MOTORRAD-GESPANNE 121


Versandtermin für das nächste Heft: 25. März 2011

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Leitartikel

Wir sind Neugierig

Martin Franitza

Neugierde treibt uns an. Was gibt es Neues auf dem Gespannsektor? Welcher Hersteller entwickelt im stillen Kämmerchen ein tolles Fahrwerk oder einen neuen Beiwagen? Wo sind Gespanntreffen? Wer ist wo unterwegs? Das Ergebnis unserer Recherchen lesen Sie alle zwei Monate in der neuesten Ausgabe von MOTORRAD- GESPANNE.

Aber wir wollen noch mehr wissen. Uns interessiert, was Sie von MOTORRAD-GESPANNE erwarten. Welche Themenbereiche sollen wir ausbauen und welche eher zurück fahren? Wollen Sie mehr Reisetipps oder doch lieber Technikberichte über Verbesserungen und Eigenbauten? Sollen wir uns auf die Suche nach dem ultimativen Eintopfrezept für den einfl ammigen Coleman-Kocher machen oder nach dem bezahlbaren Alleskönner-Gespann? Wünschen Sie mehr Berichte über moderne Gespanne oder lesen Sie lieber Berichte über alltagstaugliche Gefährte?

Um Ihre Wünsche und Vorstellungen von Ihrer Gespannzeitschrift noch besser erfüllen zu können, führen wir mit dieser Ausgabe eine Leserumfrage durch. Machen Sie mit, damit wir auch Ihre ganz persönlichen Vorstellungen noch stärker berücksichtigen können.

Ende November verabschiedete der Bundesrat die Änderung der StVO, die vorschreibt, bei welchen Wetterverhältnissen nur mit Winterreifen gefahren werden darf. Eine Erhöhung der Bußgelder soll die Einhaltung der Vorschriften garantieren. In der Pressemitteilung des Ministeriums heißt es unter anderem: „Als Winterreifen gelten alle M+S-Reifen. Auch Ganzjahresreifen fallen darunter.“ Die Neuregelung gilt für alle Kraftfahrzeuge, also auch für Motorräder und Gespanne.

Jetzt haben wir den Salat. Für Gespanne mit Autobereifung ist das Einhalten der Neuregelung weniger ein Problem. Winterreifen gibt es in den gängigen Gespannradgrößen, auch noch in der seligen Entengröße 125 x 15. Wie sieht es aber bei Gespannen mit Solobereifung aus? Die Firma Heidenau bietet den Snowtex in wenigen Größen an, und einige ausgewählte Enduroreifen tragen die M+S-Bezeichnung.

Für mich ist es ein Witz, dass der Gesetzgeber an dieser Bezeichnung festhält, denn es gibt keine rechtsverbindliche Reglung, dass M+S nur auf Winterreifen stehen darf. Mancher Reifen aus den USA trägt diese Bezeichnung, obwohl er für den harten Wintereinsatz gänzlich ungeeignet ist.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Schneebedeckte Fahrbahn, Autos rutschen reihenweise in den Graben. Nur der Gespannfahrer gräbt sich dank der überlegenen Gespanngeometrie wacker durch und kann den querstehenden Blechdosen locker ausweichen. Wird er von der Polizei kontrolliert, ist ein Bußgeld von 40 Euro fällig. Der Grund: Die Reifen hatten keine Winterreifen-Kennzeichnung. Dieses Szenario wurde mir telefonisch von der Pressestelle des Bundesverkehrsministriums bestätigt.

Im Prinzip ist das ein Fahrverbot für Motorräder und Gespanne durch die Hintertür der Winterreifenpflicht.

Übrigens, ganz am Schluss der Pressemitteilung heißt es: „Parallel zur Einführung der Winterreifenpfl icht in der StVO wird auf europäischer Ebene an einer verbindlichen, international einheitlichen Kennzeichnung von Reifen gearbeitet.“ Aaah ja! Für mich stellt es sich so dar, dass die Winterreifenpfl icht nicht nur der Reifenindustrie, sondern auch den Lobbyisten von der Versicherungswirtschaft ganz gut in den Kram passt. Diese Änderung der StVO ist genau genommen ebenso unausgegoren wie die vorherige Regelung.

Ich bin gespannt, wie oft in den kommenden Monaten die richtige Bereifung an meinem Gespann kontrolliert wird.

.

