Leitartikel
September/Oktober 2003, Heft Nr. 77

Wir wollen bequeme Beiwagen !

Die 90er Jahre waren eine Zeit, in der die Seitenwagenhersteller fast jeden Monat einen neuen Beiwagen entwickelten. Viel zu wenig wurde Rücksicht auf die Wünsche der Passagiere genommen und manche Neuheit verschwand bald wieder in der Versenkung. Der Squire Carlo ist ein solches Beispiel. Andere Beiwagen wurde mehrfach kopiert wie zum Beispiel der RX-4, von dem es mittlerweile verschiedene Versionen gibt. Als breitere Version des EZS Rallye feierte er damals bei der ehemaligen Gespann Vertriebs Gesellschaft (GVG) seine Auferstehung und ist mittlerweile als RX 4 bei Watsonian Squire, als RX 5 bei EZS und RX S bei der Firma Stern zu haben. Modellpflege oder Weiterentwicklung sagen aber leider nichts über eine verbesserte Praxistauglichkeit aus.

Über 120 verschiedene Modelle werden derzeit in Deutschland angeboten. Viele davon werden schon seit Jahren unverändert gefertigt und da muss man schon Fragen: Wo sind denn zum Beispiel die tollen Beiwagensitze? Immer noch werden viel zu oft Sitzbretter mit billigem Schaumstoff überzogen als wäre der Platz im Beiwagen nur Dekoration. Das wäre vielleicht nicht so schlimm, wenn sich wenigstens der Federungskomfort der Beiwagenfahrgestelle verbessert hätte. Aber auch hier, Fehlanzeige. Auch wenn der Bezahler des Gespannes selten im eigenen Boot mitfährt, darf der Beiwagen nicht vernachlässigt werden. Klagt der Mitfahrer oder die Mitfahrerin nach wenigen Kilometern schon über Rückenschmerzen und hat nur eines im Sinn, nichts wie raus, bremst das nicht nur die Kilometerleistung sondern auch den Gespannverkauf. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Windschutz im Beiwagen. Gerade wenn ein Boot über Jahre gefertigt wird, sollte ein wirksamer Windschutz obligatorisch sein. Und dazu braucht es keine mächtige und teure Scheibe. Schone ein kleines aber dreidimensional geformtes Plexiglasschild kann viel bewirken.

Wo also bleibt denn die Modellpflege hin zur Praxistauglichkeit?

Wir suchen Ihre Erfahrungen, Ihre Meinungen zu dem Thema Praxistauglichkeit von Beiwagen. Egal welches Modell Sie besitzen. Schreiben Sie uns über die Vor- und Nachteile, die Ihr Beiwagen hat. Nennen Sie uns 5 Pluspunkte, die Sie an Ihrem Beiwagen schätzen, und 5 Minuspunkte, die der Hersteller unbedingt abstellen sollte. Wir werden die Hersteller mit dem Ergebnis konfrontieren und sind schon jetzt auf Ihre Antworten gespannt. Wir müssen den Mund aufmachen, wir müssen immer wieder konstruktiv mit den Herstellern dikutieren, damit sich etwas ändert. Ural war wieder einmal ein gutes Beispiel und jetzt wollen wir bequeme Beiwagen.

In der letzten Ausgabe berichteten wir über die Neuordnung des Ural-Händlernetzes. In den letzten Wochen hat sich viel getan. Der von mir im Leitartikel (Heft 76) kritisierte Punkt über die Beschneidung der Gewährleistung von zwei Jahren auf sechs Monate ist vom Tisch. Die Ural Motorcycles GmbH räumt nun auch wieder gegenüber ihren Händlern volle zwei Jahre Gewährleistung ein. Die neue Händlerschaft steht fest (siehe auch ab Seite 70).

Der Aufschrei der Händler hatte die Ural Motorcycles GmbH offenbar zu diesem Schritt bewegt.

Bis zum E-G-T oder irgendwo auf den Straßen dieser Welt, Ihr

Martin Franitza

Leicht zu merken - die Telefonnummer der Redaktion: 0700 wählen und dann "sidecars" tippen.

 
 

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