MOTORRAD-GESPANNE 122

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Leitartikel

Jubilare und anderes

Martin Franitza

Vielen Dank! Mein Dank gilt Ihnen für die Teilnahme an unserer Leserumfrage im letzten Heft. Mit einer so großen Resonanz hatten wir nicht gerechnet. Die Auswertung der rund 1000 eingesandten Fragebogen läuft auf vollen Touren. Die Ergebnisse werden wir Ihnen in der nächsten Ausgabe präsentieren.

Zwei Firmen feiern dieses Jahr ihr 25jähriges Jubiläum: Armec in der Schweiz sowie Gespannservice Stern im bayerischen Geiselhöring. Zweifellos haben beide Firmen in der Gespannszene mit ihren Konstruktionen und ihrem Engagement wichtige Impulse gesetzt. Armec machte das Schwenkerkonzept salonfähig, führte die Yamaha Vmax zu Gespannehren und entwickelte das Triumph-Rocket-Gespann mit Stradale-Beiwagen. Stern lancierte mit dem RXS einen Beiwagen, dessen Grundform heute noch genau so aktuell ist wie vor über zwölf Jahren. Zum Jubiläum sind zwei weitere Varianten geplant. Manchmal habe ich das Gefühl, es wäre es erst gestern gewesen, als ich die Armec- Vmax testen durfte oder mit dem Yamaha- XS-1100-Gespann mit EZS-TPII-Beiwagen unterwegs war.

Auch der Gespannherstellerverband (BVHK) kann feiern. Vor 25 Jahren wurde der Verband am Nürburgring ins Leben gerufen. Dass er eine so lange Zeit überdauern konnte, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Falk Hartmann. Sein beharrliches Engagement als Vorsitzender führte dazu, dass trotz gelegentlicher Querelen und Uneinigkeit der Verband nicht zerfiel und eine wichtige Institution der Gespannbranche geworden ist. Ich wünsche Falk Hartmann und dem BVHK auf diesem Wege die besten Wünsche zum Jubiläum und weiterhin viel Erfolg. Wir von MOTORRAD- GESPANNE hoffen in den nächsten Jahren auf eine konstruktive Zusammenarbeit im Interesse der Gespannfahrer.

Die neue Winterreifenpflicht hat für viel Verunsicherung bei den Gespannfahrern gesorgt. Der BVDM vertritt die Meinung, dass das neue Gesetz für zwei- und dreirädrige Fahrzeuge nicht zutrifft. Die Argumentation finden Sie in der Rubrik Nachrichten. Andererseits hat das Bundesverkehrsministerium die Gültigkeit für Motorräder und Gespanne bestätigt. Wie auch immer, es besteht dringend Handlungsbedarf. Ich frage mich ernsthaft, welcher Intelligenzquotient nötig ist, um so ein Gesetz zu verabschieden. Für mich grenzt das schon an Realitätsverlust. Noch haben wir ein paar Monate Zeit bis zur nächsten Wintersaison. Ich hoffe, dass bis dahin das Thema vom Tisch ist.

Jetzt freuen wir uns auf das Frühjahr und die geplanten Gespanntouren. Wir sehen uns, irgendwo auf den Straßen dieser Welt oder spätestens auf dem Euro-Gespann-Treffen Ende August in Hatzfeld-Reddighausen.

Ihr

Martin Franitza


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Story

aus dem aktuellem Heft (Text- und Bildauszug)

Sportschau

Wenn schon, denn schon. Sagte sich Ducati-Fan Michael Helfrich und ließ
sich von Mike Ott einen sportlichen Retro-Dreier auf Basis der Sport 1000
aufbauen. Allerdings juckte es den Handwerksmeister, sein Gespann
zusätzlich individuell aufzuwerten.

