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Anschlusstechnik

aus MOTORRAD-GESPANNE Nr. 68

Will man Motorrad und Beiwagen verheiraten, braucht man eine dauerhafte Anschlußtechnik. Dieser Beitrag bezieht sich auf konventionell aufgebaute Krafträder mit Beiwagen.

Anschlussteile, (Bild Peikert)

Für die innige Verbindung von Motorrad und Beiwagen sorgen Anschlüsse. Seit der Erfindung des Beiwagens haben die Konstrukteure ihrem Erfindungsgeist freien Lauf gelassen. Aber viele Anschlußkonzepte verschwanden genau so schnell wieder in der Versenkung wie sie dem Geistesblitz eines Gespannbauers entsprungen waren.

Generell war jedoch die Grundidee immer eine möglichst schnelle Trennung von Motorrad und Beiwagen. Durchgesetzt in Deutschland hat sich die Erfindung der Kugelkopfanschlüsse für unten von Walter Stoye. Sie werden auch heute noch verwendet.

Peter Sauer verwendet beiwagenseitig Vierkantbrieden und setzt maschinenseitig ebenfalls Vierkantaufnahmen.

Die beiden Streben, die nach oben führen, werden fast einheitlich mit Flachbolzen verschraubt. Im Gegensatz zu früher unterliegen Anschlüsse heute keiner Norm mehr. Nicht ohne Grund haben sich einige Hersteller, vor allem die Produzenten von größeren Serien, von den früher gängigen Anschlüssen entfernt und ihre eigenen Systeme entwickelt.

Insbesondere beiwagenseitig gibt es heute eine Vielzahl von Möglichkeiten: Plattenanschlüsse (EML, EZS), Vierkantbrieden (jewell, Sauer), einfache oder doppelte Rohrschellen (Hedingham oder Watsonian/Squire) oder sogar verschweißte Anschlüsse, so dass Motorrad und Beiwagen eine homogene Einheit bilden (Reichler).

Manchmal geht es nicht anders, aber solche Umlenkungen sollte man vermeiden.

Durch die unterschiedlichen Systeme ist es ohne weiteres nicht mehr möglich, den Beiwagen an ein anderes als vom Gespannhersteller vorgesehenes Motorrad zu schrauben. Zudem wird die Eigenbastelei erschwert, da entweder Originalanschlüsse passend zum Umbaukitt des Motorrads verwendet oder gänzlich neue Verbindungen angefertigt werden müssen.

Auch wenn die Anschlüsse demontierbar sein sollten, so ist deren weitere Verwendung bei einem anderen Motorrad nicht sichergestellt. Die Engländer wie Watsonian/Squire verwenden Schrauben mit Inselmaßen, Hedingham hochfeste, feinzöllige Schrauben und Helmut Walter montiert Schrauben mit größeren Durchmessern, die an den gängigen Anschlussteilen nicht passen.

Motorradanschlüsse
Für uns wichtig sind im Rahmen dieses Beitrages jedoch Anschlüsse, die dem engagierten Bastler und Eigenbauer ausreichend Spielraum geben, Beiwagen und Motorrad mit gängigen Teilen zusammen zu bauen. Vor allem für beliebte Gespannzugmaschinen, die auch gern für Eigenbauprojekte verwendet werden, wie zum Beispiel BMW-Zweiventilboxer oder Moto Guzzi, gibt es maschinenseitig komplette Bausätze inklusive Hilfsrahmen.

Bei Moto Guzzi wird in der Regel vorn unten ein Hilfsrahmenteil verwendet. Eine längere Motorachse gehört zum Lieferumfang. Der Anschluss selbst kann ein Kugelkopf oder Flachbolzen sein. Unterhalb des Steuerkopfes montiert man heute eine Doppelschelle. Als hinteren, unteren Anschluss gibt es einen einfachen Kugelbolzen, der mit der Rahmen/Fußrastenträgerplatte verschraubt wird.

Dieser komplette motorradseitige Anschlusskitt mit allen Kleinteilen gehört für die Kawasaki W 650. Komplette Anschlusskitts bietet die Firma MOTEK auch für Yamaha VVS 650, Moto Guzzi und MZ-Zwei- und Viertaktmotorräder an.

Ohne Abstützung auf die linke Rahmenseite können bei diesem einfachen System Rahmenrisse an dem nach hinten führenden Rahmenausleger auftreten. Besser ist dann die Montage eines Kugelkopfes auf dem Schwingenlagerbolzen (Walter) oder ein komplettes Hilfsrahmenteil wie es zum Beispiel EZS im Programm hat.

Hilfsrahmen inklusive Anschlüsse für den ambitionierten Schrauber gibt es bei Peikert/ Bauhs oder Stern. Während Peikert für die unteren Anschlüsse Kugelbolzen mitliefert, sind es bei Stern Flachbolzen. Hinsichtlich der Anschlussteile ist Peikert/Bauhs die erste Adresse für ausgefallene Wünsche, insbesondere wenn es sich um ältere Motorräder bis zurück in die 50er Jahre handelt.

Für einige wenige japanische Bikes und Triumph liefert Motek auch einzelne Komponenten. Lagerware sind zum Beispiel Kits für Kawasaki W 650, Triumph Bonneville und Kawasaki VN 800-Modelle. Beiwagenseitige Anschlüsse Die Art der Anschlüsse am Beiwagen ist durch die Rahmenkonstruktion vorgegeben.

Die einfache Art am Motorrad-Anschlüsse unterzubringen sind Schellen. Die hintere Doppelschelle gehört bei Moto-Guzzi-Motorrädern unter den Steuerkopf.

Manche Fahrgestelle haben Steckenden für die beiden unteren Anschlüsse (zum Beispiel Dnepr, Ural, Carell TR 500, Walter TR 500) und Flachbolzen (oder entsprechende Schraubaufnahmen) für die beiden oberen Anschlüsse. Entsprechende Teile in verschiedenen Abmessungen liefern die Hersteller von Anschlussteilen wie zum Beispiel Peikert/Bauhs, Stern, Motek, Mobec oder Stein.

Die gängigste Abmessung für Steckenden hat einen Durchmesser von 32 Millimetern. Sonderanfertigungen mit einem Durchmesser von 34 oder 36 Millimetern sind möglich. Ob man dann am Ende ein Kugelmaul (Steib- Standardmaß 30 Millimeter) oder einen Flachbolzen verwendet, bleibt dem Hersteller überlassen bzw. ist durch die maschinenseitigen Anschlüsse vorgegeben.

Kugelbolzen gibt es bereits als Achse in verschiedenen Längen. Lieferbar sind auch Aufschraubköpfe bzw. Anschweißkugeln.

Wichtig bei der Auslegung der Anschlüsse ist eine möglichst gerade Verbindung der Streben mit dem Standardgewindemaß M 18 x 1,5 zwischen Motorrad und Beiwagen. Das gilt auch für die oberen Anschlussstreben. Sie sind lieferbar in gestuften Abmessungen und haben in der Regel an beiden Enden Gabelköpfe zur Aufnahme von Flachbolzen.

Für die Verschraubung verwendet man hochfeste Schrauben mindestens in der Qualität 8.8. Die Verwendung von Kreuzschellen, um zum Beispiel den hinteren Anschluss eines Ural- Beiwagens weiter nach vorn zu legen, um ihn mit einer BMW kompatibel zu machen, ist eine oft gesehene Lösung. Besser und stabiler ist jedoch, die entsprechende Halbschelle mit dem Fahrwerk zu verschweißen.

Flachbolzen sind in verschiedenen Schaftlängen lieferbar.

Nur so ist sie gegen Verdrehen gesichert. Durch das Produkthaftungsgesetz und das  Gewährleistungrecht sind die meisten Hersteller nicht gerade begeistert, Einzelteile an Eigenbauer abzugeben. Aber oftmals sieht man gerade bei einem Großserienhersteller wie EML oder EZS eine Anschlusslösung, die man gern an seinem Eigenbaugespann realisieren würde.

