MOTORRAD-GESPANNE 125

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Leitartikel

STANDPUNKTE

Martin Franitza

Eine interessante Diskussion entwickelte sich  bei der letzten Redaktionssitzung. Wir sprachen  natürlich  auch  über  unser  Vorhaben, in den Orient zu fahren, und dabei kam folgender  Gedanke zum Ausdruck:

Transitus Arabiae verspricht, ein großes Abenteuer zu werden. So  zumindest wird es angegangen. Doch ist der Aufwand nicht zu viel des Guten? Ist das noch ein Abenteuer? Wir  erinnern uns an die vielen Reisenden, die vor 70 oder 80 Jahren mit zehn- oder 20-PS-Motörchen in ihren überladenen Gespannen um die Welt fuhren, durch Landstriche, in denen noch nicht einmal der Plan einer Infrastruktur  für  den motorisierten Verkehr bestand, auf dünnen Reifen, die ständig durch spitze Steine perforiert wurden.

Selbst auf dem Weg in den Orient sind im 21. Jahrhundert die Straßen durchgehend  asphaltiert und die Transitstraßen deutlich besser  als die Land- und Kreisstraßen hierzulande. Bei  dieser Tour besteht das Risiko eher darin, dass  sich die breiten Reifen auf dem heißen Asphalt so aufheizen, dass sie Schaden nehmen.

Navi,  GPS,  Schutzbriefe,  dicke  Reifen  und  vielerlei  technische  Gimmicks,  die  das  Abenteuer  so  angenehm  wie  möglich  machen  sollen,  sind  im  Überfluss  vorhanden.  Über existenzielle Dinge wie Wasser, Nahrung und auch  Treibstoff  braucht  sich  der  Fernreisende von heute Gott sei Dank kaum noch Gedanken machen. Wäre weniger nicht mehr?

Ich muss dieser Ansicht beipflichten. Unsere geplante Reise könnte man auch mit einem knallhart gefederten 916er Ducati-Gespann durchführen. Reifen bekommt man heute an fast jeder Straßenecke. Die Benzinversorgung  ist auf den Hauptstrecken normalerweise kein  Thema. Würde das Vorhaben nur die Reise beinhalten, so würden wir uns auf irgendein Gespann setzen und dorthin fahren. Einfach so, ohne umfangreiche Vorbereitung.

Aber darum geht es uns nicht. Die Reise selbst ist nur ein Aspekt. Es geht uns um Gemeinsamkeiten, um Freundschaft, um Vorfreude,  um  die  Begeisterung  am  Planen.  Es  war  sicherlich eine etwas verrückte Idee, die die Beteiligten an diesem Projekt zusammen brachte. Wir tüftelten gemeinsam am Anforderungskatalog für die Gespanne. Wir freuten uns miteinander über jeden einzelnen Schritt nach vorn, den unser Projekt in  manchmal mühevoller Kleinarbeit machte. Und wir ärgerten uns gemeinsam, wenn wir einen Rückschlag erlitten, Höhen und Tiefen erlebten.

Genau dieses Miteinander, das gemeinschaftliche Tüfteln an einem Vorhaben, ist uns wichtig. Und so gesehen, ist es mir egal, ob ich einen  Reservereifen völlig unnötig  mitnehme, ob der große Tank übertrieben oder die hohe Bodenfreiheit überflüssig ist. Das gemeinsame Vorgehen über einen langen Zeitraum ist das Salz in der Suppe dieses Projekts.

Es gibt Reiseveranstalter, die bieten All-inklusive-Motorradtouren im Oman an. Wie einfach wäre es, sich ins Flugzeug zu setzen, dort von Hotel zu Hotel zu hoppeln und nach einigen Tagen wieder nach Hause zu fliegen? Das ist nicht unsere und schon gar nicht meine Reisephilosophie.

Über die existentiellen Dinge wie Benzin, Wasser und Treibstoff muss man sich heute keine Gedanken mehr machen. Die Substanz des Projektes beruht auf Gemeinsamkeit und  allem, was damit zusammen hängt. Das ist etwas, was man nicht kaufen kann und deshalb wertvoll ist. Und deswegen werden wir genau so viel Aufwand treiben, wie wir Freude daran haben und hoffen, dass wir Sie ein wenig mit unserer Begeisterung anstecken können.

Bis zum nächsten Heft oder irgendwo auf den Straßen dieser Welt.

Ihr

Martin Franitza


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Titelgeschichte aus dem aktuellem Heft (Text- und Bildauszug)


Gespanne für den Orient

Welche Voraussetzungen muss ein Gespann haben, das insgesamt 20.000 Kilometer orientalische Straßen und Pisten überstehen soll?
Wie haben die Firmen Müller-Gespanne/Zweirad Norton und Stern die Vorgaben interpretiert? Welche Umbaumaßnahmen wurden zusätzlich durchgeführt? Ein Vergleich von zwei Konzepten.

