Schlagwort-Archiv: Rost

MOTORRAD-GESPANNE 177

MG 177-Titelseite

Das aktuelle Heft bestellen
Das Abonnement bestellen


INHALTSVERZEICHNIS  Mai/Juni 2020, Ausgabe 177
MG-177 Inhaltsverzeichnis
Einzelheft bestellen über den Shop

TITELGESCHICHTE

V-Welten
Großvolumige V-Twins spielen seit jeher eine bedeutende Rolle im Motorradbau. Das aktuelle Spektrum der Einsatzmöglichkeiten: Moto Guzzi California 1400 bis KTM 1290 Super Adventure.

VORSTELLUNG / EIGENBAU

Kleiner Gernegroß
Reicht der Viertelliter Hubraum für ein einigermaßen flottes Gespann? MG fährt die Yamaha XV 250 von Gössele.

Orgie in Lack
Wenn ein Designer seine Gespannträume realisiert, ist das Resultat keine Kombination von der Stange. Mit fahrwerktechnischer Hilfe von Löw wurde die Vision von einer dreirädrigen Yamaha XJR 1300 umgesetzt.

Retro ohne Reue
Zwar erinnert die Kawasaki Z 900 RS stark an die Z1 von 1972, technisch ist sie aber auf der Höhe der Zeit. Wie gut diese gelungene Synthese aus Klassik und Moderne mit dem Swing harmoniert, verrät unser Fahrbericht.

Bonsai-Gespann
Eine Honda Dax ST70 mit Beiwagen ist in MOTORRAD-GESPANNE eine Premiere. Und wie der Besitzer völlig zu Recht bemerkt: „Da wird’s ja mal Zeit!“ – Vorstellung einer Augenweide mit Ausbaupotential.

GESPANN-WELT

Nachrichten
Corona und (noch) kein Ende +++ Gössele: Neue Kontaktdaten +++ Triton – aller guten Dinge sind drei +++ Himalayan, die Zweite +++ Der Gespannkalender 2021 +++ Tourenführer Schweiz +++ Schnelle Gespanninfos dank QR-Code +++ Messe Dortmund +++ Deutschlandfahrt für Tourenfahrer

SERVICE

Kompetenzfragen
Ist die Bewegungsfreiheit drastisch einschränkt, muss das nicht das Ende der Motorrad-Karriere bedeuten. Aber aufgepasst: Wenn Inkompetenz einen Amtsschimmel reitet, braucht es Beharrlichkeit und starke Nerven.

Green Zone
Fahrverbote für die Luftqualität:
Alles über Umweltzonen und -plaketten in Europa.

TECHNIK

Rennsessel
Muss ein supersportliches Gespann knüppelhart sein und jede gröbere Fahrbahnunebenheit als Attacke auf den Unterboden fürchten? Wie es anders geht, zeigen wir am Beispiel einer Yamaha TRX 850.

Gedämpfte Erwartungen
Auch achsschenkelgelenkte Vorderräder neigen bisweilen zum Lenkerpendeln. Überlegungen und Umsetzung zum Anbau eines Lenkungsdämpfers an einem Zeus-Gespann.

SZENE

Rost? Da hilft Gespann-Recycling
Gelegentlich steht nach einem Blick über das „alte Schätzchen“ ein Fragezeichen. Das Gespann hat viele Jahre treue Dienste geleistet, doch der Zahn der Zeit nagte heftig. Verkaufen oder renovieren?

Watsonian-Suzuki: Glücksfall
Üppiger Hubraum, satter Durchzug und ein pflegeleichter Kardanantrieb machten die Suzuki GS 1100 G vor über drei Jahrzehnten für das dritte Rad attraktiv.

Vespa-Küche: Essen auf Rädern
Garküche mit Vespa GTS 300? Aber ja doch! Der Brite Adrian Jones fand das besonders inspirierend und ließ sich in Großbritannien eine mobile Küche bauen.

DAMALS

Heimische Vespen
Wenn ein Roller als ur-italienisch gilt, dann die Vespa. Produziert wurde der Kult-Scooter von 1950 bis 1955 auch im rheinischen Lintorf. Damit unterwegs zu sein ist etwas ganz Besonderes!

