MOTORRAD-GESPANNE 119

Titelbild der MOTORRAD-GESPANNE 119

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Leitartikel

Die Neue Sachlichkeit?

Martin Franitza

Der „TÜV Nord Mobilität“ hatte den Herstellern in 2009 bei der Abnahme von Gespannen große Steine in den Weg gelegt. Dadurch schaffte der Technische Überwachungs- Verein regional massive Wettbewerbsunterschiede. Ein Großteil der im Bereich des TÜV Nord ansässigen Gespannbauer hatte darunter zu leiden.

Beim Händler-Branchentreffen im Juli 2009 wurde das Thema zwar diskutiert, aber sowohl unter den Mitgliedern des Herstellerverbandes BVHK, noch unter den teilnehmenden Nichtmitgliedern, konnte ein gemeinsames Vorgehen gegen die Abnahmeverweigerung erzielt werden. Daraufhin setzte sich die Firma Müller-Gespanne mit dem TÜV Nord in Verbindung und bat um ein klärendes Gespräch. Als Partner wurde Manfred Beck, Geschäftsführer der Firma Mobec, ins Boot geholt und die „Arbeitsgemeinschaft TÜV“ gegründet. Manfred Beck betonte uns gegenüber, dass er in dieser Angelegenheit nicht als BVHK-Mitglied, sondern nur in eigenem Firmeninteresse agiert. Müller-Gespanne und Mobec hatten schon als Initiatoren auch die leidige Abgasgeschichte Euro 3 vom Tisch bekommen.

Im Rahmen einer Informationsveranstaltung des BVHK im Winter letzten Jahres wurden die Ergebnisse des ersten Gesprächs mit dem TÜV Nord den Gespannherstellern mitgeteilt. Anfängliche Missverständnisse zwischen dem BVHK und der Firma Mobec wurden beseitigt und ein weiteres gemeinsames Vorgehen vereinbart. Wir berichteten in M-G 116.

Der TÜV Nord hat nun einen Richtlinien-Entwurf für Gespannbegutachtungen erarbeitet, der dem amtlich anerkannten Sachverständigen vor Ort als Hilfestellung dienen soll. Am 26. Juli 2010 wurde dieser Entwurf den Firmen Müller-Gespanne und Mobec vorgestellt. Ein weiteres Mitglied des BVHK, wie seinerzeit vereinbart, war leider nicht zugegen. Der TÜV Nord hat ausdrücklich darum gebeten, den Richtlinien-Entwurf vorerst nicht an Dritte weiterzuleiten, da eine Rechtsgültigkeit noch nicht gegeben sei.

MOTORRAD-GESPANNE liegt das Ergebnisprotokoll der Sitzung vom 26. Juli vor. Leider sagt es wenig über die Inhalte des Richtlinen-Entwurfes aus, nennt aber die erarbeiteten Zielstellungen.

Rechts- und Planungssicherheit für die Gespannbauer bezüglich der Umbauten und Begutachtungen, Gleichbehandlung und -bewertung, hohe Qualität und Verkehrssicherheit müssen erreicht werden. Keine Ausgrenzungen von privaten Gespanneigenbauten. Eigenbauten soll der amtlich anerkannte Sachverständige weiterhin auf Grund seines Sachverstandes abnehmen können.

Die professionellen Gespannbauer müssen danach die Dokumentation und Rückverfolgbarkeit aller vorschriftsund sicherheitsrelevanten Veränderungen sicherstellen. Manfred Beck von der Firma Mobec versicherte uns dazu telefonisch, dass die Möglichkeit einer freiwilligen Zertifi zierung oder Verifi zierung nach DIN ISO 9001 besteht, aber nicht als Pfl icht oder gar generell gefordert wird..

Da jedoch die Abnahme von einzeln hergestellten Teilen ohne vorliegendes Gutachten aus der Sicht des TÜV problematisch ist, soll durch ein sogenanntes Eigenzertifi kat die Betriebsfestigkeit nachgewiesen werden können. Angedacht ist in diesem Zusammenhang zum Beispiel ein branchenspezifi scher Qualitätsnachweis hinsichtlich Hersteller-Dokumentation des Gespannaufbaus und Rückverfolgbarkeit der Produkte.

