Leserbriefe
Heft Nr. 77, September/Oktober 2003


Blick in die Zukunft?

Nach dem Lesen des Kommentars von Bernhard Götz in MOTORRAD-GESPANNE Nr. 74 möchte ich  gerne meine Meinung zum Thema abgeben.

Zuerst einmal denke ich, dass es in jeder Zeit Menschen gibt, die sich ihr Wunschgespann kaufen können, koste es auch den Preis eine gehobenen Mitteklasse PKW und mehr.  Zu diesen Menschen gehöre ich wie viele andere leider nicht, darüber jammere ich sicherlich nicht, denn dafür geht  es mir im großen und ganzen gut.
Nun zur Aufgabe Neu - Gespannkauf in den nächsten 12 Monaten: Als erstes freue ich mich, dass ich maximal eine normal gewachsene Person  transportieren muss und ich etwas Schrauben kann. Ich kann mein Gespann in Österreich oder Deutschland zulassen und weiß, dass ich am Gespannfahren dauerhaft echten Spaß habe und habe dazu noch einen PKW vor der Tür.
Diese Freude hätte ich so erst mal nicht wenn ich 2 Kinder, eine noch zu motivierende Klasse A freie Frau, kein zweites Fahrzeug, um zur Arbeit zu kommen und die Unsicherheit des "ist Gespann fahren das richtige für mich" hätte.
Aber dies sind ja nicht meine Probleme. (Wären sie es doch !) Ich hätte gerne ein Fernreisegespann, geeignet auch für mehr als 5 Kilometer russische Feldwege (als Beispiel für Anspruch an Stabilität der Gespannkonstruktion), Straßentempo 120 km/ h bei 3/4 Last mit ausreichend Drehmoment,  Verbrauch unter 10 Liter (Diesel ?), zuverlässiger Motor im Sommer auf alpinen Militär-Strassen und nordische Winter (Savalen Rallye und  kälter), um den Lenker herum Ausstattung ähnlich einer KTM Adventuere, auch in abgelegener Gegend handelbare Technik des Gesammtgespannes ohne Vollausbildung zum Zweiradmechaniker und das ganze zu einem Preis, der mir eine Fernreise in Länge eines Jahresurlaubes innerhalb der nächsten fünf Jahre erlaubt d.h. für mich maximal 12.500 Euros zugelassen ohne Anlieferung einer Solo-Maschine. Zu erwartende Zusatzkosten innerhalb der folgenden 25.000 km auf Mitteleuropäischen Straßen : Keine außer Inspektion, Wartung, Verschleißteile und Treibstoff.
Ich höre jetzt einige Gespannverkäufer / Gespannhersteller..."12.500 als Anzahlung ist ok"...oder "den Tankgutschein für 2 Jahre wohl auch noch um den Preis".  Aber sorry, ich habe nicht mehr Geld und will eigentlich auch nicht mehr ausgeben. Also bekomme ich nicht mein Gespann und Ihr verkauft nichts. Aber dies kann ja nicht das Ende sein, was also tun ?
Die Neu - Gespannpreise müssen sinken ohne dabei auf Qualität zu verzichten. Nun gehören Gespannbauer nicht zu den oberen 10.000 unseres Landes, sondern sind in der großen Mehrzahl kleine Unternehmen, die zum Teil ihre Haupteinnahme aus anderen Tätigkeiten erzielen müssen und haben somit nichts zu verschenken. Also einfach weitermachen und nur den Preis senken wird nicht gehen.
Was ich mir Wünsche ist eine stärkere Zusammenarbeit der Gespannbauer, mit dem folgenden Zielen:
a) Entwicklung eines flexiblen Gespannfahrwerkes, mit möglichst zwei Motorvarianten: a) Diesel z.B. Hatz  b)Benziner z.B. KTM 2 Zylinder Der Kunde kann zwischen 3 Ausrichtungsvarianten (Familie , Fernreise, 1 Personen- im Boot-Tourer) wählen,  maximaler Unterschied der Varianten 1000 Euro bei einen maximalen Zielpreis von 12500,- Euro für das fahrbereite Komplettgespann.
b) Gemeinsamer Vertrieb und Vermarktung, inkl. einer Hausbank bei Finanzierungen und gemeinsame Serviceversorgung dieses Gespannes. Kundenbindung z.B. durch Verkauf von Servicepaketen bei Neukauf.
c) durch gemeinsames Auftreten Hinzugewinnung von weiteren Partnern z.B. aus dem Zuliefersektor wie z.B. Hatz, Magura, Touratech u.a. , sowie Öffnung neuer Märkte und Vertriebswege.
Ich glaube, dass diese Ziele erreichbar sind und ein solches "Volksgespann" ein Erfolg wird. Dies erlaubt es den einzelnen Gespannbauern auch oder trotzdem ihre individuellen Geschäfte weiter zuführen. Sie müssen jedoch über den Tellerrand ihres eigenen Betriebes hinausschauen, offen für eine gemeinsame Entwicklung sein, Konkurrenzdenken aufgeben und Zwistigkeiten begraben.
Rüdiger Puch, z.Z. Steyr, Österreich