Hier müssen wir darauf hinweisen, dass alle Komponenten auch im Rahmen der Ersatzteilversorgung lieferbar sein müssen, auch wenn man dann einen entsprechend höheren Preis kalkulieren muss.

Diese Anschlussbrieden verwendet man gern, wenn Beiwagen- und Motorradanschluss nicht in einer Flucht oder ziemlich eng beiander liegen. Der zu überbrückende Abstand sollte nicht zu groß sein. So eine Winkellösung versucht man gern bei einem BMW-Motorrad mit Ural-Beiwagen zu realisieren. Das System ist jedoch meist labil.

Und…
Generell sollte man keine Edelstahlschrauben für Fahrwerksteile verwenden. Chrom- Nickel-Legierungen sind nicht für dynamische Belastungen definiert und die können in den Anschlusssystemen auftreten. Auch wenn die Praxis der letzten Jahre zeigt, dass mit Edelstahlschrauben bislang noch keine Probleme aufgetreten sind, so sollte man gerade bei einem Eigenbau auf Nummer sicher gehen.

Die oberen Klemmanschlüsse des Velorex-Beiwagens , die hier rechts zu sehen sind, haben an modernen Gespannen nichts zu suchen.

Grundsätzlich sind Qualitätsschrauben der Mindestgüte 8.8 oder höher zu verwenden. Schrauben der Güte 10.9 oder 12.9 sollte man nachträglich nicht galvanisch behandeln. Das Material kann spröde werden. Die Vielzahl neuer Gespannzugmaschinen in den letzten 20 Jahren hat die Anschlussmethoden geändert. Dem engagierten Schrauber bleibt auch heute nichts anderes übrig, als auf die gängigen Systeme der Vergangenheit zurückzugreifen. Zum Glück haben noch einige wenige Hersteller hier ein offenes Ohr für den Gespannfahrer.

Aerodynamik

von Reiner Nikulski

Ein Beitrag aus MOTORRAD-GESPANNE Nr. 88 und 89.
Die Kurvendiagramme zur Analyse sind nicht abgebildet.

Die Aerodynamik wird bei Gespannen kaum berücksichtigt.
Die Hersteller entwickeln die Form ihrer Beiwagen „aus dem Bauch heraus“, und eine Stromlinienform entspricht eher dem Geschmack des Designers als dass sie wissenschaftlichen Grundsätzen standhalten kann.

MOTORRAD-GESPANNE macht Schluss mit Mutmaßungen und Phrasen. Wir betrachten die Gespanne unter dem Aspekt der Aerodynamik.

Achtzig Jahre nach dem Auftauchen der ersten Stromlinienfahrzeuge sind heutige Automobile aerodynamisch konsequent durchentwickelt.

Allerdings hat dieses Streben nach kleinem cw-Wert zu einer schablonenhaften Formgebung geführt.

Windkanalbilder: Im Windkanal wird das Ruko-Hayabusa-Gespann auf die Strömungsverhältnisse untersucht. An der Rauchfahne ist deutlich zu sehen, wie die Luft den Beiwagen umströmt. Im Heck bildet sich ein kleiner Wirbel. Aber insgesamt ist die Form des Beiwagens sehr strömungsgünstig modelliert. Das aerodynamische Grundkonzept des Beiwagens von Jürgen Mayerle wird somit bestätigt.

Die früher so markanten „Gesichter“ der Autos sind verschwunden, die verschiedenen Modelle oft nur noch an Details zu erkennen. Ganz anders ist die Situation bei Motorradgespannen.

Viele Hersteller und Heimwerker verwirklichen nach Herzenslust ihre eigenen Design- und Funktionsvorstellungen. Doch gerade bei modernen Gespannen sind für hohe Spitzengeschwindigkeiten immer noch sehr große Motorleistungen erforderlich. Aber alles weist darauf hin, dass dabei der Aerodynamik sehr wenig Beachtung geschenkt wird.

Den Anstoß für die beschriebenen Messungen gab Jürgen Mayerle. Bei der Verwirklichung seines Hayaruko-Traumgespannes (Titelgeschichte in MOTORRAD-GESPANNE Nr. 74) hat er gezielt eigene Ideen zur Führung der Luft am Seitenwagen verwirklicht. Um das Ergebnis bewerten zu können, wurde der Luft- und Rollwiderstand von insgesamt zehn Gespannen ermittelt.

Die Messmethode

Das Einmieten in einen Windkanal ist für die kleinen Gespannbaubetriebe finanziell nicht möglich. Es gibt jedoch eine höchst einfache Methode, die auch schon die Stromlinienpioniere in den 20er Jahren benutzt haben: Ausrollmessungen.

Diese müssen zwar wegen der Wetter- und Umweltbedingungen sehr sorgfältig durchgeführt und bewertet werden, geben dafür aber das Fahrzeug im realen Fahrbetrieb wieder. Insbesondere der Einfluss der in der Realität sich drehenden, in den meisten Windkanälen dagegen stehenden Räder dürfte bei Gespannen mit den breiten, frei im Wind stehenden Vorderrädern relativ groß sein.

Das Prinzip dieser Ausrollmessungen hat Mathias Mente in seinen Aerodynamik-Beiträgen in MOTORRAD-GESPANNE Nr. 53 bis 56 sehr schön beschrieben, so dass es hier nicht wiederholt werden muss. Hier sei nur noch einmal kurz die Grundgleichung für den Fahrwiderstand in der Ebene gezeigt, und zwar in der alten, absolut nicht normgerechten, aber äußerst praktischen Form:

Darin sind:

Nlr – Luft- und Rollwiderstandsleistung in PS
m – Masse des Fahrzeuges in kg inklusive des Anteil der rotierenden Massen
a0 – Rollwiderstandsbeiwert der Reifen
ro – Luftdichte in kg/m³
A – Frontquerschnittsfl äche des Fahrzeuges in m²
cw – Luftwiderstandsbeiwert
v – Geschwindigkeit in km/h

Die Größen cw und A werden oft zusammengefasst als Faktor cw · A angegeben. Dieser beinhaltet auch die Fahrzeuggröße und ist somit ein Maß für den gesamten Luftwiderstand, während der Luftwiderstandsbeiwert ein Maß für die aerodynamische Güte ist.

Bei Landfahrzeugen liegen die Zahlenwerte von cw und cw · A oft in der gleichen Größenordnung, so dass diese leicht verwechselt werden können! Werden die konstanten Werte der Gleichung zu Faktoren zusammengefaßt, so ergibt sich die relativ einfache Form:

Nlr = s · (v/100) + t · (v/100)³

wobei nun Faktor s nur vom Rollwiderstand und Faktor t nur vom Luftwiderstand abhängig sind. Der Geschwindigkeits- und Verzögerungsverlauf der Ausrollmessung wird mit einem Datenspeicher aufgezeichnet und daraus die momentan wirkende Verzögerungsleistung berechnet. Sie entspricht beim Ausrollen der Luft- und Rollwiderstandsleistung.

Die entstehenden Kurven von vier Hin- und Rückfahrtmessungen mit der Hayaruko sind als Beispiel im Diagramm über der Geschwindigkeit dargestellt. Es sind die blauen, unruhig verlaufenden Kurven.

Darüber ist eine Ausgleichskurve nach dem Prinzip der kleinsten Fehlerquadrate gelegt. Dabei ist es wichtig, dass die Ausgleichskurve nur einen linearen und einen Anteil der 3. Potenz aufweist.

Es dürfen also nicht einfach die Trendlinienfunktionen gängiger Programme verwendet werden. Die Streuung der vier Einzelmessungen ist sehr gering, und die rote Ausgleichskurve trifft die gemessenen Kurven sehr gut. In der Zeile Formel ist die Gleichung der Ausgleichskurve dargestellt.