REISE

Heißes Abenteuer im Outback
Noch vor den großen Bränden in Australien unternahmen Sigi und Stephan eine Gespanntour durch den Südosten Australiens. Eine Tour mit unvergesslichen Eindrücken und Begegnungen.

STANDARDS

Leitartikel
Briefe unserer Leser
Gespann-Nachrichten
Termine und Gespannfahrertreffs
Gespannfahrershop
Der Gespann-Anzeigenmarkt
Vorschau auf die nächste Ausgabe

MG-177-Vorschau


 (Vorweg)

Ein bisschen Normalitätbg

Corona ist allgegenwärtig. Auch die Arbeit für MOTORRAD-GESPANNE ist von den Folgen betroffen. Durch Reisebeschränkungen sind persönlichen Kontakte mit Gespannfreunden und den Herstellern eingeschränkt. Themen, die wir schon vor Monaten planten, haben an Relevanz verloren, wie zum Beispiel unsere Übersicht der Fahrverbotszonen aus Umweltschutzgründen (Seite 66).

Geradezu dramatisch sind die Auswirkungen auf den Gespannsport – eine Rubrik die in MOTORRAD-GESPANNE derzeit nicht stattfindet. Wie alle Veranstaltungen, fallen Sportereignisse aus oder werden auf spätere Termine gesetzt. Gespann- und Motorradtreffen sowie Gespannfahrer-Stammtische finden nicht statt. Was ich persönlich besonders vermisse: Die Kommunikation mit Gleichgesinnten, dass Miteinander am Stammtisch und auf Motorradtreffen. Aus Planung wird Hoffnung. Sicher ist, bis in den Juni hinein sind Großveranstaltungen abgesagt oder verschoben. Ob das internationale Euro-Gespann-Treffen vom 28. bis 30. August stattfinden kann? Wir hoffen es!

Die Vorbereitungen für das diesjährige EGT in Reddighausen laufen. Mit dem Veranstalter, den Motorradfreunden Reddighausen e.V., haben wir vereinbart, bis Anfang Juni zu Entscheiden ob das große Treffen der Gespannfahrer stattfinden kann. Sollte sich aber die Empfehlung des Robert Koch Instituts zur Bewertung von Großveranstaltungen nicht ändern, wird es 2020 kein EGT geben. Auf www.motorrad-gespanne.de informieren wir regelmäßig über die Auswirkungen der Corona-Krise.

Solltest du Corona-bedingt zu Hause sitzen, dann ergreife die Gelegenheit und gehe heute noch an dein Gespann. Ich weiß, es gibt immer etwas zu tun: Luftdruck messen, Ölstand prüfen und Bremsflüssigkeit kontrollieren. Und wann hattest du zum letzten Mal den festen Sitz der Schrauben an den Anschlussstreben überprüft? Ist dies alles erledigt, könnte man ja auch die Garage aufräumen. Ich will damit sagen: Hol dir ein Stück Normalität zurück!

In den Werkstätten der Gespannhersteller wird trotz Corona fleißig gearbeitet. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt und wenn die erforderlichen Teile geliefert werden können, entstehen auch weiterhin Woche für Woche neue Gespanne. Gut für die Zeit nach der Viruskrise! Natürlich werden wir über die neuen Dreiräder in den folgenden Heften berichten. Planst du in nächster Zeit einen Hersteller zu besuchen, vereinbare dies vorher per Telefon.

Wenn möglich, pflege das Zusammengehörigkeitsgefühl mit deinen bekannten Gespannfahrern! Es geht per Telefon oder digital am Computer. Kommunikation ist der Kit der uns Zusammenhält. Auch MOTORRAD-GESPANNE will dazu beitragen.

Die Welt ist im Krisenmodus, da freue ich mich ganz besonders über jeden Leserbrief. Ob Fragen, Vorschlägen oder deine Ansichten zu einem Gespannthema. Möchtest du dein Anliegen lieber mündlich weitergeben, kannst du mich gerne in der Redaktion unter der Telefonnummer 06298 928980 erreichen.

Kommunizieren kann man auch über die Internetforen bei MOTORRAD-GESPANNE, auch sehr beliebt: Dreiradler.org. Bei einer Flasche Bier oder einem Glas Wein kannst du entspannt in den vielfältigen Einträgen schmökern. Auch das ist ein Stück Normalität.