Welches  Motorrad  als  Zugmaschine  für  das Projekt  Transitus  Arabiae  verwendet  werden soll, ist schnell entschieden. Die BMW R  1150  GS  als  Basis  macht  das  Rennen.  Beide  Gespanne  sollen  wegen  der  Austauschbarkeit  ein  identisches  Fahrwerk  bekommen, 185/65×15 hinten und am Beiwagen, 17-ZollMotorradreifen vorn. Das reduziert die Mitnahme  von  Reservepneus.  Hersteller  Stern  erhält den Auftrag für Gespann Nr. 1 mit Overland-Beiwagen, Zweirad Norton für Gespann Nr. 2 mit  abgeändertem  TR-500-Boot.  Um  die  Motorräder kümmert sich Axel Funke von Zweirad Norton, denn als Stützpunkt von Touratech verbaut  er  jenes  Zubehör  des  BMW-Spezialisten, das für die Reise sinnvoll erscheint.

Beide  Motorräder  werden  mit  einer  Sintermetall-Kupplung ausgestattet (siehe auch M-G 122).  Sie  erhalten  auch  die  kürzere  Endübersetzung der 850er BMW. Der ABS-Block wird ausgebaut.  An  dessen  Platz  findet  sich  nun eine zweite Batterie, deren Ladung mit einem automatischen Trennschalter geregelt wird.

Benzin  kann  man  nie  genug  dabei  haben. Deswegen  werden  beide  Motorräder  mit  dem großen  Touratech-Tank,  außenliegender  Benzinpumpe  und  zusätzlichem  Benzinfilter  ausgestattet.  Und  weil  die  Touratech-Diserto-Verkleidung  einen  besseren  Windschutz  als  die Originalscheibe bietet und zudem für die Aufnahme des Navi-Halters vorbereitet ist, werden die Fahrzeuge auch damit ausgestattet.

Luftgekühlte  Motoren  werden  im  Stau  oder auf Pisten, die man nur im Schritttempo befahren kann, so heiß, dass schon mal die Ölkontrolllampe leuchtet. Um das Überhitzungsrisiko zu minimieren, entwickelt Axel Funke ein Lüftersystem, das hinter den Ölkühler gebaut und per  Hand  zugeschaltet  wird.  Inwieweit  diese zusätzlichen  Lüfter  tatsächlich  die  Motortemperatur senken können, werden wir hoffentlich während der Testfahrt nach Marokko erfahren.

Während Stern das erforderliche 17/15-ZollFahrwerk  baut,  hat  Axel  Funke  noch  einige zündende Ideen. Rallye-Reifen aus dem Autocross-Sport  sollen  auf  Pisten  das  Risiko  minimieren,  dass  die  Gummis  von  scharfen  Steinen  aufgeschlitzt  werden.  Das  Motorrad  und die Rallyereifen übergibt Funke an Müller-Gespanne, zusätzlich Straßenpneus auf Stahl- und Aluminiumfelgen.  Letztere  sind  für  den  Normalbetrieb  in  Europa  vorgesehen  und  sollen nur  auf  den  geplanten  Reisen  nach  Marokko und in den Oman gegen die Stahlfelgen ausgetauscht werden.

Bei Müller-Gespanne macht man einen tollen Job,  montiert  einen  verstärkten  Hilfsrahmen, ein  Schräglenker-Langschwingenfahrwerk  sowie eine Vorderradschwinge und passt alles so an, dass Rallye-Reifen, Aluminium- und Stahlfelgen montiert werden können.

Nachdem  ein  Motorrad  an  die  Firma  Stern übergeben  wurde,  stellen  die  Geiselhöringer ebenfalls  einen  beidseitigen  Hilfsrahmen  her, biegen die Schwinge für das 17-Zoll-Vorderrad und  montieren  die  vorgegebenen  Radgrößen auf  Smart-Felgen.  Bügel  werden  an  den  neu konzipierten Beiwagen Overland angepasst. Einen gebrauchten Recaro-Sitz lässt Jürgen Röder unterdessen bei der Firma Kahedo neu aufpolstern und beziehen.

Mittlerweile  ist  das  TR-500-Boot,  ehemals Boot 3 der Firma Carell, vertikal getrennt und verbreitert worden. Und auch von der Bodengruppe  ist  nicht  mehr  viel  zu  sehen.  Für  das Sauer-Fahrgestell muss der Unterbau komplett neu laminiert werden. Eine Sitzschale des Mobec-Zero-Beiwagens  soll  entsprechend  in  das Boot eingepasst werden.

Der  Sitzkomfort  für  den  Passagier  erfordert viel Diskussion. Noch immer schenken die Gespannhersteller  diesem  Thema  zu  wenig  Aufmerksamkeit (siehe auch M-G 121). Kein Wunder,  denn  sie  müssen  ja  nicht  im  Beiwagen mitfahren und unter einer eventuellen Fehlkonstruktion leiden. So erfordert es viel Überzeugungsarbeit, bis der Sitz im Gespann Nr. 2 nach unseren  Vorstellungen  aufgebaut  wird.  Auch der Kotflügel muss aus zwei Hälften komplett neu laminiert werden. Nach einer ersten Sitzprobe  verkümmert  die  Kommunikation.  Der Termin  zur  Vorstellung  beider  Gespanne  auf dem  Touratech-Travelevent  Ende  Mai  drängt beide Firmen zu vielen Überstunden.