Und hier zeigt sich der Vorteil der alten Gleichungsform aus dem „Vor-Taschenrechner-Zeitalter“. Beim Einsetzen von 100 km/h wird sowohl der Faktor (v/100) als auch der Faktor (v/100)3 zu 1.

Somit geben die ausgerechneten Faktoren automatisch die erforderlichen Leistungen bei 100 km/h an. Aus diesen Faktoren lassen sich nach obiger Gleichung leicht die gewünschten Werte a0 und cw · A errechnen.

Bei der Hayaruko werden also bei 100 km/h 5,3 PS für den Roll- und 20,9 PS für den Luftwiderstand benötigt. Bei hohen Geschwindigkeiten sinkt der Anteil des Rollwiderstandes drastisch, so dass der Fahrwiderstand dann fast ausschließlich vom Luftwiderstand bestimmt wird.

Nach diesem Verfahren wurden innerhalb der letzten acht Jahre unzählige Messungen durchgeführt. Es liegt somit eine relativ große Erfahrung bezüglich Streuung, Wetterbedingungen und sonstiger Einflüsse (z.B. Fahrerbekleidung !) vor.


Was ist eigentlich ein cw-Wert?

Man stelle sich ein an einem Ende geschlossenes Rohr vor, daß mit dem offenen Ende in einen Luftstrom gehalten wird. Die eintretende Luft kann nicht aus dem Rohr entweichen und wird bis zum Stillstand heruntergebremst.

Dadurch entsteht ein Staudruck, der durch die Bernoullische Gleichung berechnet werden kann:

P_st = ro/2 · v²

Darin sind:
Pst – Stau- oder statischer Druck
ro – Dichte der Luft
v – Luftgeschwindigkeit

Damit zeigt sich schon die wichtigste Eigenschaft der Aerodynamik.

Alle wirkenden Drücke und Kräfte wachsen mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Der hohe Kraftbedarf bei hohen Geschwindigkeiten ist also schon rein physikalisch vorbestimmt. Der entstehende Staudruck übt eine Kraft F_st auf das Rohr aus, die umso größer ist, je größer die Querschnittsfläche A des Rohres ist:

F_st = ro/2 · A · v²

Im Weiteren stelle man sich nun seitlich in das Rohr angebrachte Bohrungen vor. Ein Teil der einströmenden Luft kann nun durch diese Bohrungen entweichen. Der Staudruck wird nicht mehr in vollem Umfang aufgebaut. In die Bernoulli-Gleichung wird ein zusätzlicher Faktor eingeführt, der „Luftwiderstandsbeiwert cw“:

F_st = ro/2 · cw · A · v²

Er beschreibt, der wievielte Teil des theoretischen Staudruckes bei der Um- oder Durchströmung eines Körpers wirksam ist. Er kann somit als aerodynamischer Gütemaßstab verwendet werden. So wird z.B. bei einem cw-Wert von 0,3 nur 30 % des theoretischen Staudruckes erreicht.

Wie können dann aber cw-Werte über 1 entstehen? So hat z.B. ein konventioneller Fallschirm einem cw-Wert von 1,35. Dort strömt die eintretende Luft unten teilweise wieder aus dem Schirm heraus, und zwar gegen die Fallrichtung. Durch diese Rückströmung wird die Differenzgeschwindigkeit der Luft größer als die Fallgeschwindigkeit, was dann einfach durch einen größer werdenden cw-Wert berücksichtigt wird.


Im folgenden klären wir die Frage, ob ein D-Rad-Gespann der 20er Jahre einen schlechteren cw-Wert als ein EML-Beiwagen hat und berechnen die ketzerische Frage, ob ein modernes Straßengespann die 200 km/h-Marke knacken kann. Die Ergebnisse sind überraschend.

D-RAD – STEIB

Das Gespann aus den Urzeiten des Seitenwagenbaus liegt mit cw=0,90 durchaus noch am oberen Rand des Streubereiches heutiger Fahrzeuge. Die breitbeinige Sitzposition, der sehr breite Lenker und die freiste- hende Scheibe am Seitenwagen verhindern wahrscheinlich bessere Werte. Die mittelgroße Frontquerschnittsfläche und der hohe Rollwiderstand der Stollenreifen erzeugen insgesamt recht hohe Fahrwiderstände, was bei den verfügbaren 12 PS Spitzenleistung besonders schmerzlich sein dürfte.

MZ ETZ 250 – MZ SUPERELASTIC

Der Luftwiderstandsbeiwert liegt mit cw =0,86 ebenfalls im oberen Bereich. Die kantige Front der Seitenwagenhaube erzeugt wohl schon ganz vorne die ersten Wirbel. Wegen der großen Bodenfreiheit gelangt eine große Luftmenge unter den Seitenwagen. Diese trifft auf Höhe des Rades auf den kantigen Querträger des Rahmens, der die freie Durchtrittsfläche erheblich vermindert. Die tiefe Sitzposition des Fahrers mit angezogenen Knien und hohem Lenker dürfte aerodynamisch auch kein Optimum darstellen. Durch die sehr kleine Frontquerschnittsfläche ergibt sich aber doch noch ein recht niedriger Gesamtluftwiderstand.

HERCULES W 2000 – MZ/BOBBY

Über dieses Gespann liegt die meiste Erfahrung vor, weil es als Bastelobjekt in etlichen Jahren den Spieltrieb seines Besitzers über sich ergehen lassen musste.
Es weist mit gleichem Superelastic-Seitenwagen gegenüber dem vergleichbaren MZ-Gespann folgende Änderungen auf:

  • Lenkerverkleidung Speed 7
  • MZ-Haube ersetzt durch Vorderteil des Schöne-Linie-Bobby-Bootes
  • langgezogener Seitenwagenrad-Kotflügel, enthält gleichzeitig Batterie und Staufach
  • Verkleidung des Seitenwagenrahmens im Unterbodenbereich. Bei jeder einzelnen dieser Maßnahmen war keine Verbesserung des Luftwiderstan- des meßbar. Die Summe aller vier Umbauten zusammen scheint jedoch Wirkung zu zeigen. Der cw-Wert ist mit 0,77 rund 10% besser als bei der MZ.
  • In der Praxis sind die meisten dieser Änderungen allerdings nicht spürbar. Der Einfluss von Gegen-, Rücken oder auch Seitenwind (!) überwiegt bei weitem.
  • Überraschend ist, dass der Luftwiderstand mit „Schmiermaxe“ im Boot um nur rund 10% steigt. Das Frontfoto macht aber klar, dass gerade mal Schultern und Helm des Beifahrers über die ursprüngliche Kontur hinausragen und die Frontquerschnittsfläche nur um eben diese 10% ansteigt. Der Luftwiderstandsbeiwert bleibt fast gleich.
  • Auffällig ist der starke Einfluss der Fahrerbekleidung. Er scheint sich hier aber durch die ungünstige Luftströmung besonders stark auszuwirken. Von der oberen Kante der Cockpitverkleidung ausgehend, teilt sich der Luftstrom vor dem Fahrerhelm. Nur ein Teil fließt wie gewollt nach oben weg. Der andere Teil wird nach unten geleitet.
    Der im Winter zuerst auskühlende Brustbereich des Fahrers sowie auf die Oberseite des Tanks geklatschte Mückenlarven im Sommer bestätigen dies eindrucksvoll. Diese Luft fließt dann seitlich unter den Armen hindurch nach hinten, wodurch wohl der große Kleidungseinfluss entsteht. Ein Teil der Luft fließt jedoch sogar über den Tank hinweg nach vorne, wie ein gelöster, nach vorne unter die Cockpitscheibe flatternder Spanngurt verriet.
  • Eine zusätzlich auf die Cockpitscheibe gesetzte nur 15 cm hohe Scheibe senkte den Luftwiderstand um 5%. Beugt sich der Fahrer dann noch leicht an die Scheibenkante vor (nicht liegend) fällt der Luftwiderstand sogar um 9%! Der Fahrer sitzt also hier zu weit von der Scheibe entfernt und ragt zu weit über diese hinaus. Vermutlich ist das auch bei vielen anderen Verkleidungen der Fall. Es darf nicht der Fehler gemacht werden, die einzelnen Verbesserungen zu addieren, also z.B.: Lederlacke -7% und kleine Zusatzscheibe -5% gibt in Kombination eine Verbesserung von 12%. Wenn nämlich durch die hohe Scheibe weniger Luft in den Tankbereich kommt, wird auch der Einfluss der Kleidung nicht mehr so groß sein. Wegen dieser Wechselwirkungen sind Vorhersagen über die Wirkung von Änderungen sehr schwierig.