Statt Koni-Federbeine

Zum Thema Gespannfederbeine in M-G 72

Bei einer TÜV-Hauptuntersuchung im Januar 2003 hat der Prüfer an meinem BMW K 100RT-Gespann als einzigen Mangel festgestellt, dass die beiden Bremsscheiben der Verschleißgrenze schon bedrohlich nahe gekommen sind. Ich bekam meinen Stempel mit der Maßgabe, in nächster zeit der Bremsen auszutauschen. Ich besorgte mir daraufhin zwei neue Scheiben.
Jetzt kam der unerfreulichste Teil der Aktion. Beim Ausbau des Rades und der Bremssättel kam ein Unheil zu Tage. Beim linken Koni-Dämpfer musste ich feststellen, dass der untere Federaufnahmeteller, der auch gleichzeitig zur Federvorspannung dient, auf der dem rad zugewandten Seite zu einem vollen Drittel herausgebrochen war.  Er wurde nur noch durch den Federdruck in dieser Position gehalten – und das vielleicht schon seit geraumer Zeit. Wie hinlänglich bekannt existiert Koni nicht mehr. Also musste eine andere Marke besorgt werden. Hier half dann Euer Bericht in Ausgabe Nr. 72. Es sollte ein Dämpfer sein, bei dem das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Ich rief Herrn Christoph Specht von Bilstein an. Ich schilderte das Malheur mit dem Koni-Dämpfer.  Nach einigen Messarbeiten an Dämpfer und Schwinge konnte er mir für mich passend ein Federbein zusammenstellen. Da mein Anruf vor 15 Uhr stattfand, wurden die Artikel noch am gleichen Tag verpackt und zur Post gebracht. So konnte ich schon am nächsten Nachmittag mit dem Einbau beginnen. Fahrtechnisch ist mit diesen Dämpfern auch eine positive Veränderung der Straßenlage festzustellen.
Leo Lang , Ottweiler


Das Testgespann

Ich habe auf Vermittlung von Ural-Händler Jörg Umbach aus Vöhl am Edersee, das Angebot bekommen, die von Ihnen getestete Moto Guzzi California Special Sport Aluminium mit Sahib-Einsitzer-Beiwagen zu einem guten Preis bei Bernhard Peintner und Dieter Zitzelsberger (Iwan-Bikes) in Allershausen zu kaufen. Aufgrund Ihres sehr positiven Testberichtes und nach einiger Bedenkzeit habe ich dieses Gespann gekauft und bin bisher etwa 500 Kilometer gefahren.
Ich möchte Ihnen mitteilen, dass Ihr Test meinen bisherigen Erfahrungen in allen Punkten voll und ganz entspricht! - Sowohl Fahrverhalten, die sehr gute Bremsanlage, als auch der Motor ist absolut topp! Einzige Änderung (zu dem Zustand als Sie testeten) bei diesem Gespann ist mittlerweile, dass es mit Katalysatoren ausgestattet wurde und damit die Euro-2 Norm erfüllt. Dadurch beträgt die Leistung, lt. Kfz-Schein nunmehr 48 KW und die eingetragene Höchstgeschwindigkeit 160 km/h, was mir als langjährigen MZ- und Ural-Gespannfahrer aber völlig ausreichend ist. Vielen Dank nochmals für Ihren sehr gelungenen Test - und wer kann schon von seinem Gespann sagen, dass es in "Motorrad-Gespanne" getestet wurde!
Uwe Altenhof, Frielendorf-Verna


Thema Anhänger

Anfang 2002 erstand ich bei der Fa. Haubrich einen Anhänger der Marke Dnepr mit dem Ziel der Verwendung an meinem Guzzi/ Watsonian-Gespann.