Viel Spaß beim Lesen deiner neuen MG-Ausgabe und bleib gesund!

Bernhard Götz
bg@motorrad-gespanne.de

Edelstahlschrauben

Ein beliebtes Zankgespräch unter Gespannfahrern ist das Thema „Edelstahlschrauben“. Im Nachfolgenden geht es uns um technische und optische Unterschiede.

Mit viel Aufwand wird versucht, den metallenen Verbindungselementen das Rosten abzugewöhnen: Da wird brüniert, phosphatiert, verzinkt, verchromt, verzinnt, versilbert, verkupfert, vernickelt oder gar vergoldet. Oder lackiert.

Blöd, dass einige Veredelungsverfahren bei der Herstellung krebserregend sind. Das ist der Grund, warum es aktuell keine chromatierten Schrauben mehr gibt, wie der eine oder andere sie noch aus den 70er und 80er Jahren kennt.

Wie auch immer beschichtet wurde oder wird: Am Ende muss ernüchternd festgestellt werden, dass die Dinger irgendwann eben doch rosten. Das liegt daran, dass abrutschendes Werkzeug oder Gabelschlüssel, bei denen sehr viel Kraft auf sehr kleiner Fläche wirkt, die mühsam aufgebrachte Oberflächenbeschichtung des Schraubenkopfs beschädigt.

Zudem nagen am aufgebrachten Oberflächenschutz aggressive Flüssigkeiten wie winterliche Streusalzsuppe, Bemsflüssigkeit oder scharfe Reinigungsmittel wie etwa Felgenreiniger. Vor allem, wenn es diese Flüssigkeiten schaffen, sich in Spalten oder in anhaftendem Schmodder einzunisten, entfalten sie nach längerer Einwirkung ihre kompostierende Wirkung.

Ein Werkstofftechniker ist darüber nicht entsetzt. Zwar lassen sich verrottete Schrauben irgendwann kaum oder nicht mehr lösen, aber die Festigkeit der Schraubverbindung bleibt auch bei heftiger Korrosion über einen langen Zeitraum erhalten. Bestenfalls bei Oldtimern, die jahrzehntelang draußen standen, wird von abgerosteten Schrauben berichtet.

Doch Rost sieht liederlich aus und gilt als Makel. Der Besitzer eines Gespanns mit vielen rostigen Schrauben ist ein Mensch, der sein Motorrad nicht wirklich liebt – so habe ich es schon gehört. Lässt man also den persönlichen Imageschaden außen vor, müsste man aus rein technischer Sicht nichts ändern. Doch magisch bleibt das Auge an bräunlichen Schraubenköpfen hängen. Die Rettung kann durch die Verwendung von Edelstahlschrauben erreicht werden. Allerdings sollte dabei einiges beachtet werden:

 • Edelstahlschrauben spielen preislich in einer anderen Liga. So sind für eine Wald- und Wiesen-Schraube in Edelstahl eben mal 5 Euro fällig. Dafür kann man auch zehn verzinkte Schrauben bekommen.

 • Edelstahlschrauben gibt es in verschiedenen Korrosionsfestigkeits-Klassen wie beispielsweise A2 oder A4. Wenn man sein Fahrzeug nicht täglich an der Küste parkt, genügen die A2-Versionen.

• Weitere wichtige, weil sicherheitsrelevante Kriterien stellen die Festigkeiten von Edelstahlschrauben dar. Die Metaller unter uns erinnern sich an Berufsschule oder Studium: Die Streckgrenze gibt die Belastung an, ab der das Material zu fließen beginnt, sich also bleibend verformt. Die Zugfestigkeit ist die maximale Belastung, die das Material aushält. In den folgenden Tabellen sind einige Schraubenarten gegenübergestellt. Sowohl bei der Stahlschraube 4.6 als auch bei der Edelstahlschraube A2-50 differieren Streckgrenze und Zugfestigkeit sehr stark. Das Material beginnt also sehr früh zu fließen, kann aber dann noch deutlich stärker angezogen werden.