BMW R 60 – URAL

Als Naked Bike durchaus vergleichbar, fällt der mit cw=0,72 um 16% bessere Wert gegenüber der MZ auf (gleicher Fahrer mit gleicher Kleidung). Der glattflächig verkleidete Motorblock der BMW, das im Ver- hältnis zur Länge flache Ural-Boot und die Sitzposition des Fahrers wirken sich wohl positiv aus. Eine Scheibe am Seitenwagen bei gleichzeitig entfernter Abdeckplane verschlechtert den cw-Wert um 10%. Zusammen mit der größeren Frontquerschnittsfläche ergibt sich damit ein um 19% höherer Gesamtluftwiderstand. Dies kostet bei 100 km/h rund 3,5 PS! Der SW-Passagier sitzt zudem relativ weit hinter der Scheibe. Wenn die Erfahrung mit der Cockpitscheibe an der Hercules übertragbar ist, sitzt er voll in der Wirbelschleppe der Scheibe. Damit ist der Sinn einer solchen Scheibe vollends fraglich. Wie ist die Erfahrung von Beifahrern?

BMW R 100 – WASP GELÄNDE

Wie erwartet, erreicht das Geländegespann mit stattlichen cw=1,08 den absoluten Höchstwert. Der am Seitenwagen innerhalb des Haltebügels montierte Stein- schlagschutz stellt eine im Wind stehende Platte dar, der dahinter auch noch die kan- tige Alu-Sitzkiste folgt.
Da die Frontquerschnittsfläche aber mit A=1,28 m2 fast das niedrige MZ-Niveau erreicht, ist der Luftwiderstand cw*A sogar noch im Mittelfeld zu finden. Fairerweise muß natürlich gesagt werden, dass der Sinn eines solchen Fahrzeuges nicht ist, stundenlang hohe Dauergeschwindigkeiten auf Autobahnen zu fahren.

BMW R 100 RT – EML TOUR

Eine unerwartete Überraschung ergab sich beim beliebten Tourengespann der 80er Jahre. Das Fahrzeug wurde vom Besitzer meist ohne das SW-Dach gefahren. Eine rundumlaufende Scheibe umgibt den Seitenwagenpassagier. Auch hinter der Sitzlehne ist vor der Kofferraumklappe eine Heckscheibe mit gleicher Höhe vorhanden.
In diese tiefe Sitzhöhle wirbelt es offenbar kräftig hinein, denn der ermittelte cw-Wert von 0,95 lag enorm hoch. Durch Aufsetzen des 30 cm hohen Stoffdaches erhöhte sich die Frontquerschnittsfläche um 10%. Der cw-Wert sank jedoch gleichzeitig so stark ab, dass sich der Gesamtluftwiderstand cw*A um 9% verminderte!

BMW K100 RS – SCHÖNE LINIE TWISTER

Die Vollverkleidung der BMW K-RS macht einen kompakten, glattflächigen Eindruck und umschließt dennoch in der Frontansicht den Fahrer zum größten Teil. Die ansteigende Linie des Twister-Seitenwagens erinnert fast ein bißchen an die keilförmigen Lotus-Rennwagen der 70er Jahre.
Bei unbesetztem Seitenwagen unterbricht auch die ebenfalls ansteigende Abdeckplane die- se Linie nicht. Lediglich die Frontscheibe steht frei im Wind. Es wird ein cw-Wert von 0,78 erreicht. Diese Kombination scheint eine gute Basis für niedrigen Luftwiderstand zu sein. Ohne die freistehende Scheibe wäre möglicherweise ein noch niedrigerer cw-Wert erreichbar gewesen.

BMW K 1100 LT – EML GT 2000

Diese Kombination stellt den Spitzenreiter an Leistungsbedarf. Satte 570 kg Mess- gewicht mit Fahrer und eine mit einem VW Käfer vergleichbare Frontquerschnittsfläche von 1,8 m² ließen nichts anderes erwarten. Ein verhältnismäßig hoher cw-Wert von 0,87 verschärfte die Situation noch.

 

SUZUKI GSX 1100 G – EML GT 2001

Bei ähnlich hohem cw-Wert wie die BMW K 1100 LT erreicht das unverkleidete Motorrad mit dem gleichen Seitenwagen einen entsprechend der geringeren Frontquerschnittsfläche geringeren Gesamtluftwiderstand.

EML GT

Sowohl mit Naked Bike als auch mit Vollverkleidung werden mit dem EML GT 2000/2001 nur unverhältnismäßig hohe cw-Werte erreicht. Der Seitenwagen hat also vermutlich einen nicht unerheblichen Anteil daran. Dies überrascht zunächst mal, da doch gerade der GT so glattflächig aussieht.
Lediglich die steile Frontscheibe und die nach links gezogene spitze Nase fällt auf. Strömungen um eckige oder gar spitze Kanten sind in der Strömungslehre höchst unerwünscht. Aber ob das so viel ausmachen kann?

SUZUKI HAYABUSA-RUKO SCHÖNE LINIE F1

Da das F1-Boot ursprünglich ein Einzelstück bleiben sollte, setzte Schöne Linie bei der Konzeption des Prototyps ohne Rücksicht auf Kosten und Aufwand folgende Punkte zur Aerodynamikverbesserung um:

  • Lange glatte Flächen sorgen dafür, dass der Luftstrom sauber an der Karosserie anliegt
  • Durch die spitze Form des Bootes wird die Luft auch zur Seite verdrängt
  • Minimaler Zwischenraum zwischen Motorrad und Boot
  • Lufteinlass unten links, um die Luftwirbel zwischen Motorrad und Boot zu beruhigen
  • Luftabrisskante bei offenem und geschlossenem Verdeck
  • Frontflügel für Abtrieb
  • Diffusor für Abtrieb
  • Lufteinlass unten rechts zur Kühlung der Seitenwagenbremse
  • Lufteinlass unten mittig zur Kühlung von Katalysator und Auspuff
  • Lufteinlass oben rechts und links zur Belüftung des Innenräume

Es kam also neben der reinen Luftwiderstandsverminderung vor allem auch auf eine Minimierung des Auftriebes an, was bei den zu erwartenden hohen Geschwin- digkeiten sicherlich eine wichtige Sache ist. Durch glückliche Umstände war es möglich, das Gespann in einem Windkanal zu vermessen.

Das Boot erzeugte hierbei sogar einen Abtrieb. Der bei den Vergleichsmessungen ermittelte cw-Wert liegt mit 0,78 an der unteren Grenze der ermittelten Werte.
Die zerklüftete, rechts neben dem Vorderrad vollkommen frei im Wind liegende Radaufhängung mit der riesigen Bremsanlage und dem großen Federbein dürfte jedoch kräftige Wirbel erzeugen, so dass die eigentlichen Qualitäten des Bootes möglicherweise etwas überdeckt werden.
Für die späteren RF1 Serienboote wurden aufgrund des schon erwähnten Bauaufwandes der Unterboden und die Proportionen verändert, so dass die Ergebnisse nicht direkt darauf übertragbar sind.

INTERESSANT SIND AUCH DIE FOLGENDEN AUSWIRKUNGEN:


ÜBERSICHT

Im Diagramm „Fahrwiderstand Motorradgespanne“ sind zum direkten Vergleich nochmals die Fahrwiderstandskurven aller gemessenen Gespanne über der Geschwindigkeit dargestellt (siehe unten). Es bilden sich zwei voneinander entfernt liegende Bereiche aus.