Umso  mehr  sind  wir  auf  das  Ergebnis  gespannt. Die letzten Schrauben werden noch am ersten  Tag  der  Veranstaltung  montiert.  Auch wenn so manches Detail noch fehlt, beide Gespanne sind fahrfertig, und was uns an diesem Tag  wichtig  ist:  Sie  sehen  verdammt  gut  aus. Die mattgrau-gelbe Lackierung in den DorschFarben,  der  Firma  von  Jürgen  Röder  und  des Hauptsponsors der Reise, wirkt edel.

Warum wir uns für eine Lackierung in matten Farben entschieden, hat folgenden Hintergrund. In einer matten Oberfläche spiegelt sich die  Umgebung  nicht,  was  beim  Fotografieren vorteilhaft ist. So sollten störende Reflexionen auf Bild und Film weitgehend ausgeschlossen sein. Die Lackierungen führte die Firma Bereiter aus. Obwohl sich beide Gespanne hinsichtlich des Motivs doch deutlich unterschieden, so ist die Projektzugehörigkeit doch ohne Zweifel erkennbar.

Die klappbare Beiwagenscheibe am Gespann Nr.  2  ist  aufwendig  konstruiert,  ebenso  das Leerverdeck und die Seitenpolsterung. Der grüne Rasenteppich am Boden des Bootes passt jedoch  farblich  überhaupt  nicht  zum  Gespann. Und die Frage, wie oft man ihn gießen muss, kann der Fahrer mittlerweile nicht mehr hören. Eine wirklich tolle Lösung am Gespann Nr. 2  ist  der  Reserveradhalter.  Die  Stahlkonstruktio (…)

<< Ende des Textauszuges >>


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Vergleich

  • Gespanne für den Orient
    Zwei Hersteller nehmen je eine BMW R 1150 GS unter ihre Fittiche. der Auftrag: Gespanne zu entwickeln, die für 20.000 Kilometer auf orientalischen Straßen und Pisten tauglich sind. das Ergebnis unterziehen  wir einem detaillierten konzeptvergleich.

VORSTELLUNG * FAHRBERICHT

  • Lucky Strike
    Bei Uwe Schmidt wächst die Trisis-Familie ebenso wie sein Seitenwagen-Programm. neben der Honda CB 1300 als jüngstem Spross im uni-Fahrwerk präsentiert der Solinger den Einsitzer Strike.
  • Meine K
    Ein BMW-K-1200-GT-Gespann von Walter ist Brigittes ganzer Stolz. ihre erste Reise führte in das Alpenkarussel.

TECHNIK * PRAXIS

  • Tachoangleichung
    Tachoangleichung für Gespanne mit Canbus-System: ist das überhaupt möglich? der Bremsanlage bei einem Bals-Gespann.
  • Blinkerlatein
    Wo müssen beim Gespann die Fahrtrichtungsanzeiger montiert sein? Wir blinken uns durch das Dunkel der komplizierten Vorschriften.
  • Die Zukunft hat mehr als zwei Räder
    Dave Engbers lenkt die Geschicke der holländischen Firma EZS. er ist überzeugt, dass die Zukunft mehr als zwei Räder hat.
  • Zurück zur Natur
    Die Messe Outdoor in Friedrichshafen ist jedes Jahr die Nabelschau der Ausrüstungsbranche. Wir waren auf der Suche nach neuem und interessantem für uns Gespannfahrer.
  • Classic Sidecar Cup
    Die Teilnahmebedingungen sind großzügig und die Gespanne einmalig. Bei keiner anderen Rennveranstaltung unter dem Classic-Mantel sind so viele interessante Eigenbauten zu sehen.
  • Ural Cross für zwei
    Open air für die Kids. Thomas Stingl rüstet ein Ural-Cross-Boot mit Sitzgelegenheiten für zwei Kinder aus.

ABENTEUER

  • Schlammeinsatz
    Die unglaubliche Geschichte von einer Hardcore-Ausfahrt, die in einer meterhohen Schlammgrube für kurze Zeit ins Stocken geriet. Insider sprechen von artgerechter Haltung für Russen-Gespanne.
  • Drei Mal drei durch Ägypten
    Über der Strecke von Siwa nach Baharia durch die Wüste steht ein großes Fragezeichen. kann man sie mit normalen Straßengespannen überhaupt schaffen? Ein spannender Bericht über ein Wagnis und eine beeindruckende Reise durch Ägypten.

| Standards

(Versandtermin für das nächste Heft: 29. Mai 2011, wir freuen uns darauf!)


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