| Seit es Motorräder mit
Seitenwagen gibt, hat diese Fahrzeuggattung, stärker als jede andere, bei seinen
Eigentümern den Drang nach Individualisierung beflügelt. Besonders
nachdem das Gespann ab Werk aus den Katalogen der Motorradhersteller verschwunden
ist, erregen die unterschiedlichsten Umbauten und Eigenkonstruktionen die Aufmerksamkeit
der Betrachter. Die spannende
Frage ist dann immer: Hält's oder hält's nicht? Wir möchten hier am Beispiel einer
Vorderradschwinge zeigen, wie diese Frage bereits vor der möglicherweise schmerzlichen
Erfahrung geklärt werden kann. Alles Gute kommt
von oben - diese alte Weisheit stimmt beim Gespannfahren nicht. Denn der Grund,
warum wir mit dem Gespann überhaupt fahren können, liegt, wie bei allen Straßenfahrzeugen,
unten - in der Bodenhaftung. So müssen alle für die Navigation des Gespannes notwendigen
Kräfte (Beschleunigungs-, Brems- und Seitenführungskräfte) über die handtellergroßen
Reifenaufstandsflächen übertragen werden. Dies bedeutet, dass alle Kräfte
in den Bauteilen unseres Fahrzeugs durch die Kräfte in den Radaufstandspunkten
bestimmt werden, denn mit diesen müssen sie nach den gesetzen der Physik ein Kräftegleichgewicht
bilden. Die Kräfte in den Radaufstandspunkten sind
also die Schlüssel zur Berechnung der Bauteilbelastung und müssen als erstes ermittelt
werden. Grundsätzlich werden durch den Reifen folgende Kräfte übertragen:
-
die
Hoch- oder Normalkraft N, auch Radlast genannt -
die
Längskraft L, (Bremskraft +L oder Antriebskraft -L) -
die Seitenkraft +S oder -S |
|
Was beim stehenden Fahrzeug noch recht übersichtlich
ist, wird im Fahrbetrieb doch noch etwas komplizierter. Denn durch die Federung
von Aufbau und Reifen werden Radlastschwankungen DN hervorgerufen, die sich der
statischen Radlast N überlagern, so dass sich eine resultierende Radlast N' ergibt: 
Für
die Größe der maximalen Radlast gibt es ausreichend Erfahrungen in
Form von Stoßfaktoren K,
die direkt abhängig von der Reifenfederkonstante sind. Damit ergibt sich
N´ zu 
Bei
der Hochkraft liegt also eine schwellende Belastung um den Mittelwert der statischen
Radlast N vor. Etwas anders verhalt
es sich bei der Seitenkraft S. Bei einer idealen ungestörten Geradeausfahrt
wurden keine Seitenkräfte auftreten (bei Vernachlässigung der asymmetrischen
Gespanngeometrie), im realen Fall fuhren aber Strasenunebenheiten immer zu Seitenkräften
im Radaufstandspunkt, die mit dem Seitenformschlußfaktor aus
Radlast ermittelt werden: 
Da
die Unebenheiten unregelmäßig und beidseitig der Radmitte auftreten, erzeugen
sie auch bei Geradeausfahrt Kräfte in wechselnden Richtungen. 
Es
liegt bei der Seitenkraft also eine Wechselbelastung um die Nullage vor.
