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Nachlauf

Der Vorderradnachlauf bei Krafträdern mit Beiwagen

Eine der wichtigsten Einflussgrößen auf die Fahrfreude beim Gespann ist der Nachlauf.
Vorallen anderen Einflußgrößen ist er dafür verantwortlich, mit wie viel Kraft der Gespannfahrer am Lenker arbeiten muss.
In diesem Beitrag klären wir, welche Möglichkeiten es gibt, den Nachlauf zu verändern und wie er ermittelt wird.

Was ist Nachlauf?

Als Nachlauf wird definiert der Abstand zwischen dem Schnittpunkt der verlängerten Steuerkopfachse mit der Fahrbahn und dem Lot von der Vorderradachse zum Zentrum der Reifenaufstandsfläche.

Das Rad läuft also der nach unten verlängerten Lenkachse nach. Beim nächsten Einkauf sollten Sie mal den Einkaufswagen schieben und den Nachlauf in der Praxis studieren: Die Räder stellen sich auf die eingeschlagene Richtung ein.

Beim Gespann sind gegenüber der Solomaschine niedrigere Nachlaufwerte unverzichtbar. Nur so ist ein akzeptables Lenkverhalten zu erzielen.

  • Vereinfacht lässt sich sagen: Umso geringer der Nachlauf, umso geringer sind die Lenkkräfte.

Der Gespannmarkt bietet mittlerweile alle erdenklichen Alternativen, die Front für den Gespannbetrieb umzurüsten. Eine herkömmliche Telegabel kann auch bei verkürztem Nachlauf kaum Querkräfte aufnehmen und verwindet sich bei Kurvenfahrt. Im Extremfall können die Verwindungen die Gabelfederung lahm legen.

Kleine Vorderräder

Kleine Räder - Mobec
Die einfachste Möglichkeit, geringeren Nachlauf zu erhalten, ist die Montage eines Vorderrades mit kleinerem Durchmesser. Diese Alternative bleibt nur wenigen Modellen mit 19- oder 21-Zoll-Vorderrädern. Hierzu gehören die Harley-Davidson- Sportster, FXR und FXD sowie Softail Custom und Softail Springer sowie Zweiventil- BMW GS.

Bei der Montage eines 16- Zöllers verkürzt sich der Nachlauf um bescheidene acht oder zehn Millimeter. Auch durch die Montage eines 15-Zoll-Rades in die Vorderradführung zum Beispiel bei einer Moto Guzzi ändert sich der Nachlauf nur unwesentlich.

Gabelbrücken

Lange Zeit gab es nur W-Tec/EML in Holland, die andere Gabelbrücken anboten. Damit reduzierten die Holländer den Nachlauf bei Harley-Davidson-Gespannen auf akzeptable Werte.

Heigl-KonstruktionBei Gabelbrücken mit verändertem Seriennachlauf ist darauf zu achten, dass die Verwendung der vorhandenen Telegabel mit den serienmäßigen Standrohren noch möglich ist. Das Problem, das bei einem geradlinigen Versatz der Standrohraufnahmen nach vorn auftritt, darf nicht zur Seite geschoben werden. Da Gabelbrücken überwiegend im rechten Winkel zur Steuerkopfachse angebracht sind, ändert sich bei vorgesetzter Aufnahme der Standrohre auch der Abstand zur Radaufstandsfläche bzw. die Fahrzeugfront senkt sich bei Verwendung der Standrohre mit Originallänge.

Im ungünstigsten Fall schrappt nun der Rahmen beim Bremsen (Gabel taucht ein) über den Asphalt. Solche Gabelbrücken sollten besser beim Anbieter im Regal verstauben, da als Gegenmaßnahme nur die Montage längerer Standrohre zu empfehlen ist, was sich jedoch wieder negativ auf die Stabilität auswirkt.

Fritz Heigl hat erst 2005 eine Konstruktion aufleben lassen, die bereits Ed Pols von der ehemaligen Gespannfirma Moturist realisiert hatte. Er setzt die Serientelegabel mit zwei Aluminiumadaptern nach vorn und verkürzt somit den Nachlauf.

