L e i t a r t i k e l
September/Oktober 2005, Heft Nr. 89

MZ-Gespanne transportierten ganze Generationen. MZ-Gespanne waren preisgünstig und erfüllten ihren Zweck: den Transport von Mensch und Material.
Nach der Wende sah man für das Brot- und Butter- Motorrad keinen Markt mehr. Das Werk in Zschopau wurde mehrmals umgekrempelt und mit reichlich Subventionen vor der Pleite gerettet. Mit einem 1000er Twin mischen die Sachsen jetzt in der Oberliga der Big Bikes mit. Ob dieser Meilenstein der Sachsen den erwünschten Erfolg bringt, bleibt abzuwarten. Wichtig für uns: Es gibt wieder ein MZ-Gespann. Dieses Gespann haben wir dem Vertriebsleiter von MZ, Carl Schmid, zu verdanken. Er ist in der Gespannszene wohl bekannt. Schon zu früheren Zeiten, als er noch Suzuki- Motorräder an den Mann bzw. die Händler brachte, ließ er die Gespanne nie außer Acht. Er forcierte die VX 800 und GSX 1100 G als Gespannmaschinen, was für Suzuki durchaus interessant war. Von beiden Modellen erhielten jeweils über 100 Stück das dritte Rad.
Die MZ 1000 S wird an diesen Erfolg vermutlich nicht anknüpfen können. Zum einen ist der Absatz bei den Big-Bike-Gespannen generell zurückgegangen, zum anderen spricht das Outfi t des Dreirades eher den sportlich orientierten Fahrer an.
Sicher ist: Die 1000 S auf drei Rädern wird nicht an jeder Ecke stehen und damit einen exklusiven Nimbus bekommen. Das Werk könnte offi ziell Kulanz für alle motorradspezifi schen Komponenten übernehmen und die Rücknahme bzw. Gutschrift von nicht benötigten Umbauteilen wie Gabel und Räder gewähren, für manchen Gespannfahrer sicher ein hochinteressanter Anreiz, dieses Powerbike in die engere Wahl bei seiner Gespannentscheidung zu ziehen. Nicht vergessen darf man das Schwestermodell 1000 SF. Dieses Motorrad bezeichnet MZ selbst als Superfighter. Die fehlende Verkleidung und die für Gespannbetrieb bessere Sitzposition eröffnen ein weiteres Feld, sich im Gespannbereich zu betätigen. Auch würde der komplette Gespannumbau der S mit geringen Änderungen an der SF passen.
Ob ich mit meinen Überlegungen wieder Eulen nach Athen trage oder ob vielleicht der eine oder andere Gedanke zum Tragen kommt, wird die Zukunft zeigen. Zwar ist der Gesamtbestand von Krafträdern so hoch wie nie, doch die Neuzulassungen sind schon seit einigen Jahren stark im Fallen. Nur Nischen wie der Gespannbereich, um den man sich in den fetten Jahren nicht gekümmert hat, versprechen noch Kundeninteresse. Als Gespannfahrer haben wir an diesem Engagement der Motorradhersteller nichts auszusetzen. Vielfalt war schon immer das Gewürz, das in unserer Szene reichlich vorhanden war.
Der tschechische Hersteller Jawa scheint diese Chance zu versemmeln. Derzeit gibt es keinen Importeur in Deutschland. Alois Löw hat das Angebot unter den gestellten Bedingungen dankend abgelehnt. Sicher ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, aber das preisgünstige Gespann auf Basis der 650er Bison ist vorerst wieder zu den Akten gelegt. Schade, dass so mancher Schreibtischtäter bei den Herstellern noch immer nicht kapiert hat, dass Gespannfahrer für die Glückseligkeit nicht nur einen Beiwagen benötigen, sondern immer auch ein Motorrad.
Bis zu nächsten Ausgabe oder irgendwo auf den Straßen dieser Welt
Martin Franitza

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