Als Längskräfte L sind die
maximal vom Reifen übertragbaren Kräfte anzusehen, die sich aus dem
Reibungsbeiwert
und der momentanen Radlast N' ergeben, 
wobei
der Wert N' hier auch die dynamische Radlastverlagerung durch den Brems- oder
Beschleunigungsvorgang beinhalten muss. Zeit-
und Dauerfestigkeit - die Lastfälle Bevor
wir nun endlich zur Ermittlung der Zahlenwerte für die Radaufstandskräfte kommen,
müssen wir noch festlegen, für welche Fahrbedingungen die Kräfte ermittelt werden
sollen. Dazu wird die Überlegung zugrunde gelegt, daß einerseits absolut keine
Fahrsituation zu einem Gewaltbruch an einem Bauteil führen darf ("Zeitfestigkeit")
andererseits auch bei normalem, nicht extremen Betrieb auch kein Dauerbruch durch
Materialermüdung hervorgerufen werden sollte ("Dauerfestigkeit"). Die
Sicherstellung der Bauteilfestigkeit muss also mehrere Lastfälle abdecken: Dauerfestigkeit
- Lastfall D Es wird eine mittelgute Straße und eine Beladung mit 2 Personen
und Gepäck angenommen. Die Belastungsgrenzen werden anhand von Dauerfestigkeitsdiagrammen
ermittelt. Zeitfestigkeit
Es werden verschiedene realistische Extremzustände bei zulässigem Gesamtgewicht
berechnet. Die zulässigen Materialbelastungen orientieren sich an der Streckgrenze
des Baumaterials. Lastfall Z1
- Überfahren einer starken Bodenwelle (z.B. Bahnübergang) Lastfall Z2
- Befahren einer Schlaglochstrecke Lastfall Z3 - maximale Abbremsung
Lastfall Z4 - Durchfahren einer Rechtskurve Als Beispiel wollen wir
ein Gespann mit folgenden Daten betrachten: Leergewicht:
350 kg zul. Gesamtgewicht: 700 kg Radstand : lr=1500 mm Spurweite:
ls=1200 mm Schwerpunktskoordinaten: X= 800 mm (Rücklage von Mitte Vorderrad)
Y= 250 mm (Abstand zur Maschinenachse) Z= 500 mm (Höhe über der Fahrbahn) Für
dieses Gespann sollen nun Radaufstandskräfte am Vorderrad ermittelt werden. Lastfall
D - Dauerfestigkeit Mit Hilfe der Schwerpunktskoordinaten
wird zunächst die Radlast N des Vorderrades bestimmt, wobei die Fahrzeugmasse
mit 560 kg (+2 Personen und Gepäck) angenommen und auch die dadurch entstandene
Verschiebung des Schwerpunktes berücksichtigt wird. Hierbei ergibt sich eine Radlast
von ca 30% des Fahrzeuggewichtes (auf die Herleitung soll hier verzichtet werden),
d.h. 
Für
die Bewertung der Dauerfestigkeit ist nun nicht nur die maximale Kraft wichtig,
sondern auch die minimale. Wir müssen also ermitteln, zwischen welchen Werten
die Kräfte "schwingen". Wir definieren
deshalb maximalen (oberen) Kraftwert als 
Zur
Berechnung der Radlastschwankung
nach Gleichung (2) und (3) wird aus entsprechender Fachliteratur (z.B. J. Reimpell,
Fahrwerkstechnik) der Stoßfaktor k für den verwendeten Reifen (Größe
und Luftdruck bestimmen die Reifenfederkonstante) herausgesucht. In unserem Beispiel
wird K=1,48 ermittelt. Damit
ergibt sich für den Radaufstandspunkt 
Für
die Belastung der Radführungsbauteile (z.B. Schwinge) muss von der Radlast allerdings
noch das Gewicht der ungefederten Massen (Räder, Bremsen, etc.) abgezogen werden,
da sie nicht über diese Bauteile abgestützt werden. Mit einem Anteil der ungefederten
Massen von mu = 15 kg ergibt sich für die Schwinge 
In
der oben erwähnten Literatur findet man auch Angaben über Seitenformschlussfaktor
ƒÊF in Abhängigkeit von der Radlast, der nach der Gleichung (4) zu den Seitenkräften
in der Radaufstandsfläche fuhrt. Für unseren Fall entnehmen wir einen
Wert von =0,35,
was Seitenkräfte von 
ergibt. Lastfall
Z1 - Bahnübergang Wir rechnen nun mit dem zulässigen Gesamtgewicht von
700 kg und erhalten eine Radlast des Vorderrades entsprechend Gleichung (6) von 
Da
bei den Lastfallen Z1 bis Z4 der Gewaltbruch untersucht wird, muss nur die jeweilige
Maximalkraft für die Hoch- bzw. Seitenkraft ermittelt werden. Natürlich
gelten hier wesentlich höhere Beiwerte für k und ƒÊF, wobei davon ausgegangen
werden darf, dass die Maximalwerte von Hoch- und Seitenkraft nie gleichzeitig
auftreten. Beim Überfahren des Bahnübergangs setzen wir deshalb den
Stoßfaktor k mit 2,8 an, wahrend ƒÊF den Wert von 0,35 behalt. Es ergeben
sich damit nach Gleichung (9): 
Lastfall
Z2 - Schlaglochstrecke Bei der Schlaglochstrecke werden nun die Seitenkräfte
maximal angesetzt, während die Hochkräfte als Durchschnittswerte betrachtet werden
dürfen. Unsere Beiwerte betragen deshalb: 
Lastfall
Z3 - maximale Abbremsung Der Lastfall "maximale Abbremsung" wirkt sich
besonders am Vorderrad aus, da durch die dynamische Radlastverlagerung die Hochkraft
deutlich ansteigt und darüber hinaus die Bremskraft als Längskraft L
auf das Vorderrad wirkt. Eine überschlägige Berechnung ergibt eine Radlast
von 5600 N bei einer Abbremsung von 9 m/s2, die mit modernen Reifen durchaus erreicht
werden können. Unter Berücksichtigung der "Durchschnittsbeiwerte" K=1,48
und =0,35
erhalten wir: 
Aus
dem Bericht über die Fahrdynamik wissen wir, dass bei der Kurvenfahrt zwei unterschiedliche
Grenzzustände auftreten können. Je nach Schwerpunktlage und Reibwert kann entweder
das Kippen oder das Rutschen der Kurvenfahrt ein Ende bereiten. Wir wollen uns
hier auf einen Fall beschränken und beispielhaft den Grenzfall Kippen beleuchten.