Ihr

Martin Franitza


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Story

aus dem aktuellem Heft (Text- und Bildauszug)

Einmalig

Noch keine Triumph hat als Gespannmaschine ähnlichen Zuspruch erfahren wie die Rocket III. Ob die zweizylindrige Thunderbird ebenfalls das Zeug zur Dreirad-Karriere hat, ergründeten wir mit einem Armec-Umbau in der 1700-Kubik-Version des dicken Twins.

Keine Frage – die Triumph Rocket III ist eine ebenso faszinierende wie leistungsfähige Zugmaschine für große Touren- und Cruiser- Gespanne. Manchen ist sie allerdings zu pompös, zu mächtig, und ihnen wäre in dieser Kategorie „eine Nummer kleiner“ eher genehm.

Zwangsläufi g bietet sich da die Thunderbird aus gleichem Hause an. Mit ihrem derzeit hubraumstärksten in Serie gebauten Reihenzweizylinder wirkt sie zwar auch nicht gerade unterentwickelt, trägt aber weniger dick auf und trifft zudem den Geschmack von Liebhabern klassisch-schlichter Linienführung.

Darauf spekulieren auch der Schweizer Ge spannbauer Armec und der Mörstädter Markenhändler Schmidt als sein deutscher Stützpunkthändler. Doch mit einem reinen Fantasie- Projekt lässt sich die Marktresonanz nicht wirklich ausloten. Um die Sache handfest zu machen, schick te Schmidt eine Triumph Thunderbird in die Schweiz, und Armec kombinierte sie mit dem hauseigenen Tremola I Evo. Dazu konstruierte Kurt Aregger einen Hilfsrahmen zum Anschrauben, der gemeinsam mit fünf Anschluss-Streben eine stabile Verbindung zwischen Zugmaschine und Seitenwagen gewährleistet. Für die Vorderradführung bevorzugt Armec die üppig dimensionierte 47er Telegabel der Thunderbird – vor allem unter ästhetischen As pekten die geeignete Lösung. Deren Standrohre stecken in eigens gefrästen Alu-Gabelbrücken mit 33 Zentimetern Aufnahme-Abstand, um Platz für den fetten 195/50er Reifen zu gewinnen.

Unser Testexemplar war auf 47 Millimeter Vorderradnachlauf eingestellt, die endgültige Ausführung wird mit etwa 37 Millimeter lenkagiler ausfallen. Auch wenn sich zehn Millimeter weniger Nachlauf schon spürbar auswirken, muss man nervösen Geradeauslauf keinesfalls befürchten. Bereits bei seinen Rocket-Gespannen hatte Armec anfangs auf 47 Millimeter Nachlauf gesetzt, diesen Wert dann aber ebenfalls ohne Einbußen in der Spurhaltung reduziert.

Nach Art des Hauses lagert die schweizerische Manufaktur die Triumph-Vierkolben- Festsättel an gefrästen Auslegern, die sich an der unteren Gabelbrücke abstützen.

Der damit verbundene Anti- Dive-Effekt verhindert zunächst wirkungsvoll das Eintauchen des Vorderbaus beim Aktivieren der kräftig zupackenden Zangen. Daraus resultierend bleiben auch Lenkkopfwinkel und Nachlauf konstant. Triumph bietet für die Thunderbird optional ein ABS an. Armec kombiniert in diesem Fall einen Sattel der Bootsbremse mit der Handhebelhydraulik, die eine der beiden Scheibenanlagen im Vorderrad ansteuert.

Die andere Beiwagenzange hängt am Pedal, über das Vorder- und Hinterrad verzögert werden. Die Thunderbird ohne Blockierverhinderer kommt ebenfalls in den Genuss zweier Zangen am Seitenrad. Ein wichtiges Sicherheitsplus, denn damit ist die exakte Spurhaltung bei s c h a r f e n B remsmanövern nicht mehr von den Dosierkünsten des Fahrers abhängig. Armec belässt als Standardlösung im Heck die Serienstoßdämpfer. Alternativ stehen Wilbers- Federbeine zur Wahl, mit denen auch unser Testgespann ausgerüstet war. Mangels Vergleichsmöglichkeit konnten wir jedoch nicht ermitteln, inwieweit die originalen Dämpfer mit den stilvollen Chromkappen genügen könnten. In der Solo-Thunderbird überzeugen diese allerdings wegen ihres wenig sensiblen Ansprechverhaltens und leichter Unterdämpfung nicht gänzlich, so dass man die zusätzliche Investition in passend abgestimmte Federbeine gleich einkalkulieren sollte.