Noch ist das Papier nicht abgesegnet, noch wird an mancher Formulierung gefeilt. Wenn die Aussagen so zutreffen, hätten die Hersteller und der TÜV eine verbindliche Grundlage an der Hand, anhand derer die Gespanne abgenommen werden. Im Besprechungsprotokoll steht weiterhin: „Herr C… als Obmann des VdTÜV-Fachausschusses wird den Leitfaden den anderen Technischen Prüfstellen vorstellen und vorschlagen, diesen nach ggf. weiteren Aktualisierungen als gemeinsame Arbeitsgrundlage zu verabschieden.“ Die Abnahmeprotokolle wären dann für die Hersteller verbindlich.

Laut Manfred Beck hat der TÜV Nord die vorgelegte Entwurfsfassung im Vorfeld sehr umfangreich und detailliert ausgearbeitet. Weiter erklärte Manfred Beck: „Ich denke, dass den Vertretern des TÜV Nord sehr an einer guten Lösung für die Gespannbranche gelegen ist. Nicht nur die gute Gesprächsatmosphäre, sondern auch der ausdrückliche Wunsch zur Zusammenarbeit hinsichtlich Fortbildungsseminaren von Sachverständigen beeindruckten mich.“

Viel zu viele Fragen bleiben in dieser Angelegenheit offen. Ich hätte mir eine demokratischere und vor allem öffentliche Diskussion aller Beteiligten gewünscht. Ich bin gespannt, wie letztlich die Richtlinie tatsächlich aussehen wird und hoffe, dass im Interesse von uns Gespannfahrern, aber auch der ganzen Händlerschaft, das Ergebnis alle zufrieden stellen wird und die Gespannvielfalt erhalten bleibt. MOTORRAD-GESPANNE wird weiter berichten.

Ihr

Martin Franitza


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Story

aus dem aktuellem Heft (Text- und Bildauszug)

Geliebte GS

Als zweites Modell der neuen Boxergeneration präsentierte BMW 1993 auf der IAA in Frankfurt die R 1100 GS. Nach anfänglichen Geburtswehen schrieb die große Enduro ein wichtiges Kapitel in der Gespanngeschichte und avancierte zu einem der am häufigsten umgebauten Motorradmodelle.

Nur wenige Gespannfahrer konnten sich in den ersten Jahren mit der schweren Enduro anfreunden. Ausschließlich Einzelstücke entstanden bei den Gespannhändlern. Die Schweizer Firma Armec adaptierte das ALS-Lenksystem und einen Tremola II an die GS. Otto Hermeling ging noch ungewöhnlichere Wege und spendierte dem Stollentier eine Achsschenkellenkung mit Originalvorderrad sowie dem fl achen Tornado-Beiwagen. Die holländische Firma EML griff ins Teileregal und verbaute vornehmlich geänderte BMW-R-1100-RS-Komponenten. Manfred Beck stellte unter Verwendung von EML-Teilen das erste Duo-Drive-Gespann mit Beiwagenantrieb auf drei Räder. Michael Schepsky von der Firma R.O.S. vertraute dem Telelever bei geänderter Nachlaufgeometrie, setzte aber, um vorzeitigem Reifenverschleiß vorzubeugen, ein PKWbereiftes Hinterrad in die GS. Und Peter Stern passte der GS einen 14-Zoll-EZS-Kit an..

Alle Umbauten hatten eines gemeinsam: Das lange hintere Federbein und das kleine Hinterrad hinterließen zwischen Rad und Schutzblech ein großes unakttraktives Loch. Waren die Hermeling-, Armec- und R.O.S.-GS-Gespanne an sich vom Anblick schon gewöhnungsbedürftig, so verstärkte der leere Raum zwischen Rad und Schutzblech diesen Eindruck. Natürlich war nur in Verbindung mit dem langen Federbein eine zur Enduro passende Bodenfreiheit zu realisieren. Unter dieser Voraussetzung beschritten die Konstrukteure sicherlich den richtigen Weg. Aber generell war die R1100 GS bei den Gespannherstellern in den ersten Jahren der Marktpräsenz keine attraktive Zugmaschine.

BMW R 90 Roadster MaxiWie man eine GS zu einem schmucken Straßengespann mutieren lassen kann, zeigte Stern im Winter 1997/98. Es entstand die sogenannte Nordkap-GS. Auf einem abenteuerlichen Wintertrip zum nördlichsten Punkt Kontinentaleuropas wurde der Prototyp getestet. Die Tauglichkeit für ungewöhnliche Einsätze konnte das Gespann unter Beweis stellen. Zudem zeigte sich, dass das Umbaukonzept für solche Reisen geeignet ist. Für extreme Einsätze gab es Alternativen von den Firmen HU oder Karl Schmid. Aber unbefestigte Straßen und leichte Geländeeinlagen schaffte die Stern-GS allemal.