Die Kippgrenze ist genau dann erreicht, wenn die Radlast des Seitenrades den Wert
Null erreicht, das heißt, das ganze Gewicht des voll beladenen Gespanns lastet
auf den Rädern der Zugmaschine. Der
Anteil des Vorderrades ergibt sich dann allein aus der Lage des Schwerpunktes
in Fahrzeuglängsrichtung, wobei der Einfluss von Besatzung und Gepäck mit zu berücksichtigen
ist. Die Radlast N ergibt sich zu 
Die
anzusetzende Seitenkraft setzt sich für diesen Lastfall aus der Seitenkraft durch
die Kurvenfahrt SK und der bereits bekannte Kraft S durch die Straßenunebenheiten
zusammen. SK erhält man im Grenzfall "Kippen" wieder über die Schwerpunktskoordinaten,
diesmal in Hoch- und Querrichtung. Der Einfluß der Beladung wird mit Y'=Y+ 100
mm und Z'=Z+ 200 mm eingerechnet. (siehe Bild 3) 
Bernhard Götz Verlag (c) 1988-2010

Der
erste Schritt ist also getan. Wir kennen die eingeleiteten Kräfte für die wichtigsten
Fahrzustände. Jetzt wollen wir uns ausführlich mit den daraus resultierenden Bauteilbelastungen
befassen. Gedankliches
Zersägen - von inneren und äußeren Kräften Was
sich in der Radaufstandsfläche abspielt, haben wir uns im ersten Teil ausführlich
angesehen. Doch wie geht es jetzt weiter, welche Belastungen werden in der Schwinge
hervorgerufen? Unserem Beispielgespann bauen wir gedanklich eine Einarmschwinge
ein, denn die eignet sich am besten zur Darstellung aller Auswirkungen. Auf der
folgenden vereinfachten Skizze werden die einzelnen Kräfte dargestellt: 
Die Normalkraft N wirkt, vermindert um das
Gewicht der ungefederten Massen, über die Radachse als N'' auf die Schwinge. Als
Reaktion darauf wirken die Abstützkraft des Federbeins FF
und die Lagerkraft FL der Schwingenlagerung. Während FF
nur in Richtung des Federbeins wirken kann, können sich in der Lagerstelle Reaktionskräfte
in horizontaler und vertikaler Richtung entsprechend den Gleichgewichtsbedingungen
frei ausbilden. Zur Vereinfachung werden wir im weiteren die Federbeinkraft als
senkrecht auf der Schwinge stehend annehmen, und die horizontale Komponente durch
das Federbein vernachlässigen. Die Kräfte
allein würden unsere Schwinge noch nicht übermäßig beanspruchen, was ihr richtig
zusetzt, sind die Auswirkungen in Form von Biege- und Verdrehmomenten (Torsionsmomente).
So ruft die Normalkraft N'' nicht nur ein Biegemoment durch das Zusammenwirken
mit der Feder- und Lagerkraft hervor, sondern mit dem Hebelarm "a" auch ein Torsionsmoment,
das die Schwinge verdrehen will. Je nach Richtung der Seitenkraft S wird dieses
Moment durch ein zusätzliches Torsionsmoment aus der Seitenkraft mit dem Hebelarm
des dynamischen Radhalbmessers rdyn verstärkt oder abgeschwächt. 
