Alles klar geregelt

An Millionen Kreuzungen weltweit dirigieren Ampeln den Verkehr – egal, ob Autos
oder Fußgänger auf das Lichtsignal warten, um die Straße sicher zu überqueren. Und das
seit gut 90 Jahren:

Zuerst in allen US-amerikanischen Großstädten, später dann in Europa und auf allen anderen Kontinenten. Hamburg und Paris leisteten sich bereits 1922 Ampel-Anlagen.

Nur wenige Jahre später, 1924, hatten auch die Berliner eine Ampel für Fußgänger und Autos am Potsdamer Platz. Die Anlage befand sich an einem drei Meter hohen, viereckigen Turm. Darin gab es auch eine Kabine für den Schutzpolizisten. Denn er bediente die Leuchten – „Rot“, „Grün“ und „Blau“ (statt „Gelb“) für Autofahrer sowie „Weiß“ für Fußgänger. „Mutter“ der Ampel regelte Londons Autoverkehr.

Die Technik der elektrischen Ampel durchlief in den letzten einhundert Jahren alle möglichen Entwicklungsstufen. Die „Mutter“ aller Ampeln stand laut Überlieferungen in London nah dem “Houses of Parlament“ an der Kreuzung George/Bridge Street. Sie regelte ab Dezember 1868 den Verkehr. Erfinder John Peake Knight konstruierte dafür einen Signalmast, an dem vier um 45 Grad schwenkbare Eisenbahnsignalflügel installiert waren. In die Köpfe der Flügel baute Knight eine Gaslampe mit grünen und roten Gläsern ein. Die Anlage wurde per Pedal bedient: Bei waagerecht ausgestrecktem Schwenkarm hieß es „Stopp“, hing der Arm im 45-Grad-Winkel herunter, gab es „freie Fahrt“.

Die erste automatische Ampel im Jahr 1910 war mit zwei Vierkantdisplays ausgerüstet, die „Stop” und “Proceed” (weiterfahren) anzeigten. Im Dunklen wurde sie mit elektrischem Licht illuminiert. Für das “Street Traffic System” bekam der Ingenieur Ernest Sirrine im November 1910 in den USA das Patent. Eine Glocke kündigte Signalwechsel an.

Zwei Jahre später entwickelte Lester Wire aus Salt Lake City die erste elektrische Verkehrsampel, die auf einem Mast mitten auf der Kreuzung stand. Die Steuerung der roten und grünen Lampe erfolgte über ein Steuerungskabel, das ein Polizist per Hand bediente. Bei der Signalanlage von James B. Hoge aus dem Jahr 1913 konnte hingegen per Schalter die Stopp- und Fahr-Signale betätigt werden. Diese Erfindung war zusätzlich mit einer Glocke ausgerüstet: Sie informierte Autofahrer, wenn ein Signalwechsel kurz bevorstand. Nach einer eleganteren Lösung suchte William L. Potts aus Detroit. Er wollte ein System mit elektrischen Signalen verwenden, so wie es bei der Eisenbahn funktionierte. Also nahm Potts drei Bahn-Leuchten, kaufte für 37 Dollar Draht, Klemmen und Relais und baute daraus die erste elektrische Ampel mit nebeneinander angeordneten Lampen. Mitten auf Detroiter Verkehrsknotenpunkt, der Kreuzung Woodward- und Michigan Avenue, stand ab dem 2. Januar 1919 die Anlage als eine Art Turm.

Fast in Vergessenheit geraten ist die sogenannte Heuer-Ampel, die man nach ihrem Erfinder Josef Heuer benannte. Von den 30er Jahren bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gehörte sie nicht nur in deutschen Städten, auch in den Niederlanden, Frankreich, Belgien oder Australien zum Straßenbild. An Drahtseilen hing das „Wunderding” mitten über Kreuzungen und regelte als „Zeiger-Ampel” den Verkehr: ein großer würfelförmiger, von innen beleuchteter Kasten mit roten und grünen Segmenten und einem im Uhrzeigersinn drehenden weißen Zeiger auf allen vier Seiten. Eine eigene „Gelb“-Phase gab es nicht.
Besonders pfiffig war die Symbolik: Da sich der Zeiger gleichmäßig weiterbewegte, konnte jeder Autofahrer einfach erkennen, wie lange die Grün- oder Rotphase noch dauerte. Die Heuer-Ampel konnte sich schließlich nicht durchsetzen, da zum einen die Kosten für Herstellung und Wartung zu hoch waren. Zum anderen war die Technik nur auf rechtwinklige Kreuzungen mit vier Straßen ausgerichtet, und es konnte nur der Autoverkehr geregelt werden.

Heute passen sich die Signalabläufe durch Detektion der Verkehrsströme automatisch an das Verkehrsaufkommen an. Software optimiert nicht nur dauernd die Verkehrsabläufe, sondern verringert zeitgleich die Wartezeiten aller Verkehrsteilnehmer. Zum anderen wird auch die Beleuchtungstechnik der Ampeln und ihrer Signale, von anfangs Gas über elektrischen Glühlampen mit ihrem hohen Energieverbrauch bis zu heutigen sparsamen LED-Signale ständig weiterentwickelt.

Quelle: Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Motor Pressedienst

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