabhängig regelt.
Nach dem Start  steht die volle Leistung zur Verfügung. Der Einbau kann jeder versierte 
Mechaniker durchführen. Eine Anmerkung noch zur Schwinge der Ural: Aufdem Foto siehst du die bessere Alternative. Die Schwinge ist nur was für "Selbstmörder".
Henning Scheller

 

Russen-Rufmord
Als langjähriger Gespannfahrer (BMW R60 und Ural 650 und 750), passionierter Hobby-Schrauber und last not least seit einem Jahr auch noch Ural-Händler erlaube ich mir einige Bemerkungen. So wie ich Volker Mucks verstehe, den ich persönlich kennen und schätzen gelernt habe, geht es ihm nicht unbedingt um eine „Meinungsmache“ seitens der Redaktion. Hier war vielleicht eine Überreaktion festzustellen. Was mich hingegen geärgert und zu diesem Leserbrief bewogen hat, waren die zum Teil unqualifizierten Äußerungen in diversen Leserbriefen. Vielleicht sollten sich einige der Schreiber das „Bekenntnis“ aus Motorrad-Gespanne Nr. 51, Autor Joachim Christen, noch einmal zu Gemüte führen. Quintessenz ist: Wer einen fabrikneuen Oldtimer kauft, sollte auch heute keinen Japaner erwarten. Ural fahren ist und bleibt ein Stück Philosophie. Wer nicht bereit ist, die recht detaillierten Wartungsintervalle und Arbeiten durchzuführen oder zwei linke Hände hat, sollte ebenfalls einen weiten Bogen um eine Ural machen. Wem 90 km/h als Dauergeschwindigkeit für das erlebnisreiche Reisen nicht ausreichen, sollte und muss ein schnelles XYZ-Gespann kaufen. Wer schlussendlich meint oder meinte, nur wegen des früher sehr günstigen Preises eine Ural kaufen zu müssen, auch der sollte die Finger davon lassen.
Erschreckend fand ich Leserbriefe, in denen über den Russenschrott hergezogen wurde. Wer mehr als zwei bis drei Lichtmaschinen hintereinander einbaut und sich nicht fragt, ob nicht er unter Umständen etwas falsch macht, sollte die Finger vom Selbsteinbau lassen und zu einem guten Fachhändler gehen. Selbstkritik habe ich ebenfalls vermisst bei dem Problem der Stirnzahnräder, die es nicht erst seit den 750er Modellen gibt. Richtig eingebaut rasseln sie vielleicht wie in einem Kettenkasten, aber sie halten. Eine auf Druck montierte Lichtmaschine zerstört die Pracht allerdings in recht kurzer Zeit. Für Techniker nichts Neues, vielleicht aber hilfreich.
Jeder technische Schaden hat eine Ursache. Diesem Grund nicht nachzugehen und einfach weiter zu wursteln und auf den „Russenschrott“ zu schimpfen, das war es, was Volker Mucks sauer aufgestoßen ist. Fertigungsqualität, Toleranzen und Materialgüte: Hier existieren extreme Unterschiede zwischen Ural, Dnepr und Chan Jiang. Darüber sachlich zu berichten, wäre vielleicht einmal einen Beitrag wert.
Wolfgang Brehms Beitrag fehlt übrigens der Hinweis auf die eigene Web-Seite mit guten Tipps.
Es beruhigt mich zu wissen, dass ich nicht der einzige Irre bin, dem Russengespanne trotz aller Mucken ans Herz gewachsen sind, sondern dasses unter Ihren Lesern auch noch solche Leute gibt, die, ich zitiere, lebensgefährliche Urals“ fahren (M-G 80 und 82).
Schlussendlich möchte ich der Vollständigkeit halber noch erwähnen, dass ich im Jahr 2003 ein Russengespann von Spanien nach Kiev/Ukraine und zurück über 7500 Kilometer bewegt habe und im Jahr darauf eine fabrikneue 750er Ural direkt in Irbit gekauft und ohne Probleme auf eigener Achse (5866 km) nach Hause gefahren bin. Von so „lebensgefährlichen Eisenärschen“, die so irr sind, den Iron Butt zu fahren und trotzdem oder gerade deshalb nicht anmelden.
Guenter Scholz, Spanien, info@soport.net