Wenn sich jemand beruflich mit edlem Schmuck beschäftigt, bringt er fast zwangsläufig auch bei der Realisierung seines Traumgespannes ein Faible für das Besondere mit sowie ein hohes Maß an ästhetischem Empfinden. Für Michael Helfrich, Inhaber zweier Schmuck-Galerien in den pfälzischen Touristenorten Bad Dürkheim und Freinsheim, sollte seine erste Beiwagenmaschine nach langen Jahren Dreiradabstinenz zunächst klassische Anmutung und ein gehöriges Maß an Sportlichkeit kombinieren.

Technisch moderne Zugmaschinen, die solchen Vorgaben uneingeschränkt entsprechen, findet man am ehesten bei Ducati. Von 2006 bis 2010 bereicherte die Marke aus Bologna ihr Programm mit ebenso stilvollen wie sportlichen Neo-Klassikern (siehe Kasten). Alle Modelle basieren auf weitgehend gleichen Rahmen. Wesentlich unterscheidet sich die von Helfrich auserkorene Sport 1000 von den übrigen Varianten durch ihre Monofederung im Heck und das rechtsseitig am Maschinenheck mündende Endschalldämpfer-Paar. Für den Seitenwagenanbau spielt dies jedoch keine entscheidende Rolle. igentlich wollte der Pfälzer die Duc solo bewegen.

“Die Sport ist in Kurven relativ unwillig und deshalb am ehesten für schnelle, gut ausgebaute Straßen geeignet. Aber hier in der Pfalz haben wir überwiegend andere Straßenverhältnisse”, erklärt Helfrich. Und weil der Gespannbazillus ihn bereits nach – oder vielleicht auch trotz – gut zwanzig Jahren zurückliegenden Erfahrungen mit einem Dnepr-Dreier gepackt hatte, beschloss er, an die Sport 1000 einen Beiwagen zu bauen.

Den Anstoß für die betont sportliche Art der dreirädrigen Fortbewegung dürfte dabei Horst Hartmann gegeben haben. Mit dem Urgestein des deutschen Enduro- und Tourengespannsports war Helfrich nämlich zeitweilig als Schmiermaxe Straßenrennen gefahren. Vor diesem Hintergrund wundert auch die Wahl des “Stern Racer” als Beiboot nicht. Schließlich ist die offenherzige Gondel dem Rennpantoffel des damaligen Boxer-Cup-Gespanns von Hartmann nachempfunden.

Zwar stammt das Gesamtkonzept von Helfrich, doch für die fahrwerktechnische Umsetzung nahm er die fachkundige Hilfe der nahe gelegenen Side Car Factory Ott in Anspruch.

Zunächst war klar, dass für das Fahrzeug nur Drahtspeichenräder in Frage kamen, auch wenn sich mit Erfüllung dieser Vorgabe einiger Aufwand verband. So stammt das Beiwagenrad vom US-amerikanischen Spezialisten Dayton Wire Wheels. Dass die Stahlfelgen mit modernen Niederquerschnittreifen besohlt sind, schmälert die stimmige Gesamterscheinung keineswegs. Schließlich soll die Sport 1000 auch unter sportlichen Aspekten mit zeitgemäßen Fahreigenschaften aufwarten.

Das Gitterchassis der Ducati-Retro bedarf für den Beiwagenbetrieb umfassender Verstärkungen. So verpasste Mike Ott dem Lenkkopf eine dritte, in den angeschraubten Hilfsrahmen …

… Obwohl “nur” mit 92 PS ausgestattet, entpuppt sich der 90-Grad-V-Twin, der mit etwas anderer Abstimmung auch in der Supersport 1000 und der Monster S2R zum Einsatz kommt, als ausgesprochen kräftiger und temperamentvoller Antrieb. Der Zweiventiler mit Doppelzündung tritt bereits im Drehzahlkeller druckvoll an. Zum Kurvenräubern auf den Landstraßen der Pfalz reichen mittlere Drehzahlen völlig aus, lediglich für schnelle Überholmanöver wird man den Kurzhuber in den entsprechenden Gängen des weich schaltbaren Sechsganggetriebes ausdrehen lassen. Zum Bolzen auf der Autobahn taugt dieses luftige Gespann sicherlich am wenigsten, wenngleich es dort mit etwa 180 km/h Höchstgeschwindigkeit keinesfalls untermotorisiert wäre.