Das Gefährt verfügte über keinerlei Papiere, die Fa. Haubrich lehnte von vornherein jegliche Hilfe und Beratung beim Aufbau und der Zulassung ab und bot den Verkauf unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung an. Meine dennoch getroffene Kaufentscheidung begründete sich nahezu ausschließlich auf die Tatsache, dass mir alle mir bekannten Anhänger nicht gefielen und sich nur bei diesem Anhänger die erwünschte klassische Optik verwirklichen ließ. Eine erste Bestandsaufnahme zeigte die Deichsel als unbrauchbar, weil instabil, die Stoßdämpfer als funktionsuntüchtig und die Felgen aufgrund großer Höhen- und Seitenschläge als verkehrsunsicher. Der beiliegende Anhängebock mit Gutachten für Dnepr ließ sich gut am Watsonian- Seitenwagen anbringen, hatte aber bei der Vorstellung beim TÜV Bonn keine Chance, weil weder am Kugelkopf noch am Rohr eine Prüfnummer zu finden war. Herr Richarz, der Prüfer des Bonner TÜV zeigte sich jedoch verständnisvoll und höchst kompetent. Er diktierte mir die Bedingungen, unter denen ich eine EBE für einen selbstgebauten Anhängebock erlangen könnte und avisierte die Eintragung einer Aufliegelast von 20 kg und einer Anhängelast von 150 kg. Das zukünftige Aussehen des Anhängers wurde ebenfalls besprochen.
Den Anhänger versah ich mit der zulassungsfähigen Rohrdeichsel eines deutschen Markenanhängers und vorschriftsmäßiger Beleuchtung. Die aufgeschraubte Blechkiste (26 kg) wurde gegen 2 Exemplare aus Aluminium ausgetauscht, die auf gekürzte PKW- Dachgepäckträger montiert wurden. Die originalen Dnepr- Naben ließ ich über die Fa. IWAN BIKES mit 15“- Felgen und Smart- Reifen ausrüsten, was zwar sehr lange dauerte (4 Monate), aber im Ergebnis gut ausgeführt wurde. Herr Peintner von der Fa. IWAN BIKES begründete den Zeitverzug für mich glaubhaft mit Verzug einer Zulieferfirma.
Das gesamte Gespann stellte ich dann im März diesen Jahres erneut dem Bonner TÜV vor und erhielt nach ausgiebiger Begutachtung und Testfahrt durch Herrn Richarz für den Anhängebock eine Eintragung von 25 kg Aufliegelast und 150 kg Anhängelast.
Der Anhänger erhielt eine EBE mit identischen Werten. Die notwendigen Behördengänge zur zuständigen siegburger Zulassungsstelle gestalteten sich unproblematisch, die Beratung dort war gut und wenig bürokratisch.
Familie Malzer


Alltägliche Transportaufgaben!

Dieses Zweizylinder-Zweitakt-Gespann habe ich im März morgens um 07.00 Uhr in Kabul (Afghanistan) aufgenommen. Der Seitenwagen ist mit frischen Tierhäuten gerade geschlachteter Rinder beladen. Das Reserverad dient als Gewicht, damit der Fahrtwind die wertvolle Fracht nicht außenbords bläst.  Nachdem ich den Fahrer während meines dortigen Aufenthalts zweimal ohne Kamera an unserem Gästehaus vorbei fahren sah, hatte ich am Abreisetag das Glück ihn diesmal mit Fotoapparat wieder anzutreffen. Wie fast alle seine Landsleute ließ er sich gern ablichten. Technische Daten zum Gespann konnte ich mangels Dolmetscher leider nicht erfragen.
Peter Heinrich, Oldenburg


Rechtstipp-Korrektur

Im Rechtstipp in Heft 75 ist ein Fehler enthalten, der zur Fristversäumnis und damit zur Bestandskraft des Bußgeldbescheides führen kann. Entgegen den Ausführungen im Rechtstipp kann ein Einspruch nicht telefonisch, sondern nur schriftlich oder zur Niederschrift eingelegt werden. Bei der Niederschrift muss man schon persönlich bei der Behörde erscheinen, um seinen Einspruch dort von einem Mitarbeiter schriftlich aufnehmen zu lassen.
Jörg Hackstein, Essen

  Weitere Rubriken in diesem Heft: Inhaltsverzeichnis, Editorial, Titelgeschichte, Nachrichten

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