  • Im dem Unteren finden sich die MZ, die Hercules und die BMW/Ural. Diese holen sich den Vorteil des geringeren Luftwiderstandes aber nur durch geringe Frontquerschnittsfl ächen, hauptsächlich wegen des fehlenden Dachaufsatzes.
  • Der obere Bereich stellt das Streuband von modernen Gespannen dar, die durchweg größer und schwerer geworden sind. Die obere Grenze bildet das Luxus-Tourengespann BMW K – EML GT2000. An der unteren Grenze liegen fast deckungsgleich die Hayaruko und BMW K – Twister. Beide Seitenwagen kommen aus dem Schöne-Linie-Stall, in dem wie schon erwähnt der Aerodynamik große Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dies scheint sich auszuzahlen.

Im Mittel liegen die Luftwiderstandsbeiwerte cw bei ca. 0,8. Damit ist man auf dem Stand von Automobilen der 1920er Jahre. Ob man je die Werte von heutigen Autos erreichen wird, erscheint fraglich, da schon die Grundform eines Gespanns (breit, hoch, relativ kurz) eine auserst ungunstige aerodynamische Voraussetzung darstellt. Deutliche Verbesserungen mussten dennoch im Bereich des Moglichen liegen. Sie sind auch dringend notwendig, wie eine genauere Analyse von Detailergebnissen zeigt.

BENZINVERBRAUCH

Wie auch aus der Praxis bekannt, sind für hohe Geschwindigkeiten hohe Leistungen erforderlich. Diese konnen nun aber genauer quantifiziert werden. Fur 120 km/h braucht z.B. das große BMW-K-LT Gespann rund 50 PS am Hinterrad, das erfordert etwa 58 PS am Motor. Auch bei modernen Motoren kann man in diesem Betriebsbereich mit einem Wirkungsgrad von hochstens 30% rechnen. Das entspricht einem spezifischen Verbrauch von 210 g/PSh. Damit mus das grosse Gespann bei einem Schnitt von echten 120 km/h aber 14 l/100 km verbrauchen! Bei der aerodynamisch gunstigeren BMW K RS mit Twister-Seitenwagen ist der entsprechende Verbrauch mit 11,6 l/100 km schon spürbar günstiger.

Überdeutlich stellt sich der mit steigender Geschwindigkeit stark steigende Leistungs- bedarf im Verbrauch dar. Bei nur 10 km/h niedrigerer Durchschnittsgeschwindigkeit (110 km/h) sinken die entsprechenden Verbrauchswerte auf 12,1 l/100 km bei der K-LT und 9,9 l/100 km bei der K-RS. Die manchmal berichteten Monsterverbrauche sind also durchaus glaubhaft.

GRENZE DER LEISTUNGSÜBERTRAGBARKEIT

Im Diagramm sind neben der ermittelten Fahrwiderstandskurve noch die in den sechs Gängen am Rad zur Verfugung stehenden Leistungen der Hayaruko aufgetragen:

Die Fahrwiderstandslinie schneidet sich mit dem Leistungsangebot bei 185 km/h. Dies ist die theoretische Höchstgeschwindigkeit des Gespannes bei Windstille in der Ebene. Nun hat man das Gespann aber schon mit Tacho 220 gesehen. Wie paßt das zusammen? Bei diesen 185 km/h zerren die 145 Pferde mit einer Längskraft von 2080 N (212 kg) am Hinterreifen.

Auf dem Hinterrad lastet eine Gewichtskraft von 2450 N (250 kg). Der Reifen hat also in diesem Zustand einen sogenannten Reibwert ƒÊ von 2080/2450 = 0,85. Die Linie des ƒÊ = 0,85 Wertes ist ebenfalls im Diagramm eingezeichnet. Bei diesem Reibwert hat der Reifen aber laut Kennlinie schon einen Schlupf von über 12%. Das Hinterrad dreht also bei diesen realen 185 km/h mit über 207 km/h!

Da das Tachosignal am Getriebe abgenommen wird, liegt also die genannte Tachoanzeige durchaus im Bereich des Möglichen. Unnötig zu erwähnen, das der Reifen das nicht lange mitmacht. Spinnen wir diese Geschichte aber mal weiter.

Fur echte 210 km/h wären 205 PS am Hinterrad notwendig. Die dazu notwendige Motorleistung von ca. 240 PS konnte möglicherweise schon in naher Zukunft verfügbar sein. Dann aber ware der Hinterreifen mit ƒÊ=1,05 belastet. Das ist jedoch das Alleräuserste, was ein Reifen unter optimalen Vorraussetzungen bringen kann. Wahrscheinlicher ist aber, das das Rad schlichtweg durchdreht.

Die Leistung kann nicht mehr ubertragen werden. Schnelle Gespanne haben ihre Grenzen erreicht. Die (wirkliche) 200-km/h-Grenze ist vermutlich noch von keinem Straßengespann geknackt worden. Wahrscheinlich wird diese Vermutung heise Diskussionen auslösen.

Es sind drei Möglichkeiten denkbar, um diese Grenzen weiter hinauszuschieben:

  • Deutliche Erhöhung des Gewichtes auf dem Antriebsrad. Eine höchst unerwünschte Lösung für das ohnehin schon nicht gerade leichte Gespann.
  • Permanenter Seitenwagenantrieb: Ist mit einem großen Zusatzaufwand verbunden, der die Getriebeverluste und das Gewicht erhöht und zusätzlichen Raum im Bootsbereich beansprucht.
  • Verminderung des Luftwiderstandes: die eleganteste Lösung.

Zusammenfassung

  • Die Luftwiderstandsbeiwerte der gemessenen Gespanne liegen im Bereich von cw=0,72…1,08 und sind damit absolut unzeitgemäß.
  • Häufig verbreitete niedrige Cockpitscheiben sind bei normaler Fahrerposition wirkungslos und können bei Rückwirbelbildung sogar nachteilig sein.
  • Freistehende Frontscheiben am Seitenwagen verursachen heftige Wirbel und verschlechtern die Aerodynamik deutlich. Sind sie zu weit vorne angebracht, ist auch die eigentliche Schutzwirkung fraglich.
  • Die häufig beobachteten sehr hohen Verbrauchswerte werden durch die schlechte Aerodynamik verursacht. Sie sind keineswegs unrealistisch.
  • Hochgeschwindigkeitsgespanne sind an der Grenze ihrer Leistungsübertragung angelangt. Eine weitere Steigerung der Geschwindigkeit wird bei konventionellen Konzepten nur durch eine Verbesserung der Aerodynamik möglich sein.

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Sicher Umsteigen

Vom Solomotorrad aufs Gespann – sicher Umsteigen. Ein Faltblatt für Gespann-Neulinge.

Gespann-Stichwortverzeichnis

„In welchem Heft der letzten 26 Jahre war nochmal der Bericht vom BMW-R-90-Gespann?“ oder „In welcher Ausgabe erschien der Beitrag über Bremskraftregler am Beiwagen?“

Das Gesamt-Stichwortverzeichnis macht die Suche zum Kinderspiel. (Gratis-Download) Alphabetisch geordnet von A wie „Abdeckplane“ bis Z wie „Zweitakt-Motorentuning 5500 Stichwörter auf rund 26 Seiten.

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(Letzte Überarbeitung: Juni 2016)


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MOTORRAD-GESPANNE 119

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Leitartikel

Die Neue Sachlichkeit?

Martin Franitza

Der „TÜV Nord Mobilität“ hatte den Herstellern in 2009 bei der Abnahme von Gespannen große Steine in den Weg gelegt. Dadurch schaffte der Technische Überwachungs- Verein regional massive Wettbewerbsunterschiede. Ein Großteil der im Bereich des TÜV Nord ansässigen Gespannbauer hatte darunter zu leiden.