Aber auch die Seitenkraft hat eine zweite Auswirkung, sie bewirkt ein Biegemoment
um die Hochachse (Bild "von oben"), das die Schwinge zusätzlich belastet. Um
die Summe der Bauteilbelastungen ermitteln zu können, sehen wir uns nun die Verteilung
der inneren Kräfte und Momente über die Schwinge an. Vertikale
Querkraft QV: Die Verteilung der inneren vertikalen Querkraft ergibt sich
aus den Hebelverhältnissen der Schwinge und der eingeleiteten Kraft N''. Über
die Hebelverhältnisse ergibt sich die Größe der Abstützkräfte FF und FL.
(14) FF=N''*lS/(lS-lF) und (15) FF=FF-N'' Damit
ist die innere vertikale Querkraft im Abschnitt 1 (Achse bis Federbein) gleich
der eingeleiteten Kraft N''. Im Einleitpunkt der Federbeinstützkraft reduziert
sie sich um den Betrag von FF und wird damit im Abschnitt 2 zu QV=N''-FF=-FL und
wechselt ihr Vorzeichen. Horizontale
Querkraft QH: Die innere horizontale Querkraft wird bis zur Lagerstelle
nicht weiter abgestützt und hat damit über die gesamte Schwingenlänge den Betrag
der eingeleiteten Seitenkraft S. Da S aber eine Kraft mit wechselnder Richtung
ist, hat auch die horizontale Querkraft wechselnde Vorzeichen. +/–QH=+/–S.
Biegemoment um die Querachse (Y):
Das innere Biegemoment erhält man durch gedankliches Absägen eines Schwingenabschnittes
("Freischneiden"). Die von außen angreifende Kraft N'' für das abgesägte Bauteil
muss in einem Gleichgewichtszustand mit den inneren Kraftwirkungen stehen. Man
sieht sofort, dass die Querkraft allein dies nicht leisten kann, es muss ein inneres
Biegemoment MB dem Kräftepaar aus N'' und QV
entgegenwirken mit dem Betrag N''*X, wobei X hier der Abstand unseres gedanklichen
Sägeschnitts von der Vorderachse ist. Man kommt zu dem in Bild 2 gezeigten Momentenverlauf
und erkennt, dass das höchste Biegemoment an der Federbeinaufnahme mit dem Wert
MBY=N''*lF vorgefunden wird. Biegemoment
um die Hochachse (Z): Mit dem gleichen Gedankenspiel ermitteln wir das
Biegemoment um die Z-Achse, das durch die Seitenkraft hervorgerufen wird. Dieses
Moment ist an der Lagerstelle maximal mit dem Betrag MBZ=S*lS.
Im Unterschied zum Moment um Y handelt es sich hier um ein Wechselmoment um den
Betrag 0, da ja auch die Seitenkraft eine Wechselkraft ist. Torsionsmoment
N''*a: Der Versatz des Schwingenholms zur Radmitte um den Betrag "a"
bewirkt in der Schwinge ein Torsionsmoment der Größe MTN=N''*a,
welches über die Länge des Schwingenholmes konstant ist. Es hat die selbe Wirkung
wie das Torsionsmoment S*rdyn,
das über die Seitenkraft mit dem dynamischen Reifenradius auf die Schwinge wirkt.
Aber genau wie die Seitenkraft selbst ist es eine Wechselgröße um die Nullage
und wirkt deshalb je nach Vorzeichen verstärkend oder abschwächend auf das Torsionsmoment
MTN. Bricht’s
oder bricht’s nicht? Nun
haben wir fast alle Informationen, um die Bauteilspannungen berechnen zu können.
Als sinnvolle Annahme für die Abmessungen des Schwingenarms setzen wir folgende
Werte an: 
Damit
hat der Schwingenarm als Widerstandsmomente gegen Biegung bzw. Torsion: 
 Die
Dauerfestigkeit Für die Sicherstellung
der Dauerfestigkeit ist nicht allein der Maximalwert der Belastung ausschlaggebend,
sondern auch ganz entscheidend, in welchem Bereich und um welchen Mittelwert sie
schwankt. Es muss also der maximale
und der minimale Wert ermittelt werden, wobei bei einer zusammengesetzten Beanspruchung
wie hier zu berücksichtigen ist, welche Beanspruchungen sich addieren und welche
sich abschwächen. Aus dem Bild 2.1 kann
man erkennen, dass die Biegemomente um Y und um Z an unterschiedlichen Stellen
ihre Maxima haben. Diese Stellen (Federbeinaufnahme und Lagerstelle) werden als
gefährdete Querschnitte identifiziert und jeweils für die Berechnungen betrachtet.