Der Schrauber empfindet das als „weiche“ Schraube. Man kann nicht so recht fühlen, wann die Schraube angezogen ist. Solche lumpigen Baumarktschrauben haben in Fahrzeugen, egal ob Zwei,- Drei- oder Vierrad, nichts zu suchen.

Auch die gängige A2-70-Edelstahlschraube hat im Ansatz noch ein solches Verhalten. Erst die A2-80-Edelstahlschraube erreicht in etwa die Werte gängiger 8.8-Stahlschrauben. Hochfeste Schraubenverbindungen (10.9 und höher) lassen sich mit auf dem Markt befindlichen Edelstahlschrauben nicht darstellen.

• Die Dauerfestigkeit von Edelstahlschrauben, also die Fähigkeit, pulsierenden oder wechselnden Kräften zu widerstehen, scheint gegenüber normalen Schrauben geringer zu sein. So hat man sogar schon von Schraubenbrüchen bei Fahrzeugteilen mit extremen Vibrationsbelastungen gehört, etwa auf afrikanischen Waschbrettpisten.

Der kritische Leser dieses Beitrags denkt sich an dieser Stelle: Es ist enttäuschend, in einem Fachartikel Aussagen lesen zu müssen, die auf Hörensagen basieren. Warum keine belastbare Fakten?

Was sagen denn diesbezügliche Datenblätter der Schraubenhersteller hierzu?

Die Antwort lautet: Fast nichts. Das lässt zwei Schlüsse zu. Entweder es liegen tatsächlich noch keine Versuchsreihen hierüber vor oder die Kenndaten bezüglich Dauerfestigkeit sind so ernüchternd, dass Hersteller diese ungern veröffentlichen. Soviel zum Thema Belastbarkeit. Weitere Besonderheiten sind:

• Edelstahl ist ein denkbar schlechter Gleiter. Das führt dazu, dass sich die Schrauben spürbar schwerer anziehen lassen – was in den meisten Fällen keine Rolle spielt. Unschön wird es aber, wenn das Werkstatthandbuch ein bestimmtes Anzugsmoment der Schraube vorschreibt: Der dort genannte Wert gilt nur für die Verwendung von Stahlschrauben.

• Weiter spricht das Lehrbuch: Haben Edelstahlschrauben am Motorrad Aluminiumkontakt, kommt es zur Zersetzung des unedleren Metalls (also des Aluminiums). Für diese Anwendungsfälle wird oft die Verwendung von Kupfer- oder Silberpasten empfohlen, die das galvanische Element in dessen Reaktion behindern. Die Praxis zeigt jedoch, dass dieses Problem eher selten auftritt.

Wer tiefer in die Materie einsteigen und sich mit austenitischen Stählen, Streckgrenzlasten oder Spannungsrisskorrosion herumschlagen will, der sei auf die gängigen Normen verwiesen. Die DIN EN ISO 3506 handelt speziell von Edelstahlschrauben. Eine gute Zusammenstellung gibt es auch auf der Internetseite des Montageprofis Würth unter „rost- und säurebeständige Verbindungselemente“.

Auch beim Bezug solcher Schrauben ist man natürlich bei einem so renommierten Unternehmen gut aufgehoben, auch wenn es nicht ganz billig ist. Jedoch kann man auch bei diversen kleineren Schraubenhändlern fündig werden. Besonders auf Teilemärkten finden sich häufig Anbieter mit einem schier unerschöpflichen Angebot von Edelstahlschrauben verschiedenster Größen und Arten. Dort kann man sich im Prinzip bedenkenlos versorgen, wenn man einfach die folgenden Dinge beachtet:

• Keine Edelstahlschrauben ohne Kopfbeschriftungen verwenden! Bei fehlender Bezeichnung besteht der Verdacht, dass irgendwelches weiches Material verwendet wurde. Genau so denken auch Kfz-Prüfer – was dann vielleicht zu Problemen bei der nächsten HU führen kann.

• Nur Edelstahlschrauben mit mindestens Festigkeitsklasse 70, besser 80 verwenden.

• Vorsicht bei Edelstahlschrauben an stark vibrationsbelasteten Elementen.

• Niemals 10.9-Schraubenverbindungen (oder noch höhere) durch Edelstahlschrauben ersetzen!

Reiner Nikulski / Ralph Schelle