Der getunte Zweizylinder drückt derart kräftig an, dass der Hinterreifen in den unteren Gängen alles geben muss, um innigen Kontakt zum Asphalt zu halten. Interessant wäre in diesem Zusammenhang der Vergleich zur 1600er, die schon im Solobetrieb spürbar moderater zur Sache geht.

An dieser Stelle hat der Allgemeinplatz „Wenn schon, denn schon“ durchaus Berechtigung. Mit der 1700er Variante geben wir wohl kaum eine schlechte Empfehlung. Denn mutmaßlich erwarten Käufer einer derartigen Kombination, dass deren Motor 525 Kilo Fahrzeuggewicht plus Besatzung hinreichend dynamisch vorwärts bringt. Für die zusätzliche Leistung sorgt in erster Linie der Hubraumzuwachs mit 3,3 Millimeter größeren Kolben sowie schärferen Nockenwellen. Mit Bedacht hat Triumph der 1700er gleich auch stärkere Kupplungsfedern spendiert.

Dass der Fahrer etwa 170 km/h Höchstgeschwindigkeit erwarten kann, scheint im Falle der T-Bird eher nebensächlich. Mehr Spaß als beim Autobahnbolzen macht der Twin auf gut ausgebauten Landstraßen mit flüssigen Kurvenfolgen. Hier spielt er sein Potential und vor allem sein bäriges …

<< Ende des Textauszuges >>


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Inhalt

| TITELSTORY

  • Zwei statt drei?
    Weniger ist manchmal mehr. Ob das auch für die zweizylindrige Triumph Thunderbird gilt? Bislang hatte sie es schwer gegen die hauseigene Dreizylinder-Konkurrenz  Rocket. Wir gingen der Frage nach, was die aufgepeppte 1700er  Thunderbird uns  Gespannfahrern bietet.

| Vorstellungen und Fahrberichte

  • Mega, die Zweite
    Side-Bike meldet sich mit dem Yamaha-XJR-Gespann in der Gespannszene zurück. An der Seite der sogenannte Mega2-Legend. Draufsetzen, losfahren, wohl fühlen! Ein Fahrbericht.
  • Vorschau mit Rückblick
    Mit der W 800 möchte Kawasaki erneut Kundschaft mit dem Hang zur Retro-Optik mobilisieren und könnte auch bei den Gespannfahrern Erfolg haben. Denn schon der Vorgänger W 650 war eine beliebte Zugmaschine in der Mittelklasse.
  • Speedline reloaded
    Eine zwanzig Jahre alte Beiwagenkonstruktion und ein kraftstrotzender Sporttourer: Kann das eine harmonische Verbindung ergeben?
  • Officer of threewheeled vehicles
    Ein Kawasaki-Voyager-Gespann und ein hochdotierter Orden.

| Technik, Tipps und Praxis

  • Gewünscht: Hochsitz
    Sitzkomfort im Beiwagen: Muss sich die Sitzkonstruktion dem gestiegenen Durchschnittsalter der Gespannfahrer anpassen?
  • Reifenfrage
    Welche Bereifung soll das Vorderrad eines BMW-Vierventil-GS-Gespanns haben? Vor- und Nachteile von Auto- und Motorradreifen.
  • Ideen muss man haben
    Elektrischer Rückwärtsgang, pneumatische Federung? Für Carlo Cardue kein Problem. Die Geschichte eines ungewöhnlichen Eigenbaus und eines bewegten
    Gespannfahrerlebens.
  • Sparversion
    Ein komplettes Gespann für 3.355 Euro.

| Magazin

  • Sicherheitsgewinn
    Die wichtigsten Heizhandschuhe im Überblick.
  • Quoi de neuf en France?
    Der salon du side-car in frankreich – eine bemerkenswerte Veranstaltung.
  • Virtuelle Marktplätze
    BMW-Boxer-Gespann mit Kettenantrieb. Renovierung eines außergewöhnlichen Enduro-Gespanns.
  • Sidecar – unser Cocktail
    Der ultimative Silvestertipp für Gespannfahrer.

| Unterwegs

  • breiður íbúð
    Sie haben das Abenteuer gesucht. Das Wasser steht bis zum Bauchnabel. Kurze Zeit später versinken die Räder in schier endlosem Morast. Die Hochland-Pisten in Island unterliegen eigenen Wettergesetzen. Ein spannender Reisebericht von Roman Firak.
  • Artgerechte Ausfahrt
    Das Europa-Ural-treffen bietet für Teilnehmer ein ganz besonderes Schmankerl: Die Ural-Rallye.

| Standards


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