Beim Händler-Branchentreffen im Juli 2009 wurde das Thema zwar diskutiert, aber sowohl unter den Mitgliedern des Herstellerverbandes BVHK, noch unter den teilnehmenden Nichtmitgliedern, konnte ein gemeinsames Vorgehen gegen die Abnahmeverweigerung erzielt werden. Daraufhin setzte sich die Firma Müller-Gespanne mit dem TÜV Nord in Verbindung und bat um ein klärendes Gespräch. Als Partner wurde Manfred Beck, Geschäftsführer der Firma Mobec, ins Boot geholt und die „Arbeitsgemeinschaft TÜV“ gegründet. Manfred Beck betonte uns gegenüber, dass er in dieser Angelegenheit nicht als BVHK-Mitglied, sondern nur in eigenem Firmeninteresse agiert. Müller-Gespanne und Mobec hatten schon als Initiatoren auch die leidige Abgasgeschichte Euro 3 vom Tisch bekommen.

Im Rahmen einer Informationsveranstaltung des BVHK im Winter letzten Jahres wurden die Ergebnisse des ersten Gesprächs mit dem TÜV Nord den Gespannherstellern mitgeteilt. Anfängliche Missverständnisse zwischen dem BVHK und der Firma Mobec wurden beseitigt und ein weiteres gemeinsames Vorgehen vereinbart. Wir berichteten in M-G 116.

Der TÜV Nord hat nun einen Richtlinien-Entwurf für Gespannbegutachtungen erarbeitet, der dem amtlich anerkannten Sachverständigen vor Ort als Hilfestellung dienen soll. Am 26. Juli 2010 wurde dieser Entwurf den Firmen Müller-Gespanne und Mobec vorgestellt. Ein weiteres Mitglied des BVHK, wie seinerzeit vereinbart, war leider nicht zugegen. Der TÜV Nord hat ausdrücklich darum gebeten, den Richtlinien-Entwurf vorerst nicht an Dritte weiterzuleiten, da eine Rechtsgültigkeit noch nicht gegeben sei.

MOTORRAD-GESPANNE liegt das Ergebnisprotokoll der Sitzung vom 26. Juli vor. Leider sagt es wenig über die Inhalte des Richtlinen-Entwurfes aus, nennt aber die erarbeiteten Zielstellungen.

Rechts- und Planungssicherheit für die Gespannbauer bezüglich der Umbauten und Begutachtungen, Gleichbehandlung und -bewertung, hohe Qualität und Verkehrssicherheit müssen erreicht werden. Keine Ausgrenzungen von privaten Gespanneigenbauten. Eigenbauten soll der amtlich anerkannte Sachverständige weiterhin auf Grund seines Sachverstandes abnehmen können.

Die professionellen Gespannbauer müssen danach die Dokumentation und Rückverfolgbarkeit aller vorschriftsund sicherheitsrelevanten Veränderungen sicherstellen. Manfred Beck von der Firma Mobec versicherte uns dazu telefonisch, dass die Möglichkeit einer freiwilligen Zertifi zierung oder Verifi zierung nach DIN ISO 9001 besteht, aber nicht als Pfl icht oder gar generell gefordert wird..

Da jedoch die Abnahme von einzeln hergestellten Teilen ohne vorliegendes Gutachten aus der Sicht des TÜV problematisch ist, soll durch ein sogenanntes Eigenzertifi kat die Betriebsfestigkeit nachgewiesen werden können. Angedacht ist in diesem Zusammenhang zum Beispiel ein branchenspezifi scher Qualitätsnachweis hinsichtlich Hersteller-Dokumentation des Gespannaufbaus und Rückverfolgbarkeit der Produkte.

Noch ist das Papier nicht abgesegnet, noch wird an mancher Formulierung gefeilt. Wenn die Aussagen so zutreffen, hätten die Hersteller und der TÜV eine verbindliche Grundlage an der Hand, anhand derer die Gespanne abgenommen werden. Im Besprechungsprotokoll steht weiterhin: „Herr C… als Obmann des VdTÜV-Fachausschusses wird den Leitfaden den anderen Technischen Prüfstellen vorstellen und vorschlagen, diesen nach ggf. weiteren Aktualisierungen als gemeinsame Arbeitsgrundlage zu verabschieden.“ Die Abnahmeprotokolle wären dann für die Hersteller verbindlich.

Laut Manfred Beck hat der TÜV Nord die vorgelegte Entwurfsfassung im Vorfeld sehr umfangreich und detailliert ausgearbeitet. Weiter erklärte Manfred Beck: „Ich denke, dass den Vertretern des TÜV Nord sehr an einer guten Lösung für die Gespannbranche gelegen ist. Nicht nur die gute Gesprächsatmosphäre, sondern auch der ausdrückliche Wunsch zur Zusammenarbeit hinsichtlich Fortbildungsseminaren von Sachverständigen beeindruckten mich.“

Viel zu viele Fragen bleiben in dieser Angelegenheit offen. Ich hätte mir eine demokratischere und vor allem öffentliche Diskussion aller Beteiligten gewünscht. Ich bin gespannt, wie letztlich die Richtlinie tatsächlich aussehen wird und hoffe, dass im Interesse von uns Gespannfahrern, aber auch der ganzen Händlerschaft, das Ergebnis alle zufrieden stellen wird und die Gespannvielfalt erhalten bleibt. MOTORRAD-GESPANNE wird weiter berichten.

Ihr

Martin Franitza


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Story

aus dem aktuellem Heft (Text- und Bildauszug)

Geliebte GS

Als zweites Modell der neuen Boxergeneration präsentierte BMW 1993 auf der IAA in Frankfurt die R 1100 GS. Nach anfänglichen Geburtswehen schrieb die große Enduro ein wichtiges Kapitel in der Gespanngeschichte und avancierte zu einem der am häufigsten umgebauten Motorradmodelle.

Nur wenige Gespannfahrer konnten sich in den ersten Jahren mit der schweren Enduro anfreunden. Ausschließlich Einzelstücke entstanden bei den Gespannhändlern. Die Schweizer Firma Armec adaptierte das ALS-Lenksystem und einen Tremola II an die GS. Otto Hermeling ging noch ungewöhnlichere Wege und spendierte dem Stollentier eine Achsschenkellenkung mit Originalvorderrad sowie dem fl achen Tornado-Beiwagen. Die holländische Firma EML griff ins Teileregal und verbaute vornehmlich geänderte BMW-R-1100-RS-Komponenten. Manfred Beck stellte unter Verwendung von EML-Teilen das erste Duo-Drive-Gespann mit Beiwagenantrieb auf drei Räder. Michael Schepsky von der Firma R.O.S. vertraute dem Telelever bei geänderter Nachlaufgeometrie, setzte aber, um vorzeitigem Reifenverschleiß vorzubeugen, ein PKWbereiftes Hinterrad in die GS. Und Peter Stern passte der GS einen 14-Zoll-EZS-Kit an..

Alle Umbauten hatten eines gemeinsam: Das lange hintere Federbein und das kleine Hinterrad hinterließen zwischen Rad und Schutzblech ein großes unakttraktives Loch. Waren die Hermeling-, Armec- und R.O.S.-GS-Gespanne an sich vom Anblick schon gewöhnungsbedürftig, so verstärkte der leere Raum zwischen Rad und Schutzblech diesen Eindruck. Natürlich war nur in Verbindung mit dem langen Federbein eine zur Enduro passende Bodenfreiheit zu realisieren. Unter dieser Voraussetzung beschritten die Konstrukteure sicherlich den richtigen Weg. Aber generell war die R1100 GS bei den Gespannherstellern in den ersten Jahren der Marktpräsenz keine attraktive Zugmaschine.

