|
|
|
|
|
MZ-Gespanne
transportierten ganze Generationen. MZ-Gespanne waren preisgünstig und erfüllten
ihren Zweck: den Transport von Mensch und Material.
Nach der Wende sah man für das Brot- und Butter- Motorrad keinen Markt mehr.
Das Werk in Zschopau wurde mehrmals umgekrempelt und mit reichlich Subventionen
vor der Pleite gerettet. Mit einem 1000er Twin mischen die Sachsen jetzt in
der Oberliga der Big Bikes mit. Ob dieser Meilenstein der Sachsen den erwünschten
Erfolg bringt, bleibt abzuwarten. Wichtig für uns: Es gibt wieder ein MZ-Gespann.
Dieses Gespann haben wir dem Vertriebsleiter von MZ, Carl Schmid, zu verdanken.
Er ist in der Gespannszene wohl bekannt. Schon zu früheren Zeiten, als er noch
Suzuki- Motorräder an den Mann bzw. die Händler brachte, ließ er die Gespanne
nie außer Acht. Er forcierte die VX 800 und GSX 1100 G als Gespannmaschinen,
was für Suzuki durchaus interessant war. Von beiden Modellen erhielten jeweils
über 100 Stück das dritte Rad.
Die MZ 1000 S wird an diesen Erfolg vermutlich nicht anknüpfen können. Zum einen
ist der Absatz bei den Big-Bike-Gespannen generell zurückgegangen, zum anderen
spricht das Outfi t des Dreirades eher den sportlich orientierten Fahrer an.
Sicher ist: Die 1000 S auf drei Rädern wird nicht an jeder Ecke stehen und damit
einen exklusiven Nimbus bekommen. Das Werk könnte offi ziell Kulanz für alle
motorradspezifi schen Komponenten übernehmen und die Rücknahme bzw. Gutschrift
von nicht benötigten Umbauteilen wie Gabel und Räder gewähren, für manchen Gespannfahrer
sicher ein hochinteressanter Anreiz, dieses Powerbike in die engere Wahl bei
seiner Gespannentscheidung zu ziehen. Nicht vergessen darf man das Schwestermodell
1000 SF. Dieses Motorrad bezeichnet MZ selbst als Superfighter. Die fehlende
Verkleidung und die für Gespannbetrieb bessere Sitzposition eröffnen ein weiteres
Feld, sich im Gespannbereich zu betätigen. Auch würde der komplette Gespannumbau
der S mit geringen Änderungen an der SF passen.
Ob ich mit meinen Überlegungen wieder Eulen nach Athen trage oder ob vielleicht
der eine oder andere Gedanke zum Tragen kommt, wird die Zukunft zeigen. Zwar
ist der Gesamtbestand von Krafträdern so hoch wie nie, doch die Neuzulassungen
sind schon seit einigen Jahren stark im Fallen. Nur Nischen wie der Gespannbereich,
um den man sich in den fetten Jahren nicht gekümmert hat, versprechen noch Kundeninteresse.
Als Gespannfahrer haben wir an diesem Engagement der Motorradhersteller nichts
auszusetzen. Vielfalt war schon immer das Gewürz, das in unserer Szene reichlich
vorhanden war.
Der tschechische Hersteller Jawa scheint diese Chance zu versemmeln. Derzeit
gibt es keinen Importeur in Deutschland. Alois Löw hat das Angebot unter den
gestellten Bedingungen dankend abgelehnt. Sicher ist noch nicht das letzte Wort
gesprochen, aber das preisgünstige Gespann auf Basis der 650er Bison ist vorerst
wieder zu den Akten gelegt. Schade, dass so mancher Schreibtischtäter bei den
Herstellern noch immer nicht kapiert hat, dass Gespannfahrer für die Glückseligkeit
nicht nur einen Beiwagen benötigen, sondern immer auch ein Motorrad.
Bis zu nächsten Ausgabe oder irgendwo auf den Straßen dieser Welt
Martin Franitza

Leicht zu merken - die Telefonnummer der Redaktion: 0700 wählen und dann "sidecars" tippen.
| |