L e i t a r t i k e l
Mai/Juni 2005, Heft Nr. 87

NEUE IDEEN IN SINSHEIM?

Die Messe „Faszination Motorrad" in Sinsheim war dieses Jahr die Show der Premieren. Eine wahre Flut von Neuheiten stellte sich den kritischen Augen der Besucher. Neben den Premieren der Upper Class wie Triumph-Rocket-, EML-GS 1200 oder MZ-1000-Gespann sorgte vor allem ein Low-Budget-Projekt für viel Diskussion. Die Firma Motoport in Hengelo hat sich als kompetenter Gespannfachhändler schon lange einen Namen über die holländischen Grenzen hinaus gemacht. Auf der Messe überraschte die Firma mit einem Umbau einer BMW R 1100 R für sage und schreibe 3000 Euro. Die Idee beruht auf einer kostengünstigen Fertigung bei entsprechenden Stückzahlen.

Das Chassis des Beiwagens besteht aus einem einfachen Vierkantrohrverbund. Die Beiwagenschwinge wird mittels Uniballgelenken befestigt. Der Bootskörper ist aus tiefgezogenem ABS-Kunststoff gefertigt. Bei vorhandener Form lassen sich mit diesem Produktionsverfahren erheblich Kosten sparen. Das Boot wird aus Ober- und Unterschale zusammengesetzt. Ein Kofferraumdeckel fehlt. Mit einem einfachen Dreipunktanschluss wird der Beiwagen an das Motorrad geschraubt. Als Fahrwerksoption stehen eine Nachlaufverkürzung sowie ein autobereiftes 15-Zoll-Hinterrad zur Auswahl. Der vorgestellte Prototyp wird derzeit getestet, 5000 Kilometer haben die Holländer bereits problemlos zurückgelegt. Über eine TÜV-Prüfung wird demnächst entschieden.

Ob ein Dreipunktanschluss an einem 1100er Motorrad heute noch dem Stand der Technik entspricht, was der TÜV dazu sagen wird und ob dieses Konzept überhaupt so in Serie geht, steht im Moment noch in den Sternen. Bewundernswert finde ich, dass sich überhaupt ein Hersteller auf ein solches Abenteuer einlässt, nach wirklich preiswerten Lösungen zu suchen. Immerhin sind doch viele Produzenten der Meinung, dass nur mit modernster, aufwendiger und damit teurer Technik ein sicheres Gespannfahren möglich ist. Ich wünsche den Erfindern des Konzeptes viel Erfolg. Bietet sich doch erst dadurch für manche Motorradfahrer die finanzielle Möglichkeit, Gespann zu fahren.

Zudem soll das Boot ohne Anschlüsse als Universalbeiwagen angeboten werden. In dieses Segment stößt auch EML mit dem neuen S1-Roadster-Beiwagen. Neben dem Komplettumbausatz für die BMW R 1200 GS wird der Seitenwagen auch separat ohne Anschlüsse verkauft. Mit dieser Maßnahme legt EML die seit Jahren gehegte Philosophie beiseite, ausschließlich komplette Umbausätze anzubieten.

Ich denke, das ist der richtige Weg. Technologische oder wirtschaftliche Kompetenzen von Gespannbauern dürfen sich auf keinen Fall in Monopolstellungen niederschlagen. Die vielfältigen Wünsche von uns Gespannfahrern erfordern eine enge und ehrliche Zusammenarbeit der Hersteller. Einige praktizieren das seit Jahren erfolgreich – Side-Bike und Sauer sidecar international oder Motek als Generalzulieferer für verschiedene Hersteller. Nun hat EML als weltweit bekannter Produzent ebenfalls diesen Weg beschritten. Ich sehe darin durchaus eine Vorreiterrolle und hoffe, dass auch andere Hersteller nachziehen. Wir Gespannfahrer würden davon auf alle Fälle profitieren.

Für uns war Sinsheim auch ein wichtiges Barometer für das „WINTERFAHRER"-Projekt und den diesjährigen Standort des Euro-Gespann-Treffens in Luxemburg. Wir freuen uns mit vielen Gespannfahrern darauf, durch das E-G-T einmal eine andere Ecke Europas kennen zu lernen.

Bis zur nächsten Ausgabe oder irgendwo auf den Straßen dieser Welt.

Ihr Martin Franitza

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