Ein Sonderfall ist der Telelever von BMW. Hier lässt sich der Nachlauf sehr einfach mit einer anderen Platte für die Kugelkopfaufnahme des Telelevers verkürzen. Die Firma Triptec bietet das für Ihre Umbauten an, ebenso Dedome, Sauer und Stern.

SchwabelSchwabbel von Carell

Die Telegabelschwinge („Schwabel“) ist eine einfache Lösung, die sich insbesondere für Motorräder bis zur mittleren Hubraumklasse anbietet.

Ein Schwingenbügel wird in der Achsaufnahme der Telegabel befestigt und mit Zugstreben an der Gabelbrücke abgestützt. Die Achsaufnahme des Vorderrades wandert nach vorn.Beibehalten werden die Federungseigenschaften der Telegabel.

Diese Lösung ist an einigen MZ-Gespannen zu finden. Auch Gunnar Carell baute vor einigen Jahren eine Konstruktion für ein Suzuki-Marauder-Gespann. Da die Schwabel kaum billiger als eine Vorderradschwinge ist, hat sie sich letztlich nicht durchsetzen können.

Vorderradschwinge

VorderradschwingeEin gespanntechnisch guter Kompromiss von Preis, Nutzen und Optik ist die Vorderradschwinge. Die Gespannhersteller sind in der Lage, sie für jedes Motorradmodell herzustellen. Eine Einarmschwinge ist dabei nur eine konstruktive Sonderanfertigung.

Auch die Zentralfederbeinschwinge der Firma Walter ist unter diesem Aspekt zu betrachten. Sie unterscheidet sich durch die Lage des Federbeines.

Achsschenkellenkung

RadnabenlenkungDie Achsschenkellenkung an einem Gespann hat die meisten gespannspezifi schen Vorteile aufzuweisen. Lenkung und Federung sind voneinander getrennt. Konstruktionsbedingt werden Querkräfte nicht in den Steuerkopf des Motorrades eingeleitet, und es können Serienteile aus dem Automobilbau verwendet werden. Nachteile sind der höhere Preis und der meist größere Wendekreis des Fahrzeugs.

Radnabenlenkung

RadnabenlenkungHans-Gerd Reichler stellte Mitte der 90er Jahre die Radnabenlenkung vor. Vorteil dieser Konstruktion ist wie bei der Achsschenkellenkung, dass Federung und Lenkung voneinander getrennt sind. Der Radstand kann problemlos verlängert werden.

Der hohe konstruktive Aufwand ist jedoch ein Nachteil, der die Radnabenlenkung wieder ins Abseits schob. Auch der große Wendekreis auf Grund des im Vergleich zu anderen Konstruktionen geringen Lenkwinkels zählt zu den Nachteilen. Unter diesem Aspekt muss auch die Halbnabenlenkung betrachtet werden, wie sie von EML schon seit Jahren gebaut wird.

Fazit

Egal, um welches Motorrad es sich handelt, es gibt für alle Modelle Lösungen zur Nachlaufverkürzung. Je nach eigenem Anspruch bieten sich vom kostengünstigen Umbau bis zur High-tech-Radführung verschiedene Möglichkeiten an.
Allen gemeinsam ist das Ziel, dem Gespannfahrer mit weniger Nachlauf das Lenken zu erleichtern und damit eine bessere Kontrolle über das Fahrzeug zu bieten.

So wird der Nachlauf ermittelt

Eine ausreichende Ermittlung ist möglich mit einem Winkelmesser und einem Lot. Wie aus der Zeichnung zu ersehen ist, misst man den Steuerkopfwinkel ƒ¿, die Steuerkopfhohe h sowie den Abstand zwischen Steuerkopflot und Lot zur Radachse C.
Mit einem Taschenrechner lasst sich dann der Nachlaufwert N nach folgender Formel ermitteln. N = (cot ƒ¿ x h) . C