 

Interessantes Thema
Zu "Geradeauslauf", M-G 83, Seite 62 - 67.
Ein interessantes Thema, fachlich korrekt, umfassend und verständlich von Reiner Nikulski geschrieben! Ich stimme Reiner Nikulski zu, wenn er den "Schlüssel zum Erfolg" in der (noch
entwicklungsfähigen) Aerodynamik der Motorradgespanne sieht. Man könnte seine Idee sogar noch weiter spinnen:
- Durch verringerten Luftwiderstand am Beiwagen weniger Rechtszug.
- dadurch weniger Vorspur am Seitenwagenrad nötig,
- geringerer Reifenverschleiß,
- verringerte Belastung der Radlager.
- der Rollwiderstand wird kleiner.
- geringerer Luft- und Rollwiderstand senkt den Verbrauch und die Kosten,
- vergrößert die Reichweite und erspart u.U . den teuren Zusatztank,
- und schneller fahren könnte man auch noch!
Da erscheinen technische Gimmicks wie lenkbare Hinterräder doch vergleichsweise nebensächlich, oder?
Matthias Mente

 

Zeus ertrinkt
Nach vielen Vergleichen von hubraum-, leistungs- und drehmomentstarken Gespannen fiel meine Wahl auf ein Side-Bike Zeus. An meinem dritten Urlaubstag in Schweden musste ich eine etwa 20 Meter lange und maximal 20 Zentimeter tiefe Pfütze durchqueren. Meiner vorausfahrenden Frau gelang dies mit ihrer XJ 600 problemlos. Nach zehn Metern im Schritttempo ging der Motor des Zeus aus. Als ich beim Startversuch den Anlasserfreilauf hörte wurde mir klar, dass der Motor fest gegangen war. Nach dem Bergen und Abschleppen zu einer Peugeot-Vertragswerkstatt wurden die Zündkerzen ausgebaut und Wasser in den Brennräumen festgestellt.
Der Ansaugstutzen liegt tatsächlich an tiefster Stelle noch unter dem Seitenwagen. Da sich die Kurbelwelle überhaupt nicht drehen ließ, telefonierte der Werkstattmeister mit dem schwedischen Peugeot-Importeur, der eine Reparatur ausschloss. Also musste ich zum zweiten Mal in meinem Leben den Schutzbrief in Anspruch nehmen und mit meinem dreijährigen Sohn mit der Bahn nach Hause fahren. Das Gespann wurde zum nächsten Side-Bike-Händler, Manfred Stahmer, transportiert, der sofort ein Zeus-Gespann so umrüstete, dass die Luft wieder oben angesaugt wird.
Mein Vetrauen in die Wintertauglichkeit ist vorerst gesunken. Nachdem ich heute – schon sechs Wochen ohne Zeus – mit Manfred Stahmer telefonierte, teilte er mir mit, dass ein neuer Komplettmotor aus Frankreich unterwegs sei. Leider sagte er mir auch, dass ich die Kosten für Motorund Einbau selbst tragen müsse. Jetzt hoffe ich natürlich, möglichst bald wieder Zeus zu fahren und auf ein Entgegenkommen der Firma Side-Bike.
Unbedingt sollten Warnhinweise auf die geringe Wattiefe des Zeus in den Handbüchern hinweisen oder der Ansaugstutzen umgebaut werden.
Reinhard Miethner

Anm. d. Red.: Vielen Dank für diesen wichtigen Hinweis. Der mehr als ärgerliche Motorschaden sollte Sie aber nicht an der Wintertauglichkeit des Zeus zweifeln lassen. Einer unserer Leser fuhr im letzten Winter mit seinem Zeus-Gespann bis Kirkenes und berichtet nur Positives. Sein Fahrtenbuch  der letzten 150.000 (!) Kilometer lässt sich in zwei Worten wiedergeben: Keine Probleme.

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