Die Zutaten für die Nordkap-GS waren nicht ausgefallen. Das Heck wurde mittels eines Federbeines von der RS/RT abgesenkt und die Vorderradführung entsprechend angepasst. Breite Reifen unterstrichen das bullige Erscheinungsbild der GS. Wie ein Test in MOTORRAD-GESPANNE Nr. 46 zeigte, überzeugte diese Version mit hervorragenden Fahreigenschaften. Martin Franitza schrieb in dieser Ausgabe:

„Für mich ist die BMW GS die beste Vierventil- BMW-Zugmaschine. Meine Begründung sind die bequeme, langstreckentaugliche Sitzposition und das neutrale, jederzeit beherrschbare Fahrverhalten.“

Die Firma Stern hatte mit der Nordkap-GS Maßstäbe gesetzt. Die Nachfrage nach diesem Gespann war so groß, dass man fast von einer Serienfertigung sprechen konnte. Nun trat die bullige Reise-Enduro auch auf dem Gespannsektor ihren Siegeszug an.

BMW R 90 Roadster MaxiParallel dazu liefen bei Manfred Beck (Mobec) die Telefone heiß. Das zweite GS-Gespann, das den Härtetest „Nordkap im Winter“ durchgeführt hatte, stammte aus seiner Werkstatt. Auch der Beiwagenantrieb mit einer Viskosekupplung hatte seine Tauglichkeit eindrucksvoll bewiesen und trug dazu bei, dass die GS als Zugmaschine eine immer breitere Akzeptanz fand. Es entstanden Visco-Drive-Gespanne auf Basis der GS mit Armec- Tremola-II-Beiwagen und sogar mit dem nostalgischen Mobec-Zero-Boot. Über den Beiwagenantrieb stand in MOTORRAD-GESPANNE Nr. 42: „Das Duo-Drive ist …

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Inhalt

| TITELSTORY

  • Reisefieber inklusive
    Die BMW GS gehört zu den top-ten der Gespannzugmaschinen. Ob hochbeinig, tiefer gelegt, im Offroadtrimm oder in einer ganz normalen Straßenversion, die Gespannhersteller haben für jeden Wunsch eine Lösung parat.

| Vorstellungen und Fahrberichte

  • Achsschenkellenkung für alle?
    Mittelklassegespanne mit Achsschenkellenkung? Walter Lefèvre beantwortet diese Frage mit „Ja“ und bietet eine preiswerte Version an.
  • Ein Beiwagen! Das ist es!
    Eine Triumph Thruxton mit Roadster Maxi ist für Gerhard Filius das Maß der Dinge. Wir ergänzen seine Erfahrungen mit einer Übersicht.
  • Kampfansage
    Eine Provokation für das Establishment mit einem einmaligen Honda-Gespann.
  • Hauptsache schwarz
    Nach diesem Motto wechselte auch das HU-Hayabusa-Gespann die Farbe, als es in den Besitz von Ulrich Koch kam.

| Technik, Tipps und Praxis

  • Spurrillenprophylaxe
    Ein Rollerreifen auf dem Vorderrad mindert die Spurrillenempfindlichkeit. Die Erfahrungen unserer Leser.
  • Inspektor Morris
    Ein interessantes Low-budget- Projekt: BMW R 65 mit Uralchassis und Roadster-Beiwagen. Erfahrungen und Überlegungen zum Radumbau.
  • Lagerkoller
    Das Redaktionsgespann Kawasaki VN 800 nervt weiterhin mit kleinen Defekten.
  • Ein ganz besonderer Eigenbau
    Ein Behinderten-Gespann in Argentinien.
  • Total Plemplem!
    Mit dem Eigenbau auf die Rennstrecke. Hans-Rainer Huth hält in die Q-Rennklasse die Fahne für Moto Guzzi hoch.
  • Zuerst war Gespannfahren nur peinlich!
    Doch dann änderte Sven Clausen seine Einstellung und baute sich ein wunderschönes Yamaha XS 400-Gespann.

| Magazin

  • Traumgespann
    Das Traumgespann für Knut Schmidt ist eine Triumphrocket mit Armec-Fahrwerk und Ruko-F1-Beiwagen.

| Unterwegs

  • Meine Insel
    Jeder Mensch braucht seine Insel. Heidi Franitza fand ihre Insel vor der Küste Tunesiens.

| Standards


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