MOTORRAD-GESPANNE 120

Titelbild der MOTORRAD-GESPANNE 120
Versandtermin für das nächste Heft: 21. Dezember 2010

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Leitartikel

Steter Wandel

Martin FranitzaDie Neuzulassungen von Solomotorrädern sind drastisch zurück gegangen. Motorradhändler machen dicht. Die große Ausstellung in Köln, Intermot, wurde wieder mit Fahrrädern ergänzt.

Auch die Gespannhersteller unterliegen dem Wandel der Zweiradwelt, an ihnen ist dieser Trend ebenfalls nicht spurlos vorbei gegangen. Die Urgesteine der modernen Dreirad-Manufakturen, die Brüder Falk und Horst Hartmann sowie Otto Hermeling, haben sich fast ganz zurück gezogen. EML, einst unangefochten die Nummer Eins, konzentriert sich auf andere Geschäftszweige. EZS hat die Gesamtproduktion erheblich gedrosselt. Manfred Stahmer hat sein Geschäft reduziert. Die Firmen Mobec, Walter und Stern haben in den letzten Jahren das Personal abgebaut.

Durch diese Anpassung an die Nachfrage sind die Auftragsbücher der meisten Gespannhersteller voll. Hinzu kommt der Trend der Kunden, immer mehr das individuell zusammen gebaute Gespann zu bevorzugen und weniger von der Stange zu kaufen. Die langen Lieferzeiten sprechen Bände. Die Hersteller, fast alles Kleinstbetriebe, sind auf dutzende Zulieferfirmen angewiesen. Mit etwas Glück bekommen Sie das heute neu bestellte Gespann noch rechtzeitig zu Frühlingsbeginn.

Dieser Wandel birgt Chancen für junge Firmen. Sie haben gute Startbedingungen. Denn meist beginnen sie im Low-Budget-Bereich. Gespannhersteller, die länger im Geschäft sind, wachsen mit den steigenden Ansprüchen ihrer Kunden aus diesem Bereich hinaus. Dieser Zyklus zieht sich über Jahre hin und lässt sich in den Ausgaben von MOTORRAD-GESPANNE ganz deutlich nachvollziehen. Den Vorteil hat vor allem der Gespanntreiber mit schmalem Budget und der Neueinsteiger. Besonders bei den jungen Gespannbauern findet er noch einfache und preiswerte Gespannumbauten.

***

Ein anderes Thema wird seit Jahren kontrovers in der Gespannszene diskutiert: Anti-Blockiersysteme und Gespann. Wir haben bei Testfahrten immer wieder feststellen müssen, dass die ABS-Regelung in bestimmten Situationen nicht so funktioniert, wie man es von einem Auto oder Solomotorrad gewöhnt ist. Um hier endlich etwas Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir gemeinsam mit Walter Lefèvre, Vorstandsmitglied des BVHK und verantwortlich für Technik und TÜV, die Firmen FTE und Conti-Tewes besucht. Eine erste Zusammenfassung dieser Gespräche finden Sie ab Seite 32. Uns geht es bei diesem Thema darum, Problematiken darzustellen.

Millionen von Euro wurden und werden für die Entwicklung und Verbesserung solcher Systeme ausgegeben. Der Glaube, dass trotz Änderung wichtiger Parameter wie Abrollumfang oder Gewicht das System noch einwandfrei funktioniert, nur weil einige Probebremsungen diesen Anschein vermitteln, zeugt von Technikgläubigkeit bis hin zu Selbstüberschätzung. Andererseits:

Das sensible Thema wird derzeit beim Gespann-Herstellerverband BVHK offen diskutiert. Erste Lösungsansätze sind erkennbar. Wir hoffen, dass diese Gedankenansätze letztlich einen gangbaren Weg aufzeigen. Denn eins ist sicher: ABS wird bei Solomotorrädern immer stärker Einzug halten. Auf europäischer Ebene sind bereits Bestrebungen erkennbar, ein Antiblockiersystem zwingend vorzuschreiben. Es wird also höchste Zeit zu handeln.

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Doch denken wir an die schönen Seiten des Gespannfahrens. Auch wenn mich mancher für verrückt erklären mag – bald beginnt für viele von uns die schönste Jahreszeit, der Winter. Wegen der immerwährenden Nachfrage nach unseren zwei Sonderausgaben WINTER FAHRER haben wir diese Kultzeitschrift in neuem Format, neuem Konzept und erweitertem Umfang wieder aufleben lassen. Ich wünsche Ihnen schon jetzt viel Neuschnee unter den Winterreifen.

Ihr

Martin Franitza


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Story

aus dem aktuellem Heft (Text- und Bildauszug)

Einmalig

Es gibt weltweit nur ein Exemplar. Beim Eigenbauwettbewerb räumte der Schöpfer des Einzelstücks den großen Pokal ab. Wir erzählen die Geschichte des einzigartigen MV-Agusta-Gespanns von Roland Herbig.

MV Agusta. Das waren in der Jugendzeit die unerreichbaren Sterne des Motorradhimmels. 38 Titel hingen in dem blitzenden Firmament der Motorradweltmeisterschaft. Wir machten die Gegend mit Yamaha RD und Honda CB 450 unsicher, Giacomo Agostini fuhr ungeschlagen von einer WM zur anderen. Und der Respekt vor MV Agusta wuchs und wuchs. 1972 stand Agostini zum letzten Mal auf dem Siegertreppchen. Es wurde ruhig um die in einem Vorort von Varese ansässige Firma. 1980 wurde die Produktion auf Grund von finanziellen Problemen eingestellt. Ab da war MV Agusta Legende.