Keine Frage – hier hat sich ein Gespannfan mit rundum perfekter Umsetzung einen Traum verwirklicht. Die Duc ist von der Verarbeitung bis hin zum satten Motorklang erste Wahl, der Seitenwagen optisch stimmig und das Fahrwerk für den Einsatzbereich untadelig. Stilistisch abgerundet durch rote Farbgebung und edle Ausstattungsdetails, überzeugt Helfrichs Renner auf der ganzen Linie. Mit ein wenig Phantasie lassen sich durchaus auch andere appetitliche Kombinationen auf Basis der Retro-Ducatis vorstellen. Axel Koenigsbeck

<< Ende des Textauszuges >>


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Inhalt

| TITELSTORY

  • Sportschau
    Zwei Zylinder für die Seele. Das Ducati-1000-Sport-Gespann von Michael Helfrich ist ein Eyecatcher und begeistert mit seiner individuellen Note.
    Ein Testbericht.

| Vorstellungen und Fahrberichte

  • Blick zurück nach vorn
    Side-Bike meldet sich mit dem Yamaha-XJR-Gespann in der Gespannszene zurück. An der Seite der sogenannte Mega2-Legend. Draufsetzen, losfahren, wohl fühlen! Ein Fahrbericht.
  • Tyrannosaurus Sechs
    Kawasaki Z 1300, sechs Zylinder. Ein Motorrad schrieb Geschichte. Für Fans ist sie die Gespannzugmaschine schlechthin.
  • Automatisch schwenken
    Aprilias Motorradmodell Mana hat ein Automatikgetriebe. Die Firma Müller-Gespanne baut Schwenker-Gespanne. Zusammentreffen von zwei nicht alltäglichen Konstruktionen.

| Technik, Tipps und Praxis

  • Kennen Sie McCoi?
    Im Visier der Praxistauglichkeit: Ein automatischer Kettenöler für Bastler.
  • Sinn oder Unsinn?
    Ist eine Sintermetall-Kupplung im Gespannbetrieb sinnvoll? Antworten am Beispiel BMW.
  • Ideen muss man haben
    Elektrischer Rückwärtsgang, pneumatische Federung? Für Carlo Cardue kein Problem. Die Geschichte eines ungewöhnlichen Eigenbaus und eines bewegten
    Gespannfahrerlebens.
  • Sparversion
    Ein komplettes Gespann für 3.355 Euro.
  • Drei Welten
    Eigenbau eines Kawasaki-VN-1500-Gespanns in Thailand.
  • Der diskrete Charme der kleinen Gespanne
    Die Passion von Bernhard Ernst sind MZ-Gespanne. Erfahrungen mit einem MZ-500-Silverstar-Gespann.
  • Reifengeschichten
    Erfahrungen mit unterschiedlichen Reifen im Gespannbetrieb.

| Magazin

  • Zipfelpass
    Aufklärung tut not.
  • Heimvorteil
    KDurvenreiche Straßen und prall gefüllte Teller. Zu Gast bei Georg Blasl.
  • Virtuelle Marktplätze
    BMW-Boxer-Gespann mit Kettenantrieb. Renovierung eines außergewöhnlichen Enduro-Gespanns.
  • Stromer
    Blick in die Zukunft: Elektrogespann von Uli Jacken.

| Unterwegs

  • Italienische Momente für 5 Euro
    Eine gebrauchte Landkarte für fünf Euro, Entdeckergeist und die Suche nach der Einsamkeit in den Bergen. Eine Alpenreise.
  • Unter Gleichgesinnten
    Ein Gespann-Silvestertreffen in Österreich.

| Standards

(Versandtermin für das nächste Heft: 29. April 2011, wir freuen uns darauf!)


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