BMW R 90 Roadster MaxiWie man eine GS zu einem schmucken Straßengespann mutieren lassen kann, zeigte Stern im Winter 1997/98. Es entstand die sogenannte Nordkap-GS. Auf einem abenteuerlichen Wintertrip zum nördlichsten Punkt Kontinentaleuropas wurde der Prototyp getestet. Die Tauglichkeit für ungewöhnliche Einsätze konnte das Gespann unter Beweis stellen. Zudem zeigte sich, dass das Umbaukonzept für solche Reisen geeignet ist. Für extreme Einsätze gab es Alternativen von den Firmen HU oder Karl Schmid. Aber unbefestigte Straßen und leichte Geländeeinlagen schaffte die Stern-GS allemal.

Die Zutaten für die Nordkap-GS waren nicht ausgefallen. Das Heck wurde mittels eines Federbeines von der RS/RT abgesenkt und die Vorderradführung entsprechend angepasst. Breite Reifen unterstrichen das bullige Erscheinungsbild der GS. Wie ein Test in MOTORRAD-GESPANNE Nr. 46 zeigte, überzeugte diese Version mit hervorragenden Fahreigenschaften. Martin Franitza schrieb in dieser Ausgabe:

„Für mich ist die BMW GS die beste Vierventil- BMW-Zugmaschine. Meine Begründung sind die bequeme, langstreckentaugliche Sitzposition und das neutrale, jederzeit beherrschbare Fahrverhalten.“

Die Firma Stern hatte mit der Nordkap-GS Maßstäbe gesetzt. Die Nachfrage nach diesem Gespann war so groß, dass man fast von einer Serienfertigung sprechen konnte. Nun trat die bullige Reise-Enduro auch auf dem Gespannsektor ihren Siegeszug an.

BMW R 90 Roadster MaxiParallel dazu liefen bei Manfred Beck (Mobec) die Telefone heiß. Das zweite GS-Gespann, das den Härtetest „Nordkap im Winter“ durchgeführt hatte, stammte aus seiner Werkstatt. Auch der Beiwagenantrieb mit einer Viskosekupplung hatte seine Tauglichkeit eindrucksvoll bewiesen und trug dazu bei, dass die GS als Zugmaschine eine immer breitere Akzeptanz fand. Es entstanden Visco-Drive-Gespanne auf Basis der GS mit Armec- Tremola-II-Beiwagen und sogar mit dem nostalgischen Mobec-Zero-Boot. Über den Beiwagenantrieb stand in MOTORRAD-GESPANNE Nr. 42: „Das Duo-Drive ist …

<< Ende des Textauszuges >>


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Inhalt

| TITELSTORY

  • Reisefieber inklusive
    Die BMW GS gehört zu den top-ten der Gespannzugmaschinen. Ob hochbeinig, tiefer gelegt, im Offroadtrimm oder in einer ganz normalen Straßenversion, die Gespannhersteller haben für jeden Wunsch eine Lösung parat.

| Vorstellungen und Fahrberichte

  • Achsschenkellenkung für alle?
    Mittelklassegespanne mit Achsschenkellenkung? Walter Lefèvre beantwortet diese Frage mit „Ja“ und bietet eine preiswerte Version an.
  • Ein Beiwagen! Das ist es!
    Eine Triumph Thruxton mit Roadster Maxi ist für Gerhard Filius das Maß der Dinge. Wir ergänzen seine Erfahrungen mit einer Übersicht.
  • Kampfansage
    Eine Provokation für das Establishment mit einem einmaligen Honda-Gespann.
  • Hauptsache schwarz
    Nach diesem Motto wechselte auch das HU-Hayabusa-Gespann die Farbe, als es in den Besitz von Ulrich Koch kam.

| Technik, Tipps und Praxis

  • Spurrillenprophylaxe
    Ein Rollerreifen auf dem Vorderrad mindert die Spurrillenempfindlichkeit. Die Erfahrungen unserer Leser.
  • Inspektor Morris
    Ein interessantes Low-budget- Projekt: BMW R 65 mit Uralchassis und Roadster-Beiwagen. Erfahrungen und Überlegungen zum Radumbau.
  • Lagerkoller
    Das Redaktionsgespann Kawasaki VN 800 nervt weiterhin mit kleinen Defekten.
  • Ein ganz besonderer Eigenbau
    Ein Behinderten-Gespann in Argentinien.
  • Total Plemplem!
    Mit dem Eigenbau auf die Rennstrecke. Hans-Rainer Huth hält in die Q-Rennklasse die Fahne für Moto Guzzi hoch.
  • Zuerst war Gespannfahren nur peinlich!
    Doch dann änderte Sven Clausen seine Einstellung und baute sich ein wunderschönes Yamaha XS 400-Gespann.

| Magazin

  • Traumgespann
    Das Traumgespann für Knut Schmidt ist eine Triumphrocket mit Armec-Fahrwerk und Ruko-F1-Beiwagen.

| Unterwegs

  • Meine Insel
    Jeder Mensch braucht seine Insel. Heidi Franitza fand ihre Insel vor der Küste Tunesiens.

| Standards


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MOTORRAD-GESPANNE 118

Titelbild der MOTORRAD-GESPANNE 118

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Leitartikel

Weg mit der Spassbremse

Martin Franitza

Die Kurve naht. Sie zerren kräftig am Lenker. Obwohl Sie sich schon eine Fahrweise nach alter Väter Sitte angeeignet haben – also in Rechtskurven Gas geben und Linkskurven anbremsen –, sind die Lenkkräfte enorm. Bei Cruiser-Motorrädern mit Telegabel und ohne Nachlaufverkürzung ist das vielleicht noch akzeptabel. Nicht akzeptabel ist das bei Gespannen mit geschobener Schwinge oder Achsschenkellenkung als Vorderradführung. Und dennoch wird dieser Umstand manchmal als gegeben hingenommen.

Der Begriff „leichtgängig“ ist natürlich subjektiv. Eine Zwei-Fingerspitzen-Lenkung ist für den einen leichtgängig, für den anderen hypersensibel. Der nächste ist von einer schweren Telegabellenkung begeistert, mit der ein vierter keinen Meter fahren würde.

Interessant in diesem Zusammenhang ist jedoch die Tatsache, dass wir in den letzten Monaten vermehrt Zuschriften zu den Themen „schwergängige Lenkung“ und „Reduzierung der Lenkkräfte“ bekommen haben. Ob die Ursache darin begründet ist, dass das Durchschnittsalter der Gespannfahrer steigt oder sie sich mit armreißerischen Lenkkräften nicht mehr abfinden wollen, lassen wir dahin gestellt. Doch ein Punkt wird bei den Zuschriften und Anfragen deutlich: Hohe Lenkungskräfte sind eine Spaßbremse!

Die Vorstellungen des Gespannherstellers und seine Beurteilung der Lenkkräfte sind nicht das Maß der Dinge. Bestehen Sie beim Gespannkauf auf Ihre Vorstellung einer leichten Lenkung! Beeinträchtigt sie den Spaß und die Freude beim Fahren, hat der Gespannbauer versagt. Sicherheitsrelevant werden zu hohe Lenkkräfte, wenn in Grenzsituationen nicht mehr blitzschnell gegengelenkt werden kann.

Leichtgängig ist eine Lenkung, mit der Sie zurecht kommen und Gespannfahren ohne schmerzhafte Schulterverspannungen genießen. Leichtgängig ist eine Lenkung, mit der Sie in Grenzsituationen auch noch gegenlenken können und nicht durch eine unzureichende Fahrwerksgeometrie in eine ungewollte Richtung geschoben werden.

Das Gespann der Titelstory in dieser Ausgabe verfügt über eine leichtgängige Lenkung. Diese Beurteilung wurde von drei Personen unabhängig voneinander bestätigt. Eine Ursache dafür ist sicherlich der Motorradreifen auf dem Vorderrad. Ein anderer Grund ist die Tatsache, dass der Nachlauf für die Vorderradschwinge exakt ermittelt wurde. Bisweilen kann auch ein zu großer Radvorlauf am Beiwagen hohe Lenkkräfte bewirken.