Die einwirkenden Kräfte wurden in Teil
1 ermittelt und sind: 
1.
Federbeinaufnahme Als innere Kräfte
wirken hier die vertikalen und horizontalen Querkräfte mit QV=N''
und QH=S, wobei N'' zwischen 706 N und 2290 N schwankt und
S zwischen -578 N und +578 N. Damit darf als obere Schubspannung die Summe
der Maximalwerte und als untere die Summe der Minimalwerte angesehen werden.
Aus den Momenten ergeben sich entsprechend folgende Spannungen: 
Die
Spannungen aus der reinen Kraftwirkung sind so klein im Vergleich zu denen durch
die Momente, dass man sie bei der weiteren Betrachtung vernachlässigen darf. 
Die
verbleibenden Spannungen werden nach der Gestaltänderungshypothese zu einer Vergleichsspannung
zusammengefasst: 
wobei
das Anstrengungsverhältnis ƒ¿ vom Material abhängig ist und hier den
Wert 1 erhält. Wir erhalten also die Vergleichsspannungen 
Um
zu entscheiden, ob die ermittelten Vergleichsspannungen der Schwinge zugemutet
werden können, sehen wir uns das Dauerfestigkeitsschaubild des verwendeten Materials
an (als DIN verfügbar). Beispielhaftes
Dauerfestigkeitsdiagramm
Bernhard Götz Verlag (c) 1988-2010
Mit Hilfe dieses Diagrammes, welches
jeweils für das entsprechende Material ausgesucht werden muss, werden die
zulässigen Spannungen wie folgt ermittelt: Wir
suchen uns zunächst die mittlere Spannung ƒÐm auf der waagerechten Achse
und loten zu der Winkelhalbierenden hinauf. Senkrecht über und unter diesem
Punkt treffen wir auf die Begrenzungslinien (dick gezeichnet) und lesen hier die
maximale und minimale Spannung für die wechselnde Belastung um ƒÐm ab. Die
ermittelten Werte sind jedoch reine Materialgrößen, die nur bei ideal
geformten Stäben mit polierter Oberflache und bestimmten Abmessungen erreichbar
sind. Für die Übertragbarkeit
auf reale Bauteile müssen noch verschiedene Bewertungsfaktoren ins Spiel
gebracht werden, die die Unterschiede unserer realen Schwinge zu der idealen Normprobe
berücksichtigen. In einzelnen sind dies: 
Die
bauteilbezogenen zulässigen Materialspannungen ƒÐzul erhält nun durch
Anwendung der Formel 
für
die obere zulässige Spannung, bei Einsetzen von ƒÐmin entsprechend für
die untere. Aus unserem Beispieldiagramm
entnehmen wir ƒÐmax=330 N/mm2 und ƒÐmin=-275 N/mm2. Mit den oben aufgeführten
Beiwerten ergibt sich ein zulässiger Spannungsbereich von -77 N/mm2 bis +92,4
N/mm2. Da sich unsere ermittelten Vergleichsspannung deutlich innerhalb dieser
Spanne befinden, ist an der Federbeinlagerstelle kein Dauerbruch zu befürchten. 2.
Lagerstelle Der zweite gefährdete
Querschnitt ist die Lagerstelle, da hier das Moment durch die Seitenkraft ihr
Maximum hat. Die Torsionsmomente sind gleich groß wie an der Federbeinaufnahme,
das Biegemoment um Y fällt auf den Wert 0 (s. Bild 2). Wie im Fall 1. können
die reinen Kraftauswirkungen vernachlässigt werden, wir berechnen nur die Spannungen
aufgrund der Momente. 
Auch hier kann man mit dem Dauerfestigkeitsdiadramm
schnell feststellen, dass eine Dauerbruchgefährdung nicht vorliegt. Die
Zeitfestigkeit Zur Berechnung der Zeitfestigkeit wird ausschließlich
die Streckgrenze des verwendeten Materials verwendet, in unserem Beispiel 450
N/mm2. Auch hier wird mittels der Gleichung (22) die zulässige Spannung über
die Beiwerte ermittelt. In unserem Fall ergibt sich ein Wert von ƒÐzul= 126 N/mm2.