Die Castiglioni-Gruppe ließ den Namen 1992 wieder auferstehen. Ende der 90er Jahre kamen die ersten Modelle mit einem neu konstruierten Vierzylindermotor auf den Markt. Die Legende war plötzlich wieder Realität, sie war greifbar, hörbar und immer noch fast unbezahlbar. Und dennoch, mancher stellte sich seinen Jugendtraum in die Garage.

Auch Roland Herbig gehört zu der Generation, deren Angehörige in jungen Jahren gern mit Agostini getauscht hätten, die in schlaflosen Nächten daran dachten, nur einmal im Sattel des brüllenden Vierzylinders über die Rennpiste zu brettern. Er ist aber nie auf die Idee gekommen, sich deswegen in der heutigen Zeit eine MV zu kaufen, nur um unerfüllten Jugendträumereien nachzuhängen …

… Roland: „Der Aufbau der Basismaschine erforderte viel Nerven. Für den höheren ABM-Superbike-Lenker wurde die obere Gabelbrücke mit Risern bestückt. Es ist eine Heidenarbeit, alle Schalterkabel und die Gaszüge zu verlängern. Lampe und Verkleidung setzte ich wegen des hohen Lenkers auch um 20 Millimeter höher.

Die einfachste Aufgabe war die Montage einer PKW-Aluminiumfelge an den Radträger der Einarmschwinge. Der hierzu aus Aluminium: gedrehte Adapter besitzt für das Rad fünf Stahleinsätze mit Gewinde für die Radbolzen und eine Mittelbohrung mit 50 Millimetern Durchmesser. Er wird mit einer Zentralmutter auf der Hinterradachse befestigt.

Für die Vorderradführung kam nur die aus meinem Fazer-Gespann bekannte Achsschenkellenkung in Frage. Sie hat sich auf 20.000 Kilometern bewährt. Trotzdem verbesserte ich die Konstruktion in einigen Punkten. So verwende ich eine einteilige Achse. Den zweiteiligen Radträger fräste ich aus einem 15 Kilogramm schweren Aluminiumblock.
Der Radträger selbst wiegt nur fünf Kilogramm. Im Vergleich zur Fazer verwende ich nun einen größeren Raddurchmesser, eine größere Bremsscheibe vom BMW M3 und zwei Bremszangen. Durch eine geänderte Konstruktion der Längsträger konnte ich auch einen größeren Einlenkwinkel realisieren. 30 Millimeter Nachlauf sollen geringe Lenkkräfte und Wendigkeit garantieren.

<< Ende des Textauszuges >>


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Inhalt

| TITELSTORY

  • Einmalig
    Ein außergewöhnliches Motorrad und drei Jahre Arbeitszeit: Das Ergebnis ist ein einmaliges Gespann. Die Eigenbaugeschichte des E-G-T-Pokalsiegers Roland Herbig und des weltweit einzigen MV-Agusta-Gespanns.

| Vorstellungen und Fahrberichte

  • Quod(ta) erat demonstrandum
    Moto Guzzi Quota-Gespanne. Der Stollenadler aus Mandello im Gespanntrimm.
  • Die Enduro-Variante
    Ein BMW-Heeler-Gespann als Enduro-Dreirad? Diese ungewöhnliche Idee realisierte Bernd Salzer.
  • Benzingespräch mit Folgen
    Fahren Sie nie mit einem Solomotorrad nur mal so zum Gespannhändler! Es könnte ungeahnte Folgen haben.
  • Leicht und Cross
    Eine Triumph Scrambler und ein leichter Enduro-Beiwagen garantieren Fahrspaß im heimischen Outback.
  • Easy Living
    Biergartengespräche und ihre Folgen: Ein Gespann und ein neuer Beiwagen.

| Technik, Tipps und Praxis

  • Glauben oder Wissen
    ABS-Systeme von Solomaschinen im Gespann: Kann das funktionieren? Besuch bei den ABS-Herstellern.
  • Hydraulik-Lenkung
    Bereits gefahren: EZS-Gespann mit hydraulischer Lenkung.
  • Resteverwertung
    Man sollte gelegentlich die Garage aufräumen. Vielleicht finden sich so viele Teile, dass man sich ein Gespann aufbauen kann?
  • Ein ganz besonderer Eigenbau
    Ein Behinderten-Gespann in Argentinien.

| Magazin

  • Herbst-Neuheiten
    E-G-T und Intermot: Neue Gespanne, neues Zubehör, Bekleidungstrends.
  • Eff-Jott
    Renovierung eines Yamaha- FJ-1200-Gespanns nach über 130.000 Kilometern. Was hat das gekostet?
  • Kettenraucher
    BMW-Boxer-Gespann mit Kettenantrieb. Renovierung eines außergewöhnlichen Enduro-Gespanns.
  • Neues vom Gefreiten Kowalski
    Gefreiter Kowalski und die Geländefahrübung.

| Unterwegs

  • Schottische Impressionen
    Single Tracks, Whiskey-Brennereien, Dudelsack-Musik, grandiose Landschaften. Mit einem voll bepackten Roller-Gespann auf Entdeckungstour in Schottland. Ein stimmungsvoller Reisebricht von Günter Wengler.
  • Euro-Gespann-Treffen 2010
    Die Sonne im Herzen und den Poncho im Gepäck.

| Standards


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