Auch Motorradrahmen haben Toleranzen. Auf die technischen Angaben der Motorradhersteller darf man sich daher nicht unbedingt verlassen. Die Messung des Nachlaufs an einem Motorrad sind eine zeitintensive Arbeit. Sie ist jedoch die Voraussetzung um die Vorderradführung des Gespannes optimal auszulegen. Manche Fahrzeuge nähren den Verdacht, dass aus Zeitgründen irgendwelche Komponenten zusammen gebraten werden in der Hoffnung, dass alles wie gewünscht funktioniert.

Hohe Lenkungskräfte müssen nicht sein.
Solche Spaßbremsen brauchen wir nicht!

Nun zu einem höchst erfreulichen Thema: Ich lade Sie ganz herzlich am letzten August- Wochenende zum Euro-Gespann-Treffen in Weiswampach in Luxemburg ein. Eine Vorschau finden Sie in dieser Ausgabe auf Seite 33. Dort haben wir die wichtigen Punkte für Sie zusammengefasst. Ich freue mich schon auf das E-G-T und hoffe, Sie zu dem Gespannereignis des Jahres begrüßen zu dürfen.

Bis zum Euro-Gespann-Treffen wünsche ich viele sonnige Kilometer!

Ihr

Martin Franitza


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Titelstory

aus dem aktuellem Heft (Text- und Bildauszug)

Klassisch kombiniert

Sanft gleitet das Gespann über die Straße. Der Pilotensitz ist ein bequemes Ruhekissen, die Lenkung leicht wie ein Joystick. Wälder und Wiesen ziehen vorbei wie in einem Panorama-Kino. Das Motorengeräusch ist mehr eine Vermutung, ein Säuseln im Wind. Ist das die Zukunft? Gespannfahren wie im Cyberspace? Was bietet das futuristische Honda-DN-01-Gespann der Firma Öttl dem Fahrer in der wahren Welt?
Wo ist der Schalthebel? Wenigstens findet mein rechter Fuß noch einen Bremshebel. Ich bin beruhigt. So kann ich das Raumschiff von Hypergeschwindigkeit wenigstens wieder abbremsen. Raumschiff? Ja, die Honda DN-01 könnte auch einem Science-Fiction-Film entsprungen sein.

Vorurteile wie „ist doch nur ein Roller“ oder „Automatik, das ist was für alte Leute“ entschwinden meinen Gedanken. Meine Neugier siegt. Der Arbeitsplatz strahlt Bequemlichkeit aus. Der Eindruck wird von der ersten Sitzprobe bestätigt. Mein Blick wandert auf ein großzügiges digitales Display. Beim Einschalten prüft der Bordcomputer die Funktionen des Motorrades. Digitalbalken und Zahlen flimmern über das Anzeige, und unzählige Lampen blinken. Raumschiff Orion?

BMW R 90 Roadster MaxiWährend mein Daumen zum Starterknopf wandert, suchen meine Finger reflexartig die Kupplung. Und ich spüre einen Bremshebel. Eine Kupplung gibt es nicht. Das Honda-Gespann besitzt ein Automatikgetriebe, ein sogenanntes HFT – „Human Friendly Transmission“, eine menschenfreundliche Übersetzung. Diese Wortschöpfung ist wohl eine Kreation der Werbestrategen. Deren Bedeutung bleibt mir fremd. Denn was wäre denn das Gegenteil, eine menschenfeindliche Übersetzung? Oder sind alle Schaltgetriebe nun menschenfeindlich?

Genug sinniert. Gas geben, losfahren, genießen, wohlfühlen. Die holprige Straße verbindet kleine Gemeinden. Es herrscht kein Verkehr. Zuständig für den Vorwärtstrieb ist ein schlanker V-2-Motor mit 680 cm³ Hubraum und einem steilen Zylinderwinkel von 52 Grad. Bei dem Aggregat handelt es sich um denselben Motor, der auch die Honda-Modelle Deauville und Transalp antreibt. Im Prospekt steht: „So produziert jeder Dreh am Gasgriff einen spontanen Beschleunigungsschub mit hohem Fahrspaßpotenzial.“

BMW R 90 Roadster MaxiDen spontanen Beschleunigungsschub kann ich nicht bestätigen. Es scheint ein kurzer Augenblick zu verstreichen, bis der Gasbefehl über die Verstellung der Hydraulikmotoren tatsächlich in Schub umgesetzt wird. Aber daran gewöhnt man sich schnell.

Mit zunehmender Geschwindigkeit verliert sich das Motorengeräusch. Bald höre ich nur noch den Fahrtwind rauschen. Man hat das Gefühl, wie ein Vogel durch die Lüfte zu segeln. Unterstützt wird der Eindruck durch die komfortable Federungsabstimmung. Ob das originale Heckfederbein für eine Urlaubsfahrt mit viel Gepäck geeignet ist, glaube ich allerdings nicht. Es ist bereits jetzt bis zum Anschlag vorgespannt. Diese Überlegung kann meine Fahrfreude jedoch …

<< Ende des Textauszuges >>

Was uns gefiel Was uns nicht gefiel
+ Fahrverhalten
+ Bremsleistung
+ Bequemes cruisen
– Beiwagen für das Design der Honda zu bieder
– Flache Motorradscheibe
– Federbein hinten zu weich

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Inhalt

| TITELSTORY

  • Traumschiff Orion
    Die Landstraße, endlose Weiten. Wir schreiben das Jahr 2010. Dies ist das Abenteuer einer zwei Mann starken Besatzung auf der Suche nach neuen Erkenntnissen über die Bequemlichkeit beim Gespannfahren.

| Vorstellungen und Fahrberichte

  • V-Twin-Blues
    Ein Gespann, als wäre es im Designbüro eines Motorradherstellers entstanden. Dennoch stammen Motorrad und Beiwagen aus zwei Erdteilen. Passt die Kombination?.
  • Sekt oder Selters
    Über eineinhalb Jahre trauerte Elke ihrem Gespann nach. Zu Weihnachten war die Überraschung perfekt. Ihr Gespannfahrerleben hatte wieder einen Sinn. Eine wahre Geschichte.

| Technik, Tipps und Praxis

  • Traumfängereine Idee, ein Zweiventil-Boxer und ein Beiwagen. Andreas Porz hat seinen Traum eingefangen und sich ein wunderschönes Gespann mit interessanten Details aufgebaut.
  • Bremsverstärkung
    ein Guzzi-Gespann aus dem Jahre 1989 wird mit besseren Bremsen aufgemöbelt. Hansgeorg Henle beschreibt detailliert seinen Umbau unter dem Motto: Die schwäbische Lösung.
  • Hinterrad an Hintern: Ich Dreh durch, Teil 2
    Hochaktuell: Unruhiges Fahrverhalten bei hohen Geschwindigkeiten. Reiner Nikulski auf Ursachenforschung.
  • Ein Beiwagen für Tamara
    Diese Solomaschine und dieser Beiwagen von Ural paßten ursprünglich nicht zusammen. Aber sie wurden passend gemacht. Und Tamara kann endlich bei Papa mitfahren.

| Magazin

  • Die Alternative hat ein drittes Rad
    Argumente pro Gespann für Solisten.
  • Kirschblütenzeit
    Oder vielleicht besser: Tollkirschblütenzeit. Eine Glosse von Hans Hohmann.
  • Internet-Betrug
    Wenn aus dem vermeintlichen Schnäppchen ein Alptraum wird.
  • Versicherungspoker, Runde 2
    Neue Erkenntnisse zum Thema Kaskoversicherungsschutz für Gespanne.

| Unterwegs

  • Bunker-Tour
    Dunkle Gänge, muffiger Geruch, eine bedrückende Umgebung. Eine Gespanntour der besonderen Art führte Rudolf Stumberger mit seinem MZ-Gespann unter die Erde.

| Standards


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