Lastfall Z1 (Bahnübergang)/ Federbeinaufnahme

Z1/Lagerstelle:
Als Biegespannung an der Lagerstelle erhalten wir 
An
beiden gefährdeten Querschnitten sind die Vergleichsspannungen also kleiner als
die zulässige Spannung, es besteht damit keine Bruchgefahr. Lastfälle
Z2 - Schlaglochstrecke und Z3 - maximale Abbremsung 
Sowohl
die Normal- als auch die Seitenkraft sind im Lastfall Z3 höher als bei Z2, sodass
die Schlaglochstrecke nicht gesondert betrachtet werden muss. Eine Besonderheit
stellt in diesem Fall (Z3) allerdings die Längskraft L dar, die über die Radachse
auf die Schwinge wirkt und hier Druckspannungen verursacht. Nach Gleichung
(17) berechnen sich diese Druckspannungen zu 
Die
ermittelte Druckspannung darf aufgrund des geringen Wertes vernachlässigt werden.
Anders allerdings das durch die Längskraft mit dem Hebelarm a=130 mm hervorgerufene
Biegemoment um die Hochachse, das über die Länge des Schwingenarms einen konstanten
Verlauf hat. Das Moment führt zu Biegespannungen von 
Einen
weiteren Einfluss stellt die Abstützung der Bremskraft durch die Anbindung des
Bremssattels bzw. der Ankerplatte dar. Je nach der Art der Befestigung können
die Kräfte in den Schwingenarm oder in den gefederten Teil der Schwinge eingeleitet
werden. Um die Rechnung nicht zu kompliziert zu machen, gehen wir davon aus, dass
der Schwingenarm diese Last nicht aufgebürdet bekommt. Z3/Federbeinaufnahme
Nach Gleichung (20) ist die Schubspannung 90,5
N/mm2, die Biegespannung aufgrund der Normalkraft ist 43,2
N/mm2. Die beiden Biegespannungen und
L
mussen nun aber nicht addiert werden, da die Biegemomente um unterschiedliche
Achsen wirken. Dort wo das eine Moment die maximalen Spannungen hervorruft, befindet
sich beim anderen die neutrale Faser ( =0)
und umgekehrt. Wir mussen also nur die grosere der beiden Spannungen mit der Torsionsspannung
zu der Vergleichsspannung nach (21) verknupfen. Wir erhalten eine Vergleichsspannung
von =163
N/mm2.
Z3/Lagerstelle In
der Lagerstelle wirken nun dummerweise die auftretenden Momente um die selbe Achse
und addieren sich. Wir erhalten damit eine Biegespannung von 
Damit
erhalten wir eine Vergleichsspannung von V=226
N/mm2.
Sofort stellen wir fest, dass
an beiden gefahrdeten Querschnitten die zulassigen Spannungen uberschritten werden.
An diesem Punkt musste die Bauteildimensionierung noch einmal uberdacht werden.
Denkbar sind eine generelle Erhohung des Querschnitts oder auch ortliche Verstarkungen
an den gefahrdeten Stellen. Lastfall
Z4 - die Rechtskurve Nach Gleichung (18) erhalten wir eine Torsionsspannung
von =69
N/mm2 und damit einen geringeren Wert als im Lastfall Z3. Da auch die Normalkrafte
bei Z4 niedriger liegen, kann die Belastung bei der Rechtskurve nicht hoher sein
als bei der Vollbremsung. Für unser
Beispielgespann hat sich also die Rechtskurve bei voller Beladung als der kritische
Belastungszustand herausgestellt. Für andere Geometrieverhaltnisse muss das
aber nicht ubertragbar sein, eine Berechnung der anderen Lastfalle lässt
sich also dadurch nicht vermeiden. Aber
unser Beispiel hat gezeigt, dass eine Auslegung ohne vorherige Berechnung in diesem
Fall bei der ersten Urlaubsreise zu einem ernsten Problem gefuhrt hatte und eine
Auslegung mit dem dicken Daumen bei hochbelasteten Bauteilen nicht immer zielfuhrend
ist. Michel Hölscher |